Wilhelm Braun (1880-1945) Künstler und Gewerbeoberlehrer: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
Andreas Janik (Diskussion | Beiträge)
Die Seite wurde neu angelegt: „'''Wilhelm Braun''' (* 7. Oktober 1880 in Uerdingen; † 2. Mai 1945 in Wanne-Eickel) war ein deutscher Bildhauer.<ref>wikipedia.de</ref> == Leben == Braun be…“
 
Andreas Janik (Diskussion | Beiträge)
 
(21 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
__NOTOC__
'''Wilhelm Braun''' (* 7. Oktober 1880 in Uerdingen; † 2. Mai 1945 in Wanne-Eickel) war ein deutscher Bildhauer.<ref>wikipedia.de</ref>
<big>Wilhelm Braun ([[7. Oktober]] [[1880]] in Uerdingen, heute Krefeld-Uerdingen; † [[2. Mai]] [[1945]] in Wanne-Eickel) war ein deutscher Künstler und Gewerbeoberlehrer. Sein Name ist heute vor allem mit dem Wanne-Eickeler Wahrzeichen des Dreimännerecks verbunden. Trotz zahlreicher öffentlicher Arbeiten geriet sein Werk nach 1945 weitgehend in Vergessenheit.</big>
{{Person
| Name = Wilhelm Braun
| Abkürzung =
| Bild =Braun Wilhelm (1880-1945).png
| Bildbeschreibung = <small>Mit KI bearbeitete Portrait</small>
| Geboren am = 7. Oktober 1880
| Geboren in = Uerdingen
| Gestorben am = 2. Mai 1945
| Gestorben in = Wanne-Eickel
| Friedhof=
| Beruf =
| Titel =
| Letzte Adresse=
| lat=
| lon=
}}


<div class="inhalt" style="background-color:#FFFFFF;border-style: ridge; margin-bottom:1em; padding:2em 2em 2em 2em;font-size:18px;max-width:800px;text-align:justify">
== Leben ==
== Leben und Ausbildung ==
Braun besuchte die Kunstgewerbeschule in Aachen, er belegte die Fächer Modellieren und Zeichnen. Im Jahre 1895 begann er eine Bildhauerausbildung bei Carl Esser und in anderen Ateliers. An der technischen Hochschule Aachen studierte er bei Karl Krauß.
Wilhelm Braun wurde am 7. Oktober 1880 in Uerdingen als Sohn des Küfers Johann Wilhelm Braun und dessen Ehefrau Louise Pickard geboren und daselbst am 17. Oktober getauft. Nach dem Besuch der Volksschule erhielt er eine künstlerische Grundausbildung an der Kunstgewerbeschule in Aachen mit Schwerpunkt Zeichnen und Modellieren.


Ab 1895 absolvierte er eine dreieinhalbjährige praktische Ausbildung zum Bildhauer, insbesondere bei dem Aachener Bildhauer Carl Esser sowie in weiteren Ateliers. Ergänzend studierte er bei Prof. Karl Krauß an der Technischen Hochschule Aachen.
Seine erste Anstellung erhielt er 1902 bei Johannes Müller, einem Bildhauer und Modelleur. Seine Aufgaben waren Vor- und Nachkalkulation, sowie Entwurf. Erneut besuchte er die Kunstgewerbeschule von 1906 bis 1909, danach die Königliche Kunstakademie Düsseldorf bis 1915. Nach sechs Semestern wurde er zum Meisterschüler ernannt. Fortan konnte er im eigenen Atelier Aufträge ausführen. Die Zeit von 1915 bis 1920 ist nicht belegt. 1920 wurde Braun in Dortmund-Hörde als Zeichenlehrer an der gewerblichen Fortbildungsschule angestellt. Ebenfalls in diesem Jahr legte Braun die Abschlussprüfung am städtischen Gewerbelehrer-Seminar in Düsseldorf ab. Ab 1. Oktober 1924 war Braun Gewerbelehrer an der gewerblichen Berufsschule in Wanne. Ab Mai 1925 führte er die Bezeichnung Gewerbeoblehrer.


