Unteilbar trotz Mauer: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Denkmal zum Tag der deutschen Einheit''' (auch als ''Mahnmal zur deutschen Teilung'' bezeichnet) ist eine skulpturale Arbeit des Bildhauers Hubert Nietsch in Herne. Es befindet sich im Zentrum der Stadt am rechten Portalpfeiler vor der Freitreppe des [[Rathaus (Herne)|Herner Rathauses]]. Das Denkmal erinnert an die Spaltung des Landes, die Errichtung der Berliner Mauer sowie an die Opfer des DDR-Regimes und den Volksaufstand von 1953.
Die Bronzeplastik des Künstlers Hubert Nietsch (* 12. August 1893 in Flensburg; † 19. September 1965 in Gelsenkirchen) aus Gelsenkirchen (Halfmannshof) am rechten Portalpfeiler vor der Rathausfreitreppe wurde am 17. Juni 1963, dem Tag der deutschen Einheit, durch Oberbürgermeister [[Robert Brauner]] enthüllt. Sie zeigt Menschen diesseits und jenseits der Berliner Mauer.
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== Historischer Kontext ==
==Verwandte Artikel==
Die Entstehung und Einweihung des Mahnmals fällt in eine Phase spürbarer außenpolitischer Spannungen im Kalten Krieg sowie tiefgreifender Zäsuren im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik. Zwei Ereignisse prägten den zeitgenössischen Entstehungskontext unmittelbar:
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=== Der Mauerbau 1961 als aktueller Schock ===
Als Hubert Nietsch das Relief schuf, lag die endgültige Abriegelung der innerdeutschen Grenze und der Bau der Berliner Mauer (ab dem 13. August 1961) erst knapp zwei Jahre zurück. Der Schock über die plötzliche, gewaltsame Trennung von Familien, Verwandten und Freunden war in der westdeutschen Bevölkerung akut gegenwärtig. Das Denkmal antwortete direkt auf das zeitgenössische Gefühl der Ohnmacht und entsprang dem Bedürfnis, der humanitären Tragödie mitten in Deutschland im öffentlichen Raum Ausdruck zu verleihen.


=== Der 10. Jahrestag des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 ===
==Quellen==
Das Datum der Enthüllung besaß eine hohe Symbolkraft, da sich der Volksaufstand in der DDR an diesem Tag exakt zum zehnten Mal jährte. Am 17. Juni 1953 hatten über eine Million Menschen in Ost-Berlin und der DDR gegen die Normerhöhungen, die sozialen Missstände und für freie Wahlen sowie die Wiedervereinigung demonstriert. Der Aufstand war von sowjetischen Panzern blutig niedergeschlagen worden.
'''Stadtarchiv Herne: '''


In den 1960er-Jahren diente der nationale Gedenktag in der Bundesrepublik als wichtiges politisches Integrationsmedium. Mit der Errichtung der Plastik am Herner Rathaus sollte das Versprechen der Wiedervereinigung im kollektiven Bewusstsein wachgehalten, die Solidarität mit der ostdeutschen Bevölkerung demonstriert und den Toten des Aufstandes gedacht werden.
Dokumentationsbibliothek: Sammlung Denkmäler


== Beschreibung und Symbolik ==
Archivbibliothek: "...bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten..."-Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, Manfred Hildebrandt, Der Emscherbrücher Band 14 (2008/09), Seiten 57 bis 77, herausgegeben von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008
Das Kunstwerk ist als figuratives Bronzerelief ausgeführt und verzichtet auf abstrakte Chiffren. Stattdessen setzt Nietsch auf einen emotionalen, anthropozentrischen Ansatz, der die menschliche Dimension der politischen Teilung in den Vordergrund rückt.
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Die Plastik zeigt eine Gruppe von Menschen, die räumlich voneinander getrennt sind, sich jedoch in ihren Körperhaltungen und Blickachsen aufeinander beziehen:
* '''Die Menschen diesseits der Grenze (Westen):''' Sie sind in der Haltung des Wartens und Hoffens dargestellt. Ihr Blick ist nach Osten gerichtet, was die passive, mitleidende Rolle der westdeutschen Bevölkerung symbolisiert, die das Geschehen auf der anderen Seite der Grenze zwar verfolgen, aber nicht aktiv beeinflussen kann.
* '''Die Menschen jenseits der Grenze (Osten):''' Sie verbildlichen das Eingesperrtsein und die Unfreiheit hinter dem Eisernen Vorhang nach dem Mauerbau. Ihre Körperhaltungen spiegeln das kollektive Trauma des gescheiterten Aufstandes und die darauffolgende Isolation wider.


