Hof Balke gt. Pette: Unterschied zwischen den Versionen
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<big>Der Hof Balke gen. Pette (auch Kotten Pette-Balke) war ein historischer Kotten in der Bauerschaft Eickel, heute Teil der Stadt Herne in Nordrhein-Westfalen. Der Hof lag im [[Lohof (Eickel)|Lohof]] unmittelbar neben dem alten evangelischen Friedhof und gehörte zu den sogenannten Lohof-Kotten, einer Gruppe kleiner bäuerlicher Hofstellen, die über Jahrhunderte in enger Verbindung zur örtlichen Kirchengemeinde standen.<br> |
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Der Kotten wurde 1796 erbaut und im September 1944 während eines Luftangriffs zerstört. Auf dem ehemaligen Hofgelände entstand Anfang der 1950er-Jahre ein Wohnhaus.</big> |
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Der Hof befand sich in der Gemarkung Eickel, Flur I (Eickel), in der heutigen Lohofstraße nahe dem „alten Friedhof“. Zusammen mit weiteren Kotten bildete er eine kleine Gruppe landwirtschaftlicher Hofstellen im Bereich des Lohofs. |
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Diese Höfe waren Teil einer historischen Abgabenordnung zugunsten der evangelischen Kirchengemeinde Eickel. |
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== Geschichte == |
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Kirchliche Abgaben und Vikarienfonds |
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Bis in das 19. Jahrhundert hinein erhielten die Pfarrer vieler westfälischer Gemeinden kein festes Gehalt. Stattdessen wurden sie durch Abgaben der Gemeindemitglieder versorgt. In Eickel wurde hierfür ein Vikarienfonds eingerichtet, in den mehrere Hofstellen Naturalien und Dienstleistungen einbrachten. |
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Der Kotten Balke gen. Pette gehörte zu den vier Lohof-Kotten, die regelmäßig Abgaben leisten mussten. Diese betrugen: |
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Die sogenannten Handdienste mussten auf dem Pastorat geleistet werden. Die Höhe der Abgaben richtete sich nach Größe und Leistungsfähigkeit des Hofes. Noch im frühen 20. Jahrhundert profitierten Pfarrer der evangelischen Gemeinde, darunter der langjährige Geistliche [[Johannes Daniels (1839-1908) Pastor|Johannes Daniels]], von dieser historischen Einrichtung. |
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== Bauernbefreiung und Eigentumsverhältnisse == |
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Ursprünglich waren die Lohof-Kotten Zeitpächter kirchlichen Besitzes – zunächst der katholischen, später der evangelischen Kirchengemeinde. |
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Im Zuge der preußischen Reformen unter Stein und Hardenberg (1807–1812) erhielten Bauern die Möglichkeit, sich durch Zahlung eines Ablösebetrages – meist des 25-fachen Jahreswertes der Abgaben – aus den feudalen Verpflichtungen freizukaufen und Eigentümer ihrer Höfe zu werden. |
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== Familie Balke == |
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Besitzer des Hofes war unter anderem Georg Wilhelm Balke, der als Kötter und Leinenweber tätig war. Nach westfälischer Hofsitte trug der Hof zusätzlich einen Beinamen, weshalb der Betrieb als „Pette-Kotten“ bezeichnet wurde. |
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Georg Wilhelm Balkes Ehefrau war Maria Katharina Beuckenberg aus Gelsenkirchen-Schalke. |
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Ein Adressbuch der Ämter Wanne und Eickel von 1906 nennt unter der Anschrift Lohofstraße 3 den Landwirt August Balke sowie weitere Familienmitglieder (Heinrich, Ida und Gustav Balke). |
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== Bau und Inschrift == |
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Der Kotten wurde 1796 errichtet. Überliefert ist eine Deelentorinschrift, die den Bau dokumentierte: |
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;<big>„Abbrechen und Aufbauen hat seine Zeit.<br>Laß Dir vorm Tode nicht grauen, bau für die Ewigkeit.<br>Balke, 21. Juni 1796.“</big> |
