Wilhelm Braun (1880-1945) Künstler und Gewerbeoberlehrer

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Wilhelm Braun (7. Oktober 1880 in Uerdingen, heute Krefeld-Uerdingen; † 2. Mai 1945 in Wanne-Eickel) war ein deutscher Künstler und Gewerbeoberlehrer. Sein Name ist heute vor allem mit dem Wanne-Eickeler Wahrzeichen des Dreimännerecks verbunden. Trotz zahlreicher öffentlicher Arbeiten geriet sein Werk nach 1945 weitgehend in Vergessenheit.

Wilhelm Braun
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Mit KI bearbeitete Portrait

Geboren am: 7. Oktober 1880
Geboren in: Uerdingen
Gestorben am: 2. Mai 1945
Gestorben in: Wanne-Eickel
Letzte Änderung: 14.02.2026
Geändert von: Andreas Janik


Leben und Ausbildung

Wilhelm Braun wurde am 7. Oktober 1880 in Uerdingen als Sohn des Küfers Johann Wilhelm Braun und dessen Ehefrau Louise Pickard geboren und daselbst am 17. Oktober getauft. Nach dem Besuch der Volksschule erhielt er eine künstlerische Grundausbildung an der Kunstgewerbeschule in Aachen mit Schwerpunkt Zeichnen und Modellieren.

Ab 1895 absolvierte er eine dreieinhalbjährige praktische Ausbildung zum Bildhauer, insbesondere bei dem Aachener Bildhauer Carl Esser sowie in weiteren Ateliers. Ergänzend studierte er bei Prof. Karl Krauß an der Technischen Hochschule Aachen.

1902 trat Braun eine leitende Stellung im Atelier des Bildhauers und Modelleurs Johannes Müller an. Zu seinen Aufgaben gehörten Entwürfe von Bildhauerarbeiten sowie Vor- und Nachkalkulationen.

Von 1906 bis 1909 besuchte er erneut die Kunstgewerbeschule Aachen. Anschließend studierte er von 1909 bis 1915 an der Königliche Kunstakademie Düsseldorf. Nach sechs Semestern wurde er zum Meisterschüler ernannt und durfte Aufträge im eigenen Atelier ausführen. Seine künstlerische Entwicklung wurde durch die Teilnahme am Ersten Weltkrieg unterbrochen.

Wirken im Ruhrgebiet

Um 1920 zog Braun ins Ruhrgebiet, zunächst nach Dortmund-Hörde. Dort wurde er Zeichenlehrer an der gewerblichen Fortbildungsschule. Im selben Jahr legte er die Abschlussprüfung am Städtischen Gewerbelehrer-Seminar in Düsseldorf ab.

Ab dem 1. Oktober 1924 war Braun an der gewerblichen Berufsschule in Wanne tätig, wo er Fachkunde und Zeichnen unterrichtete. Bereits im Mai 1925 führte er die Amtsbezeichnung Gewerbeoberlehrer. Zahlreiche Gesellenprüfungen wurden in seiner Dienstzeit von ihm abgehalten. Neben seiner Lehrtätigkeit blieb er künstlerisch aktiv und gab zusätzliche Abendkurse im Zeichnen.

Wilhelm Braun starb am 2. Mai 1945 in Wanne-Eickel.

Engagement im Kunstleben Wanne-Eickels

Mit der Gründung der Ortsgruppe Wanne–Eickel–Röhlinghausen der Vereinigung Westfälischer Künstler und Kunstfreunde im April 1924 und der Gründung des Kunstverein Wanne-Eickel e.V. im Oktober 1924 begann eine Phase intensiver Ausstellungstätigkeit. Braun beteiligte sich regelmäßig an den Gruppenausstellungen.

Im Mai 1934 wurde die „Gilde werktätiger Künstler“ Wanne-Eickel gegründet, deren Leitung Braun übernahm. 1936 wurde er – inzwischen Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste – zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstvereins gewählt.

