Wilhelmstraße 88 - Königin-Luisen-Schule
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Die Königin-Luisen-Schule in der Wilhelmstraße in Herne-Wanne (Ortsteil Bickern) ist ein historisch bedeutendes Schulgebäude, das heute unter Denkmalschutz steht und nach umfassender Sanierung als Kindertagesstätte, Schul- und Familienberatungsstelle genutzt wird.
Geschichte
Das Gebäude wurde 1908/09 im Auftrag des damaligen Amtes Wanne nach einem Entwurf des Amtsbaumeisters Paul Spanier errichtet. Bei seiner offiziellen Eröffnung im Jahr 1910 wurde es – am hundertsten Jahrestag ihres Todes – nach der preußischen Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz benannt, die als Symbol für Tugend und Volksnähe galt.

Ursprünglich diente das Gebäude als Volksschule für die stark wachsende Bevölkerung des Amtes Wanne und entwickelte sich schnell zu einer der größten Schulen der Region: Bereits 1925 wurden dort 735 Schüler in 17 Klassen unterrichtet.
Ebenfalls im Jahre 1910 wurde in diesem Gebäude die bergwerkschaftliche Bergvorschule für das Amt Wanne eingerichtet, die mit 36 Schülern eröffnet wurde.[3]
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schulgebäude zeitweise als Frauenklinik des St. Josefs-Krankenhauses genutzt, ehe ab 1945 der reguläre Schulbetrieb wieder aufgenommen wurde.
Im Jahr 1968 wandelte man die achtstufige evangelische Königin-Luisen-Schule in eine Gemeinschaftshauptschule um, die Schüler aus dem weiter wachsenden Stadtgebiet von Wanne-Eickel aufnahm.
Am 100. Jubiläum im Jahr 2010 konnte die Schule ein großes Fest feiern, doch infolge sinkender Schülerzahlen wurde der Schulbetrieb bereits am Ende des Schuljahres 2012/13 eingestellt.
Nach der Schließung wurde lange über die Nachnutzung des Gebäudes diskutiert, wobei Abrisspläne 2013/2014 durch Proteste aus der Denkmalpflege und der lokalen Bevölkerung, insbesondere durch die Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel, verhindert werden konnten. Das Land Nordrhein-Westfalen sicherte umfangreiche Fördermittel zu.
Umbau und heutige Nutzung
Ab September 2015 begann der umfassende Umbau des Gebäudes. Ziel war die Umgestaltung zu einer Kindertagesstätte sowie einem Familien- und Schulberatungszentrum mit rund 3.800 m² Nutzfläche. Die Sanierung, die denkmalwerte Bauteile erhielt und integrierte, belief sich insgesamt auf über 7 Millionen Euro.
Heute erfüllt das ehemalige Schulgebäude wichtige soziale Funktionen für den Stadtteil und verbindet denkmalgeschützte Architektur mit zeitgemäßer Nutzung.
Architektur und Bedeutung
Das dreieinhalbgeschossige Gebäude wird durch den Mittel- und die beiden Seitenrisalite symmetrisch gegliedert. Diese dominierenden Risalite enden in Dreiecksgiebeln. Ferner gliedern zahlreiche dreiflüglige Sprossenfenster mit Oberlicht die Fassade. An der Rückfassade hat man die drei Baukörper durch das Einschieben von zwei weiteren Bauteilen zu einer bündigen Wand werden lassen. Im Inneren der Schule sind die Grundrisse und die Rundbogengewölbe erhalten. Der Innenraum birgt noch schützenswerte Elemente aus der Erbauungszeit wie z. B. die Bodenfliesen, der Handlauf aus Holz und schmiedeeiserne Geländer.[4]
Im Zuge des Umbaus wurden neue Treppentürme an der Gebäuderückseite ergänzt, um Barrierefreiheit und zusätzliche Fluchtwege zu schaffen. Der frühere Haupteingang an der Vorderseite ist seitdem geschlossen.
Die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Herne erfolgte am 9. April 1990 (Denkmal Nr. A100); 2017 wurde das Gebäude von der *LWL-Denkmalpflege als „Denkmal des Monats“ in Westfalen-Lippe ausgezeichnet.
Denkmalschutz
DENKMAL-NR.100
- Königen-Luisen-Schule
- Wilhelmstraße 88
- Erbaut: 1910
- Architekt: Spanier (Hochbauabteilungsvorsteher)
- Details: Bei dem 3 ½ -geschossigen Gebäude handelt es sich um eine symmetrisch gestaltete Ziegel-Putzfassade. Die Fassade wird vertikal durch die Seitenrisalite und den Mittelrisalit, in dem sich der loggiaartige Eingangsbereich befindet, gegliedert. Der Eingang wird durch mächtige Pfeiler aus Quaderputz gebildet, die in einen Rundbogen übergehen. Die Mitte des Bogens wird durch einen Kopfstein gestaltet. Den Verlauf des Bogens unterstreicht der Schriftzug "Königin Luisen Schule. Erb: 1910". Die Innenseite des Rundbogens verzieren quadratische, ornamentierte Putzplatten. Die dominierenden Bauteile enden in einem Dreiecksgiebel, der in den Seitenrisaliten in Ziegel-Putz, im Mittelrisalit lediglich in Putz ausgeführt ist. Die seitlichen Vorbauten werden von achteckigen Pfeilern aus Ziegelmauerwerk, der Mittelrisalit von dreieckigen Pfeilern aus Putz begrenzt.
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Einzelnachweise
- ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herne_-_Wilhelmstra%C3%9Fe_-_K%C3%B6nigin-Luisen-Schule_02_ies.jpg
- ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herne_-_Wilhelmstra%C3%9Fe_-_K%C3%B6nigin-Luisen-Schule_01_ies.jpg
- ↑ Gelsenkirchener Zeitung vom 17. Januar 1940. online auf zeitpunkt.nrw
- ↑ https://web.archive.org/web/20170805145952/http://www.lwl.org/dlbw/service/denkmal-des-monats/juli-2017