1902 trat Braun eine leitende Stellung im Atelier des Bildhauers und Modelleurs Johannes Müller an. Zu seinen Aufgaben gehörten Entwürfe von Bildhauerarbeiten sowie Vor- und Nachkalkulationen.
Mit der Gründung der Ortsgruppe Wanne-Eickel-Röhlinghausen der ''Vereinigung Westfälischer Künstler und Kunstfreunde'' im April 1924 und Gründung des ''[[Kunstvereins Wanne-Eickel]]'' im Oktober desselben Jahres fanden regelmäßig Gruppenausstellungen statt, an denen Braun sich beteiligte. Der im Mai 1934 gegründeten ''[[Gilde werktätiger Künstler Wanne-Eickel]]'' stand er als Leiter vor. 1936 wurde er, mittlerweile auch Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste, zum Stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstvereins gewählt.


Von 1906 bis 1909 besuchte er erneut die Kunstgewerbeschule Aachen. Anschließend studierte er von 1909 bis 1915 an der Königliche Kunstakademie Düsseldorf. Nach sechs Semestern wurde er zum Meisterschüler ernannt und durfte Aufträge im eigenen Atelier ausführen. Seine künstlerische Entwicklung wurde durch die Teilnahme am Ersten Weltkrieg unterbrochen.
== Werk ==
[[Datei:Herne Heimatmuseum statues.jpg|thumb|Statuen des Drei-Männer-Ecks]]
Wilhelm Braun war als Bildhauer tätig. Er arbeitete an öffentlichen Aufträgen, privaten Arbeiten und Ausstellungsbeteiligungen, wie etwa Büste der Tochter Lotte (1920), Gänsehirt (1921), Hitlerbüste (vor Mitte Juli 1936), Bergmann (vor Mitte Juni 1937). Auch sakrale Werke wie Christus am Kreuz (vor Juli 1925) wurden von ihm angefertigt.


== Wirken im Ruhrgebiet ==
Seine wohl bekannteste Arbeit ist das [[Drei-Männer-Eck]] aus dem Jahr 1927, das Eisenbahner, Binnenschiffer und Bergmann als Symbol der Wanne-Eickeler Wirtschaft darstellt. Die ursprünglich an der Nordseite des [[Wanne-Eickel Hauptbahnhof|Wanner Hauptbahnhofs]] zwischen [[Hauptstraße]]nunterführung und Bahnhofsgebäude angebracht waren, stehen nach Restauration, nun am [[Heimat- und Naturkunde-Museum Wanne-Eickel]]. Unmittelbar vor dem Bahnhofsgebäude befinden sich heute Repliken.


Um 1920 zog Braun ins Ruhrgebiet, zunächst nach Dortmund-Hörde. Dort wurde er Zeichenlehrer an der gewerblichen Fortbildungsschule. Im selben Jahr legte er die Abschlussprüfung am Städtischen Gewerbelehrer-Seminar in Düsseldorf ab.
Zehn steinerne Symbole für die damaligen Wanner Wirtschaftszweige Bergbau, Industrie, Landwirtschaft, Schifffahrt, Eisenbahn, die Wappen von Bickern und Crange sowie eine Plakette des Amtmannes [[Friedrich Weiberg]] als geistiger Vater des Friedhofs befanden sich an den 1924 erbauten Eingangsgebäuden des [[Waldfriedhof Wanne-Eickel|Wanner Waldfriedhofs]] gleich hinter der Stadtgrenze nach Herten, ebenfalls geschaffen von Wilhelm Braun, von denen vier erhalten sind.<ref>Friedrich Weiberg: ''50 Jahre Amt Wanne''. Selbstverlag, Wanne 1925, S.&nbsp;147.</ref>


Ab dem 1. Oktober 1924 war Braun an der gewerblichen Berufsschule in Wanne tätig, wo er Fachkunde und Zeichnen unterrichtete. Bereits im Mai 1925 führte er die Amtsbezeichnung Gewerbeoberlehrer. Zahlreiche Gesellenprüfungen wurden in seiner Dienstzeit von ihm abgehalten. Neben seiner Lehrtätigkeit blieb er künstlerisch aktiv und gab zusätzliche Abendkurse im Zeichnen.