Während der NS-Zeit fanden viele seiner Werke, die dem herrschenden Zeitgeist entsprachen, positive Resonanz in der regionalen Presse. Zugleich zeigen zeitgenössische Kritiken, dass seine Arbeiten nicht unumstritten waren. Die Westfälische Landeszeitung – Rote Erde vom 13. Juli 1936 lobte etwa anlässlich einer von Braun ausgerichteten Wanner Ausstellung die „wuchtige Eigenart“ seiner Hitlerbüste, den „kraftvoll und breitbeinig mit der Ramme dargestellter Pflasterer und die stählerne Gestalt des Pferdebändigers, zu der die zarte, herbe Anmut nordischer Frauengestalten in reizvollem Gegensatz steht“. Die Gelsenkirchener Zeitung vom gleichen Tag, sowie der Herner Anzeiger vom 15. Juli schrieben wiederum über die Büste: "Man möchte das Werk als Versuch bewerten, da es sich in Einzelzügen erschöpft und dem Kern der Persönlichkeit nicht nahe genug kommt."[1][2] Über persönliche politische Überzeugungen Brauns ist wenig bekannt; seine Tätigkeit fügte sich jedoch in die kulturpolitischen Strukturen der Zeit ein.

Werk

Wilhelm Braun war vielseitig tätig: als Bildhauer, Zeichner und Maler. Sein Œuvre umfasst Porträts, sakrale Kunst, allegorische Figuren sowie öffentliche Auftragsarbeiten.

Sein "Dreimännereck" um 1927

Malerei und Grafik

Zeichnungen (Auswahl)

  • Anatomische Studien (12 Blätter, undatiert)
  • Unbekannter Soldat (1915)
  • Schlafstube des Soldaten W. Braun (1915)
  • Kanonier Meyer (1916)
  • Kriegs- und Lazarettszenen aus La Bassée und Seclin (1916)
  • Ingeborg (1929)

Aquarelle

  • Begegnung von Mann und Frau (1914)
  • Stillleben (1931)
  • Bergwerk (1934)

Ölmalerei

  • Selbstbildnis (1935)

Bronzearbeiten

  • Ingeborg (1927)
  • Hans Jürgen (undatiert)
  • Stadtplakette mit Wanne-Eickeler Stadtwappen in Silber und Bronze (1934)

Bildhauerische Arbeiten

Holz

  • Der Gänsemann (1919)
  • Eva (1921)
  • Gänsehirt (1921)
  • Christus am Kreuz (vor 1925)
  • Hitlerbüste (1936)
  • Bergmann (1937)

Ton, Gips oder Marmor

  • Statuette und Büste der Tochter Lotte (1920)
  • Frauenakt (1921)
  • Drei Musikanten (1924)
  • Industrie (1924)
  • Fräulein K. (1924)[3]
  • Die Kritik (1926)
  • Der Tanz (1926)
  • Sturmbannführer W. Appelbaum (1933)

Stein

Rezeption und Nachwirkung

Zu Lebzeiten war Braun im regionalen Kunstleben präsent und organisatorisch engagiert. Dennoch geriet sein Werk nach 1945 weitgehend in Vergessenheit. Recherchen in den Archiven von Herne, Aachen, Dortmund, Düsseldorf und Krefeld sowie die Überlieferung im Emschertal-Museum ermöglichten eine partielle Rekonstruktion seines Lebenswerks.

Heute ist vor allem das Dreimännereck als identitätsstiftendes Denkmal im Stadtbild präsent. Wilhelm Braun selbst bleibt hingegen eine vergleichsweise wenig erforschte Figur der regionalen Kunstgeschichte des Ruhrgebiets.

Literatur

  • Manfred Hildebrandt: Wilhelm Braun. Ein fast vergessener Künstler. In: Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. (Hrsg.): Sammler, Künstler und Autoren – Kulturgeschichtliche Streifzüge durch Wanne-Eickel und Herne. Der Emscherbrücher 2003/2004, Band 12. Herne 2003, ISBN: 978-3936452082, S. 53–60.

Lesen Sie auch

Weblinks

Einzelnachweise