Durch die raue Oberflächenstruktur der Bronze und die expressiv herausgearbeiteten Züge der Körper wird die Schwere des Themas spürbar. Trotz der unüberwindbaren Trennlinie, die das Werk dominiert, vermittelt die zueinander gewandte Dynamik der Figuren ein Signal der Zusammengehörigkeit. Die physische Grenze wird als künstlich und temporär dargestellt, während die menschliche Verbundenheit der Nation als unzertrennlich betont wird.
Fotosammlung


== Über den Künstler ==
Die Plastik wurde von dem Bildhauer '''Hubert Nietsch''' (* 12. August 1893 in Flensburg; † 19. September 1965 in Gelsenkirchen) geschaffen. Nietsch lebte und arbeitete in Gelsenkirchen, wo er zeitweise der namhaften Künstlersiedlung Halfmannshof angehörte. Er realisierte im Laufe seines Schaffens zahlreiche baugebundene Reliefs, Brunnen und Skulpturen im öffentlichen Raum des Ruhrgebiets, die sich stilistisch oft durch eine ausdrucksstarke, figurative Formensprache auszeichnen. Von Nietsch stammte auch die Anfang 2026 gestohlene Plastik eines Bergmanns mit [[Bergmannskuh]] in der Nähe des [[Marienhospital (Herne)|Marienhospitals]] Herne am [[Hölkeskampring]].


==Literatur==
*"...bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten..."-Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, Manfred Hildebrandt. In: Der Emscherbrücher Band 14 (2008/09), Seiten 57 bis 77, herausgegeben von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008



==Verwandte Artikel==
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== Einzelnachweise ==
<references />


[[Kategorie:Denkmäler in Herne]]
[[Kategorie:Denkmäler in Herne]]

Aktuelle Version vom 28. Juni 2026, 18:06 Uhr

Das Denkmal zum Tag der deutschen Einheit (auch als Mahnmal zur deutschen Teilung bezeichnet) ist eine skulpturale Arbeit des Bildhauers Hubert Nietsch in Herne. Es befindet sich im Zentrum der Stadt am rechten Portalpfeiler vor der Freitreppe des Herner Rathauses. Das Denkmal erinnert an die Spaltung des Landes, die Errichtung der Berliner Mauer sowie an die Opfer des DDR-Regimes und den Volksaufstand von 1953.

Unteilbar trotz Mauer
🗿
Errichtet1963
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Geschichte und Einweihung

Die Bronzeplastik wurde am 17. Juni 1963, dem damaligen gesetzlichen Tag der deutschen Einheit, feierlich enthüllt. Die feierliche Übergabe an die Öffentlichkeit erfolgte durch den damaligen Herner Oberbürgermeister Robert Brauner. Da das Kunstwerk direkt am repräsentativen Hauptzugang des Rathauses – dem politischen Kern der Stadtgesellschaft – platziert wurde, unterstrich die Stadt Herne die staatspolitische Bedeutung des Gedenkens an die geteilte Nation.

Historischer Kontext

Die Entstehung und Einweihung des Mahnmals fällt in eine Phase spürbarer außenpolitischer Spannungen im Kalten Krieg sowie tiefgreifender Zäsuren im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik. Zwei Ereignisse prägten den zeitgenössischen Entstehungskontext unmittelbar:

Der Mauerbau 1961 als aktueller Schock

Als Hubert Nietsch das Relief schuf, lag die endgültige Abriegelung der innerdeutschen Grenze und der Bau der Berliner Mauer (ab dem 13. August 1961) erst knapp zwei Jahre zurück. Der Schock über die plötzliche, gewaltsame Trennung von Familien, Verwandten und Freunden war in der westdeutschen Bevölkerung akut gegenwärtig. Das Denkmal antwortete direkt auf das zeitgenössische Gefühl der Ohnmacht und entsprang dem Bedürfnis, der humanitären Tragödie mitten in Deutschland im öffentlichen Raum Ausdruck zu verleihen.