Wilhelm Braun starb am 2. Mai 1945 in Wanne-Eickel.

== Engagement im Kunstleben Wanne-Eickels ==

Mit der Gründung der Ortsgruppe Wanne–Eickel–Röhlinghausen der Vereinigung Westfälischer Künstler und Kunstfreunde im April 1924 und der Gründung des Kunstverein Wanne-Eickel e.V. im Oktober 1924 begann eine Phase intensiver Ausstellungstätigkeit. Braun beteiligte sich regelmäßig an den Gruppenausstellungen.

Im Mai 1934 wurde die „Gilde werktätiger Künstler“ Wanne-Eickel gegründet, deren Leitung Braun übernahm. 1936 wurde er – inzwischen Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste – zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstvereins gewählt.

Während der NS-Zeit fanden viele seiner Werke, die dem herrschenden Zeitgeist entsprachen, positive Resonanz in der regionalen Presse. Zugleich zeigen zeitgenössische Kritiken, dass seine Arbeiten nicht unumstritten waren. Die Westfälische Landeszeitung – Rote Erde vom 13. Juli 1936 lobte etwa anlässlich einer von Braun ausgerichteten Wanner Ausstellung die „wuchtige Eigenart“ seiner Hitlerbüste, den „kraftvoll und breitbeinig mit der Ramme dargestellter Pflasterer und die stählerne Gestalt des Pferdebändigers, zu der die zarte, herbe Anmut nordischer Frauengestalten in reizvollem Gegensatz steht“.
Die Gelsenkirchener Zeitung vom gleichen Tag, sowie der Herner Anzeiger vom 15. Juli schrieben wiederum über die Büste: "Man möchte das Werk als Versuch bewerten, da es sich in Einzelzügen erschöpft und dem Kern der Persönlichkeit nicht nahe genug kommt."<ref>[https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17325852 https://zeitpunkt.nrw]</ref><ref>[https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21233010 ebd.]</ref> Über persönliche politische Überzeugungen Brauns ist wenig bekannt; seine Tätigkeit fügte sich jedoch in die kulturpolitischen Strukturen der Zeit ein.

== Werk ==
Wilhelm Braun war vielseitig tätig: als Bildhauer, Zeichner und Maler. Sein Œuvre umfasst Porträts, sakrale Kunst, allegorische Figuren sowie öffentliche Auftragsarbeiten.
[[Datei:Dreimännereck ca 1927 Sammlung Torsten Verhülsdonk.jpg|400px|thumb|links|Sein "Dreimännereck" um 1927]]
=== Malerei und Grafik ===
==== Zeichnungen (Auswahl) ====
*Anatomische Studien (12 Blätter, undatiert)
*Unbekannter Soldat (1915)
*Schlafstube des Soldaten W. Braun (1915)
*Kanonier Meyer (1916)
*Kriegs- und Lazarettszenen aus La Bassée und Seclin (1916)
*Ingeborg (1929)
==== Aquarelle ====
*Begegnung von Mann und Frau (1914)
*Stillleben (1931)
*Bergwerk (1934)
==== Ölmalerei ====
*Selbstbildnis (1935)
==== Bronzearbeiten ====
*Ingeborg (1927)
*Hans Jürgen (undatiert)
*[[Ehrengaben der Stadt Wanne-Eickel|Stadtplakette]] mit Wanne-Eickeler Stadtwappen in Silber und Bronze (1934)
=== Bildhauerische Arbeiten ===
==== Holz ====
*Der Gänsemann (1919)
*Eva (1921)
*Gänsehirt (1921)
*Christus am Kreuz (vor 1925)
*Hitlerbüste (1936)
*Bergmann (1937)
==== Ton, Gips oder Marmor ====
*Statuette und Büste der Tochter Lotte (1920)
*Frauenakt (1921)
*Drei Musikanten (1924)
*Industrie (1924)
*Fräulein K. (1924)<ref>https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17428296</ref>
*Die Kritik (1926)
*Der Tanz (1926)
*Sturmbannführer W. Appelbaum (1933)
==== Stein ====
<gallery>
<gallery>
Waldfriedhof linkes Torhaus Bergbau 20170122.jpg|
File:Wilhelm Braun Geleucht.jpg|Das Geleucht der Bergleute steht für den Bergbau,
Waldfriedhof linkes Torhaus Schifffahrt 20170122.jpg|
File:Wilhelm Braun Eisenbahnrad.jpg|das geflügelte Bahnrad für die Eisenbahn, und
Waldfriedhof rechtes Torhaus Eisenbahn 20170122.jpg|
File:Wilhelm Braun Segelschiff.jpg|das Segelschiff für den Schiffsverkehr auf dem Kanal.
Waldfriedhof rechtes Torhaus Wappen Bickern 20170122.jpg|
File:Wilhelm Braun Schilfstauden.jpg|Schilfstauden auf dem Wappen von Bickern.
</gallery>
</gallery>
*Zehn Wappen und Symbole an den Eingangsportalen des Wanner [[Waldfriedhof Herne|Waldfriedhofs]] (1924)
*Lutherbüste (1934)
*Das [[Dreimännereck]] (1927)


