Urkunde 1188 - Kloster Kamp - Wezelonis de Trunketo

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Erneute urkundliches Auftauchen Wessel von Strünkede in einer Urkunde.

Schenkungsurkunde
1188Jahr
Urkunde


Erzbischof Philipp von Köln schenkt die Rheininsel zwischen Rees und Wissel, welche er, als in den Grenzen seines Bistums und Herzogtums gelegen, in Besitz hatte nehmen lassen, wogegen aber Graf Theoderich von Kleve Einspruch erhob, im Einverständnisse mit diesem der Abtei Camp. 1188
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   Ausstellungsort
   Kleve
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   Aussteller
   Erzbischof Philipp von Köln
   → Kloster Kamp
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   Sprache
   Latein
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   Aufbewahrungsort
   Landesarchiv NRW Abt. Rheinland
   Signatur: AA 0345, Nr. 8
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   Original erhalten
   ✔ Original




Urkundentext

1188,
Erzbischof Philipp von Köln bekundet, dass er und der Graf Theoderich von Kleve einen Streit über eine Rheininsel zwischen Rees und Wissel (quandam insulam inter Resam oppidum et Wisolam uillam in alueo rheni coniectam) dahin unter einander beigelegt hätten, dass jeder seinen Anteil daran nebst Appertinentien und Nutzungen von Büschen, Ackerland, Zehnten und Nutzung des Rheinwassers der St. Marienkirche in Kamp übergeben hat; und zwar er, der Erzbischof in der Kirche von Kamp durch den Codex der heiligen Evangelien über dem Altar im Angesicht einer großen Anzahl Synodaler sowie dem Laienstand angehöriger Personen; der Graf dagegen mit seiner Mutter, der Gräfin Aleidis, und seinem Bruder Arnold vor vielen Ministerialen, Lehnsleuten usw. in Kleve. (Vgl. Urkunde 1188 - Kloster Kamp

Acta sunt hec publice non in occulto neque sub modio coram pluribus qui intererant. quorum ex parte nomina in testimonium huis donationis subsigniri fecimus anno domini MCLXXXVIII. ipso anno terre et sancte ciuittis iherusalem capituitatis a Saladino, regnante golorisissimo imperatore Frederico feliciter. Signum domini Ottonis leodiensis archidiaconi. sign. domni Willelmi wisclensis prepositi et sanctensi decani. s. magistri Bertholdi. Es nostra parte. Laicorum uero. Stephani de smethhusen. Gosuini de heinsberch. Henrici de alphem. Ex parte autem comitis. Signum Wezelonis de trunketo. s. Amandi de tyela. s. Sueteri castellani.

Zeugen: Otto, Archidiakonus von Lüttich; Willelm Propst von Wiszel und Dechant von Xanten; Magister Bertoldus: für den Erzbischof. Ferner von Laien: Stephanus de smethusen. Gozuinus de Heinsberch (Heinsberg). Henricus de Alphem. Für den Grafen: Wezelo de Trunketo. Amandus de Tyela. Sueterus castellanus.

Übersetzung

Dies wurde öffentlich verhandelt, nicht im Verborgenen und nicht unter den Scheffel gestellt [d.h. nicht verheimlicht], vor den Augen mehrerer, die anwesend waren. Deren Namen haben wir zum Zeugnis dieser Schenkung zum Teil unten unterzeichnen lassen, im Jahre des Herrn 1188, in eben dem Jahr der Gefangennahme [des Verlusts] des Landes und der heiligen Stadt Jerusalem durch Saladin, während der ruhmreichste Kaiser Friedrich glücklich regierte.

[Zeugen] von Seiten des Herrn Archidiakons Otto von Lüttich:

Zeichen des Herrn Wilhelm, Propst von Wissel und Dechant von Xanten

Zeichen des Meisters Berthold

Von unserer (Kölner) Seite, und zwar der Laien:

Stephan von Smetthusen (Schmithausen)

Goswin von Heinsberg

Heinrich von Alphem (Alpen)

Von Seiten des Grafen (von Kleve) jedoch:

Zeichen des Wezelo von Strunkede

Zeichen des Amandus von Tiela

Zeichen des Sweder, des Kastellans (Burggrafen)

Historische Besonderheiten in diesem Text: „neque sub modio“ (nicht unter den Scheffel): Das ist eine direkte Anspielung auf das Matthäus-Evangelium in der Bibel (Mt 5,15: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel...“). Es betont im juristischen Kontext der damaligen Zeit die absolute Rechtsgültigkeit und Öffentlichkeit des Rechtsaktes.

Die Erwähnung Jerusalems: Der Text liefert ein dramatisches Zeitzeugnis. Dass Jerusalem 1187/1188 durch Saladin zurückerobert wurde[1], erschütterte das christliche Europa zutiefst und war der Auslöser für den Dritten Kreuzzug, an dem Kaiser Friedrich Barbarossa (der hier erwähnt wird) kurz darauf teilnahm und auf dem er 1190 ertrank. Solche weltpolitischen Katastrophen wurden in Urkunden oft als "Ereignisdatierung" genutzt.

Orts- und Personennamen:

„wisclensis“ / „sanctensi“: Wilhelm war Propst in Wissel (wieder die Verbindung zum ersten Text) und Dechant in Xanten (St. Viktor).
„alphem“: Bezieht sich sehr wahrscheinlich auf den nahegelegenen Ort Alpen am Niederrhein.
„Wezelonis de trunketo“: Hier taucht Wezelo von Strunkede wieder auf (im ersten Text noch Wecelo de strunkete genannt).

Literatur

  • Lacomblet, Theodor Joseph, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Cleve und Mark, und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden: aus den Quellen in dem Königlichen Provinzial-Archiv zu Düsseldorf und in den Kirchen- und Stadt ..., Bd. I, Nr. 511, S. 358.

Siehe auch

Quelle

  1. Sultan Saladin eroberte am 2. Oktober 1187 Jerusalem