Der 10. Jahrestag des Volksaufstands vom 17. Juni 1953

Das Datum der Enthüllung besaß eine hohe Symbolkraft, da sich der Volksaufstand in der DDR an diesem Tag exakt zum zehnten Mal jährte. Am 17. Juni 1953 hatten über eine Million Menschen in Ost-Berlin und der DDR gegen die Normerhöhungen, die sozialen Missstände und für freie Wahlen sowie die Wiedervereinigung demonstriert. Der Aufstand war von sowjetischen Panzern blutig niedergeschlagen worden.

In den 1960er-Jahren diente der nationale Gedenktag in der Bundesrepublik als wichtiges politisches Integrationsmedium. Mit der Errichtung der Plastik am Herner Rathaus sollte das Versprechen der Wiedervereinigung im kollektiven Bewusstsein wachgehalten, die Solidarität mit der ostdeutschen Bevölkerung demonstriert und den Toten des Aufstandes gedacht werden.

Beschreibung und Symbolik

Das Kunstwerk ist als figuratives Bronzerelief ausgeführt und verzichtet auf abstrakte Chiffren. Stattdessen setzt Nietsch auf einen emotionalen, anthropozentrischen Ansatz, der die menschliche Dimension der politischen Teilung in den Vordergrund rückt.

Die Plastik zeigt eine Gruppe von Menschen, die räumlich voneinander getrennt sind, sich jedoch in ihren Körperhaltungen und Blickachsen aufeinander beziehen:

  • Die Menschen diesseits der Grenze (Westen): Sie sind in der Haltung des Wartens und Hoffens dargestellt. Ihr Blick ist nach Osten gerichtet, was die passive, mitleidende Rolle der westdeutschen Bevölkerung symbolisiert, die das Geschehen auf der anderen Seite der Grenze zwar verfolgen, aber nicht aktiv beeinflussen kann.
  • Die Menschen jenseits der Grenze (Osten): Sie verbildlichen das Eingesperrtsein und die Unfreiheit hinter dem Eisernen Vorhang nach dem Mauerbau. Ihre Körperhaltungen spiegeln das kollektive Trauma des gescheiterten Aufstandes und die darauffolgende Isolation wider.

Durch die raue Oberflächenstruktur der Bronze und die expressiv herausgearbeiteten Züge der Körper wird die Schwere des Themas spürbar. Trotz der unüberwindbaren Trennlinie, die das Werk dominiert, vermittelt die zueinander gewandte Dynamik der Figuren ein Signal der Zusammengehörigkeit. Die physische Grenze wird als künstlich und temporär dargestellt, während die menschliche Verbundenheit der Nation als unzertrennlich betont wird.

Über den Künstler

Die Plastik wurde von dem Bildhauer Hubert Nietsch (* 12. August 1893 in Flensburg; † 19. September 1965 in Gelsenkirchen) geschaffen. Nietsch lebte und arbeitete in Gelsenkirchen, wo er zeitweise der namhaften Künstlersiedlung Halfmannshof angehörte. Er realisierte im Laufe seines Schaffens zahlreiche baugebundene Reliefs, Brunnen und Skulpturen im öffentlichen Raum des Ruhrgebiets, die sich stilistisch oft durch eine ausdrucksstarke, figurative Formensprache auszeichnen. Von Nietsch stammte auch die Anfang 2026 gestohlene Plastik eines Bergmanns mit Bergmannskuh in der Nähe des Marienhospitals Herne am Hölkeskampring.


Literatur

  • "...bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten..."-Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, Manfred Hildebrandt. In: Der Emscherbrücher Band 14 (2008/09), Seiten 57 bis 77, herausgegeben von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008


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Einzelnachweise