== Rezeption und Nachwirkung ==
Während der NS-Zeit fanden viele seiner Werke, die der damaligen Gesinnung entsprachen, positive Resonanz. Die Westfälische Landeszeitung – Rote Erde vom 13. Juli 1936 lobte etwa anlässlich einer von Braun ausgerichteten Wanner Ausstellung die „wuchtige Eigenart“ seiner Hitlerbüste, den „kraftvoll und breitbeinig mit der Ramme dargestellter Pflasterer und die stählerne Gestalt des Pferdebändigers, zu der die zarte, herbe Anmut nordischer Frauengestalten in reizvollem Gegensatz steht“.


Zu Lebzeiten war Braun im regionalen Kunstleben präsent und organisatorisch engagiert. Dennoch geriet sein Werk nach 1945 weitgehend in Vergessenheit. Recherchen in den Archiven von Herne, Aachen, Dortmund, Düsseldorf und Krefeld sowie die Überlieferung im Emschertal-Museum ermöglichten eine partielle Rekonstruktion seines Lebenswerks.

Heute ist vor allem das Dreimännereck als identitätsstiftendes Denkmal im Stadtbild präsent. Wilhelm Braun selbst bleibt hingegen eine vergleichsweise wenig erforschte Figur der regionalen Kunstgeschichte des Ruhrgebiets.

</div>
== Literatur ==
== Literatur ==
* Manfred Hildebrandt: ''Wilhelm Braun. Ein fast vergessener Künstler.'' In: Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. (Hrsg.): ''Sammler, Künstler und Autoren – Kulturgeschichtliche Streifzüge durch Wanne-Eickel und Herne.'' Der Emscherbrücher 2003/2004, Band&nbsp;12. Herne 2003, ISBN 978-3936452082, S.&nbsp;53–60.
* Manfred Hildebrandt: ''Wilhelm Braun. Ein fast vergessener Künstler.'' In: Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. (Hrsg.): ''Sammler, Künstler und Autoren – Kulturgeschichtliche Streifzüge durch Wanne-Eickel und Herne.'' [[Der Emscherbrücher]] 2003/2004, Band&nbsp;12. Herne 2003, {{ISBN|978-3936452082}}, S.&nbsp;53–60.