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Solche Sinnsprüche waren typisch für westfälische Hallenhäuser und sollten sowohl religiöse als auch moralische Botschaften vermitteln. |
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== Zerstörung und Nachnutzung == |
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Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Hof bei einem Luftangriff im September 1944 vollständig zerstört. Auf dem Gelände entstand Anfang 1950 ein Einfamilienhaus, womit die landwirtschaftliche Nutzung endgültig endete. |
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<big>Vier Kotten aus dem Lohof bezahlten den Eickeier Pfarrer </big> |
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Vor rund 100 Jahren standen die Pfarrer der verschiedenen Kirchengemeinden unserer Stadt noch nicht im Gehalt. Sie waren auf das angewiesen, was ihnen die Gemeindemitglieder an Naturalien oder Dienstleistungen gaben. Es wurde ein sogenannter Vikarienfonds gebildet, aus dem die Mittel verteilt wurden. Für die evangelische Kirchengemeinde Eickel waren vier Kotten verantwortlich, die im Lohof lagen. Der letzte davon, der Hof von Balke genannt Pette, wurde während des Bombenkrieges vernichtet. Die anderen Höfe besaßen zur Jahrhundertwende Heinrich Vietinghof, Wilhelm Sandkühler und Friedrich Middeldorf, der auch Grünhofs Kotten genannt wurde. |
Vor rund 100 Jahren standen die Pfarrer der verschiedenen Kirchengemeinden unserer Stadt noch nicht im Gehalt. Sie waren auf das angewiesen, was ihnen die Gemeindemitglieder an Naturalien oder Dienstleistungen gaben. Es wurde ein sogenannter Vikarienfonds gebildet, aus dem die Mittel verteilt wurden. Für die evangelische Kirchengemeinde Eickel waren vier Kotten verantwortlich, die im Lohof lagen. Der letzte davon, der Hof von Balke genannt Pette, wurde während des Bombenkrieges vernichtet. Die anderen Höfe besaßen zur Jahrhundertwende Heinrich Vietinghof, Wilhelm Sandkühler und [[Hof Middeldorf (Eickel)|Friedrich Middeldorf]], der auch Grünhofs Kotten genannt wurde. |
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Aktuelle Version vom 6. März 2026, 16:39 Uhr
Der Hof Balke gen. Pette (auch Kotten Pette-Balke) war ein historischer Kotten in der Bauerschaft Eickel, heute Teil der Stadt Herne in Nordrhein-Westfalen. Der Hof lag im Lohof unmittelbar neben dem alten evangelischen Friedhof und gehörte zu den sogenannten Lohof-Kotten, einer Gruppe kleiner bäuerlicher Hofstellen, die über Jahrhunderte in enger Verbindung zur örtlichen Kirchengemeinde standen.
Der Kotten wurde 1796 erbaut und im September 1944 während eines Luftangriffs zerstört. Auf dem ehemaligen Hofgelände entstand Anfang der 1950er-Jahre ein Wohnhaus.
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Der Hof befand sich in der Gemarkung Eickel, Flur I (Eickel), in der heutigen Lohofstraße nahe dem „alten Friedhof“. Zusammen mit weiteren Kotten bildete er eine kleine Gruppe landwirtschaftlicher Hofstellen im Bereich des Lohofs.
Diese Höfe waren Teil einer historischen Abgabenordnung zugunsten der evangelischen Kirchengemeinde Eickel.
Geschichte
Kirchliche Abgaben und Vikarienfonds
Bis in das 19. Jahrhundert hinein erhielten die Pfarrer vieler westfälischer Gemeinden kein festes Gehalt. Stattdessen wurden sie durch Abgaben der Gemeindemitglieder versorgt. In Eickel wurde hierfür ein Vikarienfonds eingerichtet, in den mehrere Hofstellen Naturalien und Dienstleistungen einbrachten.
Der Kotten Balke gen. Pette gehörte zu den vier Lohof-Kotten, die regelmäßig Abgaben leisten mussten. Diese betrugen:
- 4 Scheffel Roggen
- 4 Scheffel Gerste
- 2 Gänse
- 4 Hühner
- 4 Handdienste
Die sogenannten Handdienste mussten auf dem Pastorat geleistet werden. Die Höhe der Abgaben richtete sich nach Größe und Leistungsfähigkeit des Hofes. Noch im frühen 20. Jahrhundert profitierten Pfarrer der evangelischen Gemeinde, darunter der langjährige Geistliche Johannes Daniels, von dieser historischen Einrichtung.
