Peter Scharwitz (1876-1916) Bildhauer: Unterschied zwischen den Versionen
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Peter <small>Wilhelm Joseph</small> Scharwitz wird in Steinheim im Kreis Höxter als Sohn des Sattlermeisters August Scharwitz und dessen Gattin Ludowika Dassel geboren und am 8. Juni daselbst getauft<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/paderborn/DE%20EBAP%2014215/KB011-01-T/?pg=150 https://data.matricula-online.eu]</ref>. Spätestens in den 1890er Jahren ist er als Bildhauer in Bochum nachweisbar. |
Peter <small>Wilhelm Joseph</small> Scharwitz wird in Steinheim im Kreis Höxter als jüngster Sohn des Sattlermeisters August Scharwitz und dessen Gattin Ludowika Dassel geboren und am 8. Juni daselbst getauft<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/paderborn/DE%20EBAP%2014215/KB011-01-T/?pg=150 https://data.matricula-online.eu]</ref>. Spätestens in den 1890er Jahren ist er als Bildhauer in Bochum nachweisbar. |
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== Werkstatt und Tätigkeit in Bochum == |
== Werkstatt und Tätigkeit in Bochum == |
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Version vom 22. März 2026, 23:30 Uhr
Peter Scharwitz (* 4. Juni 1876 in Steinheim; ⚔23. November 1916 bei Arras) war ein im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert tätiger Bildhauermeister in Bochum. Er leitete eine Werkstatt bzw. Kunstanstalt für religiöse Plastik und war zugleich in der keramischen Produktion tätig. Als Lehrer prägte er junge Bildhauer der Region, darunter den späteren Künstler Franz Guntermann.
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Leben und Vita
Peter Wilhelm Joseph Scharwitz wird in Steinheim im Kreis Höxter als jüngster Sohn des Sattlermeisters August Scharwitz und dessen Gattin Ludowika Dassel geboren und am 8. Juni daselbst getauft[2]. Spätestens in den 1890er Jahren ist er als Bildhauer in Bochum nachweisbar.
Werkstatt und Tätigkeit in Bochum
Um 1890/1900 betrieb Scharwitz ein eigenes Atelier bzw. eine Werkstatt in Bochum . Er war Mitinhaber bzw. Teilhaber einer christlichen Kunstanstalt (Hellermann & Scharwitz), die religiöse Skulpturen und Kirchenausstattungen produzierte . Die Werkstatt fertigte Arbeiten in Holz, Stein, Terrakotta und Gussmasse, insbesondere religiöse Figuren. Die Firma Christliche Kunstanstalt Friedr. Hellermann & Pet. Scharwitz in Bochum ist 1930 erloschen.
Zudem ist Scharwitz als Unternehmer in der keramischen Industrie nachweisbar:
Eine Terrakottafabrik in Bochum wird um 1900 unter seinem Namen geführt . Seine Tätigkeit erstreckte sich offenbar auch auf andere Produktionsorte (u. a. Velten-Vordamm) .
Lehrer und Ausbilder
Bedeutung erlangte Scharwitz vor allem als Ausbilder:
- Von 1896 bis 1900 absolvierte der spätere Bildhauer Franz Guntermann seine Lehre bei ihm in Bochum .
- Etwas später - bis 1914 - auch der ebenfalls aus Steinheim stammende Josef Daniel Sommer.[3]
Dies belegt die Existenz einer qualifizierten Werkstatt, die Lehrlinge ausbildete und in die regionale Kunsthandwerkstradition eingebunden war.
Tod
Scharwitz fiel als Landsturmmann im November 1916.
Werk

Zusammen mit dem Maler Friedrich Hellermann gründete er die "Hellermann Fr. & Peter Scharwitz Terrakottafabrik in Bochum. Kunstanstalt Fabrikat Kirchliche Kunstgegenstände als Statuetten Gruppen Reliefs etc. Spez: Terrakotta Statuetten Malerei".[4]
Allgemeine Einordnung
Das Werk von Peter Scharwitz ist dem kunsthandwerklich geprägten Sakralstil des späten Historismus und frühen 20. Jahrhunderts zuzuordnen. Seine Produktion lag an der Schnittstelle von Bildhauerei, Serienfertigung und keramischer Kunst.
Materialien und Techniken
- Holz- und Steinbildhauerei
- Terrakotta und Keramik
- Gussmasse (Serienproduktion religiöser Figuren)
Die Verbindung von künstlerischem Entwurf und industrieller Fertigung ist typisch für kirchliche Kunstanstalten dieser Zeit.