==Lesen Sie auch==
{{Spezial:Linkliste/{{PAGENAME}}|Limit:500|namespace=0}}


== Weblinks ==
== Weblinks==
*https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Braun_(Bildhauer)
* http://www.4680wanne-eickel.de/254.html
* http://www.wanne-eickel-historie.de/wilhelm_braun.html


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references />
<references />


[[Kategorie:Person (Wanne-Eickel)]]
[[Kategorie:Person|Braun]]
[[Kategorie:KünstlerIn|Braun]]

Aktuelle Version vom 14. Februar 2026, 13:07 Uhr

Wilhelm Braun (7. Oktober 1880 in Uerdingen, heute Krefeld-Uerdingen; † 2. Mai 1945 in Wanne-Eickel) war ein deutscher Künstler und Gewerbeoberlehrer. Sein Name ist heute vor allem mit dem Wanne-Eickeler Wahrzeichen des Dreimännerecks verbunden. Trotz zahlreicher öffentlicher Arbeiten geriet sein Werk nach 1945 weitgehend in Vergessenheit.

Wilhelm Braun
Braun Wilhelm (1880-1945).png
Braun Wilhelm (1880-1945).png

Mit KI bearbeitete Portrait

Geboren am: 7. Oktober 1880
Geboren in: Uerdingen
Gestorben am: 2. Mai 1945
Gestorben in: Wanne-Eickel
Letzte Änderung: 14.02.2026
Geändert von: Andreas Janik


Leben und Ausbildung

Wilhelm Braun wurde am 7. Oktober 1880 in Uerdingen als Sohn des Küfers Johann Wilhelm Braun und dessen Ehefrau Louise Pickard geboren und daselbst am 17. Oktober getauft. Nach dem Besuch der Volksschule erhielt er eine künstlerische Grundausbildung an der Kunstgewerbeschule in Aachen mit Schwerpunkt Zeichnen und Modellieren.

Ab 1895 absolvierte er eine dreieinhalbjährige praktische Ausbildung zum Bildhauer, insbesondere bei dem Aachener Bildhauer Carl Esser sowie in weiteren Ateliers. Ergänzend studierte er bei Prof. Karl Krauß an der Technischen Hochschule Aachen.

1902 trat Braun eine leitende Stellung im Atelier des Bildhauers und Modelleurs Johannes Müller an. Zu seinen Aufgaben gehörten Entwürfe von Bildhauerarbeiten sowie Vor- und Nachkalkulationen.

Von 1906 bis 1909 besuchte er erneut die Kunstgewerbeschule Aachen. Anschließend studierte er von 1909 bis 1915 an der Königliche Kunstakademie Düsseldorf. Nach sechs Semestern wurde er zum Meisterschüler ernannt und durfte Aufträge im eigenen Atelier ausführen. Seine künstlerische Entwicklung wurde durch die Teilnahme am Ersten Weltkrieg unterbrochen.

Wirken im Ruhrgebiet

Um 1920 zog Braun ins Ruhrgebiet, zunächst nach Dortmund-Hörde. Dort wurde er Zeichenlehrer an der gewerblichen Fortbildungsschule. Im selben Jahr legte er die Abschlussprüfung am Städtischen Gewerbelehrer-Seminar in Düsseldorf ab.

Ab dem 1. Oktober 1924 war Braun an der gewerblichen Berufsschule in Wanne tätig, wo er Fachkunde und Zeichnen unterrichtete. Bereits im Mai 1925 führte er die Amtsbezeichnung Gewerbeoberlehrer. Zahlreiche Gesellenprüfungen wurden in seiner Dienstzeit von ihm abgehalten. Neben seiner Lehrtätigkeit blieb er künstlerisch aktiv und gab zusätzliche Abendkurse im Zeichnen.

Wilhelm Braun starb am 2. Mai 1945 in Wanne-Eickel.

Engagement im Kunstleben Wanne-Eickels

Mit der Gründung der Ortsgruppe Wanne–Eickel–Röhlinghausen der Vereinigung Westfälischer Künstler und Kunstfreunde im April 1924 und der Gründung des Kunstverein Wanne-Eickel e.V. im Oktober 1924 begann eine Phase intensiver Ausstellungstätigkeit. Braun beteiligte sich regelmäßig an den Gruppenausstellungen.

Im Mai 1934 wurde die „Gilde werktätiger Künstler“ Wanne-Eickel gegründet, deren Leitung Braun übernahm. 1936 wurde er – inzwischen Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste – zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstvereins gewählt.

