Schleuse West

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Die Schleuse Herne-West war eine Schleusenanlage am Rhein-Herne-Kanal im Herner Stadtteil Horsthausen. Sie wurde mit der Eröffnung des Kanals im Jahr 1914 in Betrieb genommen und bildete bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 1991 die westliche der beiden Herner Schleusenstufen. Im Zuge des Ausbaus des Rhein-Herne-Kanals für die moderne Großschifffahrt wurde sie aufgegeben und durch die neue Zwillingsschleuse Schleuse Herne-Ost ersetzt.

Überblick
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Straßenansicht
StadtbezirkOrtsteilPLZ

Lage

Die Schleuse befand sich bei Kanalkilometer 35,25 zwischen den Schleusen Wanne-Eickel und Herne-Ost. Sie überwand ursprünglich eine Fallhöhe von etwa 4,5 Metern und verband die Kanalhaltung Wanne-Eickel mit der oberen Haltung in Richtung Herne-Ost.

Geschichte

Mit dem Bau des Rhein-Herne-Kanals zwischen 1906 und 1914 entstanden insgesamt sieben Schleusenanlagen, um die unterschiedlichen Geländehöhen entlang der Wasserstraße auszugleichen. Die Schleusengruppe Herne-West bestand aus zwei parallel angeordneten Schleusenkammern mit einer Nutzlänge von 165 Metern und einer Breite von 10 Metern. Diese Abmessungen entsprachen den Anforderungen der damaligen Binnenschifffahrt.

Bereits bei der Planung musste berücksichtigt werden, dass der Kanal das bergbaulich geprägte Emschergebiet durchquerte. Dennoch führten die im Laufe des 20. Jahrhunderts auftretenden Bergsenkungen zu erheblichen Veränderungen an den Bauwerken. Besonders die Schleusenwände mussten mehrfach erhöht und angepasst werden, um die unterschiedlichen Setzungen auszugleichen. An den erhaltenen Mauerresten sind diese nachträglichen Erhöhungen noch heute deutlich ablesbar.

Ausbau des Rhein-Herne-Kanals

Seit den 1970er Jahren genügte die Schleuse Herne-West den Anforderungen der modernen Großmotorgüterschiffe und Schubverbände nicht mehr. Gleichzeitig machten Alterungserscheinungen und bergbaubedingte Schäden eine grundlegende Erneuerung erforderlich.

Anstelle eines Neubaus an gleicher Stelle entschied sich die Wasserstraßenverwaltung für einen umfassenden Umbau der benachbarten Schleuse Herne-Ost. Dort entstand zwischen 1986 und 1992 eine neue Zwillingsschleuse mit einer Fallhöhe von 12,8 Metern. Dadurch konnten die bisherigen beiden Kanalhaltungen zu einer einzigen zusammengelegt werden. Das Kanalbett zwischen Herne-West und Herne-Ost wurde um rund 4,5 Meter abgesenkt, wodurch die Schleusenstufe Herne-West überflüssig wurde.

Nach Inbetriebnahme der ersten neuen Schleusenkammer in Herne-Ost begann 1990 der Rückbau der Schleuse Herne-West. 1991 wurde sie endgültig außer Betrieb genommen.

Erhaltene Bauwerke

Obwohl die eigentlichen Schleusenkammern beseitigt wurden, blieben die äußeren Kammerwände weitgehend erhalten. Sie stellen heute ein bedeutendes technisches Denkmal des frühen Kanalbaus dar. Informationstafeln erläutern den Aufbau der Schleuse, die Funktion der Tore sowie die Auswirkungen des Bergbaus auf das Bauwerk. Besonders auffällig sind die unterschiedlich hohen Maueraufsätze aus Stahlbeton, mit denen die durch Bergsenkungen abgesackten Schleusenwände ausgeglichen wurden.

Die erhaltenen Bauwerksreste gehören heute zu den wichtigen Zeugnissen der Industriekultur am Rhein-Herne-Kanal.

Bedeutung für Herne

Die Schleuse Herne-West war über mehr als 75 Jahre ein prägender Bestandteil der Wasserstraße und des Arbeitsalltags vieler Beschäftigter der Schifffahrt, des Wasser- und Schifffahrtsamtes sowie der umliegenden Industriebetriebe. Sie dokumentiert zugleich die Entwicklung des Rhein-Herne-Kanals von einer Wasserstraße für die Schifffahrt des frühen 20. Jahrhunderts hin zu einer modernen Bundeswasserstraße für Großmotorgüterschiffe.

Heute erinnern die erhaltenen Schleusenmauern an die ursprüngliche Schleusenstufe und veranschaulichen die technischen Herausforderungen des Kanalbaus im bergbaulich beeinflussten Ruhrgebiet.

Technische Daten

Merkmal Angabe

Bauzeit 1906–1914 - Inbetriebnahme 17. Juli 1914 - Stilllegung 1991 - Gewässer Rhein-Herne-Kanal - Kanalkilometer 35,25 - Anzahl der Schleusenkammern 2 - Nutzlänge 165 m - Nutzbreite 10 m - Fallhöhe ca. 4,5 m


Literatur

Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes: Rhein-Herne-Kanal – Geschichte und Ausbau. Stadt Herne (Hrsg.): Herne – Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Deutsches Schiffahrtsmuseum / Literatur zur Geschichte des Rhein-Herne-Kanals.

Weblinks

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Einzelnachweise