Themen
- religiöse Plastik (Madonnen, Heiligenfiguren)
- Kirchenausstattung (Altäre, Figurenprogramme)
Beispielhaft sind:
- Taufstein in Herz-Jesu.
- Entwürfe für religiöse Skulpturen (z. B. Madonna mit Kind)
Kirchliche Arbeiten


- 1890-1906: Der Schrein des Hauptaltars, das Chorgestühl und der Kreuzweg der Liebfrauenkirche in Altenbochum stammen aus der Werkstatt Hellermann & Scharwitz. (erhalten)
- 1903: Hochaltar des Kloster der "Mutter von der immerwährenden Hilfe" (REDEMPTORISTEN) in Bochum (Nicht erhalten)
- 1906: Krippe der Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer in Bohmte
- 1908: Taufbecken an Herz Jesu Herne
- 1909: Chorgestühl in St. Joseph Schalke (Entwurf Wilhelm Burg Gelsenkirchen)[5] (nicht erhalten)
- 1910 errichtete und in den 1980er Jahren entfernte Lourdes-Grotte der Marienkirche in Witten stammt aus der Werkstatt Hellermann & Scharwitz.[6]
- 1915: Kommunionbank der kath. Kirche zu Höntrop.[7]
Diese Arbeiten zeigen seine Einbindung in die kirchliche Bau- und Ausstattungskunst des Ruhrgebiets. Da die Arbeiten von Scharwitz (Bildhauerei etc) und Hellermann (Malerei) von der Firma Schöningh in Paderborn angeboten worden war, sind vermtl. mehr als die bekannten Werke ausgeliefert worden.
Familie
Am 24. Nov. 1898 heiratet er in Bochum Anna Catharina Brunnstein (* 21. Oktober 1873 in Bochum). 4 Kinder entsprossen ihrer Ehe. Sein gleichnamiger Sohn Peter (1890-1940) wurde ebenfalls Bildhauer und zugleich Mönch. Er bestand im Jahre 1928 seine Meisterprüfung und wurde für seine Terrakotta Figuren bekannt, die noch im Kunsthandel regelmäßig auftauchen.
Sein Mitinhaber MalerJohann Friedrich Hellermann (* 6. Oktober 1867 in Paderborn; 14. Mai 1943 in Bochum), der später die Geschäfte weiterführte, heiratete zunächst am 29. Juli 1891[8] die ältere Schwester Ludwina Francisca Theodora Johanna Scharwitz (* 10. April 1866 Steinheim; † 27. April 1901 in Bochum) und nach dem Trauerjahr 1902 die jüngere Schwester Maria Aloysie Scharwitz. Er starb am 14. Mai 1943 zusammen mit einem seiner Söhne (Peter) im Bombenhagel auf Bochum.[9]
Bedeutung
Peter Scharwitz gehört nicht zu den kanonischen Künstlern der deutschen Bildhauerei, ist jedoch regional- und kunsthandwerklich bedeutsam:
- Vertreter der kirchlichen Serien- und Werkstattproduktion um 1900
- Bindeglied zwischen Kunsthandwerk und industrieller Fertigung im Ruhrgebiet
- Ausbilder einer nachfolgenden Bildhauergeneration (z. B. Guntermann)
Sein Wirken dokumentiert die religiöse Kunstproduktion im industrialisierten Ruhrgebiet und die Organisation von Bildhauerwerkstätten in dieser Zeit.
Quellenlage und Forschung
Die Überlieferung zu Scharwitz ist fragmentarisch und basiert vor allem auf:
- Adressbüchern und Branchenverzeichnissen der Keramikindustrie
- Hinweisen in Künstlerbiografien (z. B. Lehrmeisterangaben)
- Einzelobjekten (Auktionshandel, Sammlungen)
Eine umfassende kunsthistorische Aufarbeitung steht bislang aus.
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Quelle
- ↑ https://www.volksbund.de
- ↑ https://data.matricula-online.eu
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/23160399?query=%22Scharwitz%22!
- ↑ [1]
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17642267?query=%22Hellermann%20%26%20scharwitz%22!
- ↑ [2]
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/13639060?query=%22Hellermann%20%26%20scharwitz%22!
- ↑ https://www.landesarchiv-nrw.de
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/5980564?query=%22Friedrich%20Hellermann%22!

