Hof Lechtape (Eickel)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel
Version vom 21. Februar 2026, 13:21 Uhr von Andreas Janik (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „__NOTOC__ <big>Der Hof gehörte ursprünglich als Bestandteil zum Gut Gosewinkel. Es erstreckte sich vom Dorf Eickel bis zur Gemeindegrenze von Wanne. 1736 wurden Teile abgetrennt (u. a. der Hof Gosewinkel (Schulte-Gosewinkel), der Lechtape-Hof und ein Kotten an der Langekampstraße).<br> Der Hof Lechtape war einer der ältesten und zeitweise größten Bauernhöfe in Eickel, heute Stadtteil von Herne. Er lag…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Der Hof gehörte ursprünglich als Bestandteil zum Gut Gosewinkel. Es erstreckte sich vom Dorf Eickel bis zur Gemeindegrenze von Wanne. 1736 wurden Teile abgetrennt (u. a. der Hof Gosewinkel (Schulte-Gosewinkel), der Lechtape-Hof und ein Kotten an der Langekampstraße).
Der Hof Lechtape war einer der ältesten und zeitweise größten Bauernhöfe in Eickel, heute Stadtteil von Herne. Er lag östlich der Hauptstraße – an deren Krümmung im Übergangsbereich zwischen Wanne-Süd und Eickel.

Hof Lechtape †
Auch bekannt als: Hof Stratmann
Stadtbezirk: Herne-Eickel
Ortsteil: Eickel
Die Karte wird geladen …
Letzte Änderung: 21.02.2026
Geändert von: Andreas Janik

Der Hof trug die Hausnummer Hauptstraße 78 und befand sich an der Biegung zwischen Reichsstraße und Harkortstraße am Ende des Heisterkamp und des Heinrich-Weidmann-Weges.

Ursprung und Familiengeschichte

Der Vater des späteren Hofbewohners Friedrich („Fritz“) Lechtape stammte aus einer Baukauer Bauernfamilie. Durch die Heirat mit einer Stratmann-Tochter wurde er Besitzer des Eickeler Hofes. Der Lechtape-Hof in Baukau ging später durch die Industrialisierung verloren; der Name des dortigen Besitzers erlosch.

Die Familie Lechtape zählte zu den alteingesessenen Eickeler Bauernfamilien. Der Verstorbene Fritz Lechtape hatte vier Geschwister, die sämtlich ein hohes Alter erreichten – zusammen nahezu 320 Lebensjahre.

Friedrich („Fritz“) Lechtape

Friedrich Lechtape, in zeitgenössischen Berichten auch „Fritz“ oder mundartlich „Oehm“ genannt, war ein Spross der Eickeler Bauernfamilie. Er verbrachte nahezu sein gesamtes, fast 90-jähriges Leben auf dem Hof an der Hauptstraße.

Er blieb unverheiratet und arbeitete stets auf dem Hof seines Bruders Heinrich Lechtape mit. Nach dessen Tod im Jahr 1915 übernahm Heinrichs Sohn die Führung des Hofes, verstarb jedoch zwei Jahre später, nachdem bereits sein Bruder im Ersten Weltkrieg gefallen war.

1919 wurde der Hof von der Gemeinde Eickel gepachtet. Friedrich Lechtape zog daraufhin zu einer verheirateten Nichte nach Eickel. In seinen letzten Lebensjahren verließ er nur noch selten das Haus und hielt sich meist im Hausgarten auf.

Mit seinem Tod erlosch der Name Lechtape in Eickel, da er keine Nachkommen hinterließ.

Seine Beerdigung auf dem alten Eickeler Friedhof war außergewöhnlich stark besucht. Vertreter vieler alteingesessener Familien gaben ihm das Ehrengeleit.

Bedeutung des Hofes

Der Hof Lechtape zählte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu den vier größten Höfen der Bauernschaft Eickel.

Wie viele Höfe im Ruhrgebiet geriet auch er im Zuge der Industrialisierung und der städtebaulichen Entwicklung zunehmend unter Druck. Der Lechtape-Hof in Baukau war bereits der Industrie zum Opfer gefallen.

Verfall und Abrisspläne (1939)

Ein Zeitungsbericht aus dem Oktober 1939 schildert den baulichen Zustand des Hofes als stark gefährdet.

Im Zuge städtebaulicher Neugestaltungen und aus verkehrstechnischen Gründen war ein Abriss des Hofes vorgesehen. Die damaligen Zeitumstände führten jedoch zu einem Aufschub der Pläne.

Es wurden bereits deutliche Verfallserscheinungen festgestellt:

  • Ganze Gefache des Fachwerkbaus waren aus dem Mauerwerk herausgebrochen.
  • Weitere Schäden durch stürmisches Wetter wurden befürchtet.

Der Hof Lechtape stand damit sinnbildlich für das Ende der bäuerlichen Epoche im stark industrialisierten Raum zwischen Wanne und Eickel.

Historische Einordnung

Der Hof Lechtape gehört zu den ältesten nachweisbaren Hofstellen in Eickel. Seine Geschichte spiegelt exemplarisch:

  • den Übergang vom bäuerlich geprägten Dorf zur Industriestadt,
  • das Verschwinden alter Hofstrukturen,
  • das Erlöschen traditionsreicher Familiennamen,
  • sowie die tiefgreifenden Veränderungen im Stadtbild des 20. Jahrhunderts.

Mit dem Niedergang des Hofes endete zugleich die Geschichte einer der alteingesessenen Bauernfamilien Eickels und Baukaus.

Siehe auch

Quellen