Bauernbefreiung und Eigentumsverhältnisse
Ursprünglich waren die Lohof-Kotten Zeitpächter kirchlichen Besitzes – zunächst der katholischen, später der evangelischen Kirchengemeinde.
Im Zuge der preußischen Reformen unter Stein und Hardenberg (1807–1812) erhielten Bauern die Möglichkeit, sich durch Zahlung eines Ablösebetrages – meist des 25-fachen Jahreswertes der Abgaben – aus den feudalen Verpflichtungen freizukaufen und Eigentümer ihrer Höfe zu werden.
Familie Balke
Besitzer des Hofes war unter anderem Georg Wilhelm Balke, der als Kötter und Leinenweber tätig war. Nach westfälischer Hofsitte trug der Hof zusätzlich einen Beinamen, weshalb der Betrieb als „Pette-Kotten“ bezeichnet wurde.
Georg Wilhelm Balkes Ehefrau war Maria Katharina Beuckenberg aus Gelsenkirchen-Schalke.
Ein Adressbuch der Ämter Wanne und Eickel von 1906 nennt unter der Anschrift Lohofstraße 3 den Landwirt August Balke sowie weitere Familienmitglieder (Heinrich, Ida und Gustav Balke).
Bau und Inschrift
Der Kotten wurde 1796 errichtet. Überliefert ist eine Deelentorinschrift, die den Bau dokumentierte:
- „Abbrechen und Aufbauen hat seine Zeit.
Laß Dir vorm Tode nicht grauen, bau für die Ewigkeit.
Balke, 21. Juni 1796.“
Solche Sinnsprüche waren typisch für westfälische Hallenhäuser und sollten sowohl religiöse als auch moralische Botschaften vermitteln.
Zerstörung und Nachnutzung
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Hof bei einem Luftangriff im September 1944 vollständig zerstört. Auf dem Gelände entstand Anfang 1950 ein Einfamilienhaus, womit die landwirtschaftliche Nutzung endgültig endete.
Gemeindemitglieder zahlten in Naturalien
Vier Kotten aus dem Lohof bezahlten den Eickeier Pfarrer
Vor rund 100 Jahren standen die Pfarrer der verschiedenen Kirchengemeinden unserer Stadt noch nicht im Gehalt. Sie waren auf das angewiesen, was ihnen die Gemeindemitglieder an Naturalien oder Dienstleistungen gaben. Es wurde ein sogenannter Vikarienfonds gebildet, aus dem die Mittel verteilt wurden. Für die evangelische Kirchengemeinde Eickel waren vier Kotten verantwortlich, die im Lohof lagen. Der letzte davon, der Hof von Balke genannt Pette, wurde während des Bombenkrieges vernichtet. Die anderen Höfe besaßen zur Jahrhundertwende Heinrich Vietinghof, Wilhelm Sandkühler und Friedrich Middeldorf, der auch Grünhofs Kotten genannt wurde.
An Abgaben mußten diese Höfe aufbringen:
- Vietinghof: 6 Scheffel Roggen, 10 Scheffel Gerste, 2 Gänse, 4 Hühner und 12 Handdienste;
- Sandkühlers Kotten: 3 Scheffel Hafer, 2 Gänse, 4 Hühner und 4 Handdienste;
- Grünhofs Kotten: 1 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gerste, 4 Hühner und 4 Handdienste;
- Pettes Kotten: 4 Scheffel Roggen, 4 Scheffel Gerste, 2 Gänse, 4 Hühner und 4 Handdienste.
Die Handdienste mußten auf dem Pastorat geleistet werden. Bei den Abgaben kam es auf die Größe der Höfe an. Von dieser Einrichtung hatte noch Pfarrer Johannes Daniels Nutzen, der über 25 Jahre in Eickel war und sogar zum Superintendenten ernannt wurde und nach seinem Ableben auf dem evangelischen Friedhof in Eickel beerdigt wurde, wo seine Grabstätte heute noch durch einen großen Grabstein kenntlich gemacht wird. [1]