Während der NS-Zeit fanden viele seiner Werke, die dem herrschenden Zeitgeist entsprachen, positive Resonanz in der regionalen Presse. Zugleich zeigen zeitgenössische Kritiken, dass seine Arbeiten nicht unumstritten waren. Die Westfälische Landeszeitung – Rote Erde vom 13. Juli 1936 lobte etwa anlässlich einer von Braun ausgerichteten Wanner Ausstellung die „wuchtige Eigenart“ seiner Hitlerbüste, den „kraftvoll und breitbeinig mit der Ramme dargestellter Pflasterer und die stählerne Gestalt des Pferdebändigers, zu der die zarte, herbe Anmut nordischer Frauengestalten in reizvollem Gegensatz steht“. Die Gelsenkirchener Zeitung vom gleichen Tag, sowie der Herner Anzeiger vom 15. Juli schrieben wiederum über die Büste: "Man möchte das Werk als Versuch bewerten, da es sich in Einzelzügen erschöpft und dem Kern der Persönlichkeit nicht nahe genug kommt."[1][2] Über persönliche politische Überzeugungen Brauns ist wenig bekannt; seine Tätigkeit fügte sich jedoch in die kulturpolitischen Strukturen der Zeit ein.

Werk

Wilhelm Braun war vielseitig tätig: als Bildhauer, Zeichner und Maler. Sein Œuvre umfasst Porträts, sakrale Kunst, allegorische Figuren sowie öffentliche Auftragsarbeiten.

Sein "Dreimännereck" um 1927

Malerei und Grafik

Zeichnungen (Auswahl)

  • Anatomische Studien (12 Blätter, undatiert)
  • Unbekannter Soldat (1915)
  • Schlafstube des Soldaten W. Braun (1915)
  • Kanonier Meyer (1916)
  • Kriegs- und Lazarettszenen aus La Bassée und Seclin (1916)
  • Ingeborg (1929)

Aquarelle

  • Begegnung von Mann und Frau (1914)
  • Stillleben (1931)
  • Bergwerk (1934)

Ölmalerei

  • Selbstbildnis (1935)

Bronzearbeiten

  • Ingeborg (1927)
  • Hans Jürgen (undatiert)
  • Stadtplakette mit Wanne-Eickeler Stadtwappen in Silber und Bronze (1934)

Bildhauerische Arbeiten

Holz

  • Der Gänsemann (1919)
  • Eva (1921)
  • Gänsehirt (1921)
  • Christus am Kreuz (vor 1925)
  • Hitlerbüste (1936)
  • Bergmann (1937)

Ton, Gips oder Marmor

  • Statuette und Büste der Tochter Lotte (1920)
  • Frauenakt (1921)
  • Drei Musikanten (1924)
  • Industrie (1924)
  • Fräulein K. (1924)[3]
  • Die Kritik (1926)
  • Der Tanz (1926)
  • Sturmbannführer W. Appelbaum (1933)

Stein

Rezeption und Nachwirkung

Zu Lebzeiten war Braun im regionalen Kunstleben präsent und organisatorisch engagiert. Dennoch geriet sein Werk nach 1945 weitgehend in Vergessenheit. Recherchen in den Archiven von Herne, Aachen, Dortmund, Düsseldorf und Krefeld sowie die Überlieferung im Emschertal-Museum ermöglichten eine partielle Rekonstruktion seines Lebenswerks.

Heute ist vor allem das Dreimännereck als identitätsstiftendes Denkmal im Stadtbild präsent. Wilhelm Braun selbst bleibt hingegen eine vergleichsweise wenig erforschte Figur der regionalen Kunstgeschichte des Ruhrgebiets.

Literatur

  • Manfred Hildebrandt: Wilhelm Braun. Ein fast vergessener Künstler. In: Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. (Hrsg.): Sammler, Künstler und Autoren – Kulturgeschichtliche Streifzüge durch Wanne-Eickel und Herne. Der Emscherbrücher 2003/2004, Band 12. Herne 2003, ISBN: 978-3936452082, S. 53–60.

Lesen Sie auch

Weblinks

Einzelnachweise