Susanne Blech
Susanne Blech ist eine Elektro-Dance-Pop-Band, die auf den Herner Produzenten Sebastian Maier und den aus Bochum stammenden Sänger und Texter Timon Karl Kaleyta zurückgeht.[1][2]
Geschichte
2002 produzierten Sebastian Maier und Timon-Karl Kaleyta erste gemeinsame Songs elektronischer Prägung und veröffentlichten diese in eigener Kleinauflage.[3] Nachdem der Hamburger Produzent Matthias Arfmann (u. a. Beginner, Jan Delay) durch den Song Neuzeit auf das Projekt aufmerksam geworden war[4], nannte man sich "Susanne Blech" und trat mit ersten Songs live auf. Durch den Einfluss Arfmanns unterschrieb die Band einen ersten Vertrag bei A-Jugend/Motor Music und im Jahr 2004 erschien der im Turtle Bay Country Club in Hamburg produzierte Song Lass mich durch ich muss nach Kairo auf dem Sampler Love Factory.[3] 2005 veröffentlichte die Band mit Musik für Tiere eine erste EP auf dem eigenen Label Z-Muzic.[3] Im Jahr darauf folgten zwei weitere Songs auf dem Sampler Eclectic Fitness.[3] Ihr Debüt-Album veröffentlichten Susanne Blech im Jahr 2008 unter dem Titel Deutsche Renaissance - Ein Kanon. 2010 wurde die Band Teil der VW Sound Foundation[3] und gehörte 2012 zur 16. Förderrunde der Initiative Musik der Bundesregierung zur Unterstützung junger Künstler.[5] Im Januar 2012 erschien auf Z-Muzic mit Triumph der Maschine das zweite Studio-Album - die LP featuret u. a. die Berliner Band Egotronic sowie den Saxophonisten Klaus Fiehe. Im November 2012 wurden Susanne Blech für den popUP NRW-Preis nominiert.[6] Seit Januar 2013 sind Susanne Blech bei Four Artists Booking unter Vertrag[7] und spielten in der Folge Support u. a. für die Fantastischen Vier und die Toten Hosen.[8][9][10] Im Juli 2013 folgte mit Helmut Kohl die dritte Single-Auskopplung aus Triumph der Maschine.[11] Die EP, die u. a. Remixe von Scooter und Egotronic enthält, war im Juli 2013 Single der Woche im iTunes Store.[12]
Im Mai 2014 erschien das dritte Studioalbum Welt Verhindern, für das Kaleyta mehrere Songs gemeinsam mit dem Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre schrieb.[1][2] An den Aufnahmen beteiligt war außerdem der frühere Snap!-Rapper Turbo B.[13] Das Album wurde nach Darstellung des Labels von der Kritik gut aufgenommen, geriet wirtschaftlich aber zum Misserfolg; Kaleyta legte die Musik 2015 zunächst beiseite und zog nach Berlin.[1]
Nach drei Jahren Konzertpause erschien 2018 mit Ragazzi Di Vita das vierte Studioalbum, an dem erstmals der Musiker Tilman Ezra Mühlenberg mitwirkte und dessen Cover eine Fotografie des Künstlers Andreas Mühe zeigt.[1] Die WAZ besprach die Platte in ihrer Herner Lokalausgabe.[14]
2021 erschien in der Besetzung Kaleyta, Maier und Mühlenberg das Mini-Album Die Innere Sicherheit, das vier Stücke in je zwei Varianten umfasst; das Cover ziert eine Arbeit des Künstlers Gregor Hildebrandt, in dem Stück Stéphanie von Monaco ist die Autorin und Sängerin Samira El Ouassil zu hören.[1] Das Label nennt als Veröffentlichungstermin den 7. Mai 2021, der Musikexpress den 28. Mai 2021; erschienen ist die Platte digital und als limitierte Vinylauflage über Z-Muzic/Grzegorzki Records.[1][15]
Kritiker halten der Band bisweilen eine zu hohe bzw. zu kryptische Textdichte vor. So schrieb die Intro 2012 über Triumph der Maschine: "Spitzensounds für den modernen Dancefloor mit einfach zu viel Text."[16] Hingegen befand Harald Staun in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Triumph der Maschine: "Bringt das Land zum Tanzen, u. a. mit: Helmut Kohl, Wagner, Robocop, Die Wiedervereinigung. Wer fragt, ob das ironisch gemeint ist, hat schon verloren."[17] Peter Richter beschrieb Ragazzi Di Vita 2018 in der Süddeutschen Zeitung als Werk der Reife, das gegenüber den früheren Platten ruhiger ausfalle, aber weiterhin von Kaleytas Umgang mit unverbrauchten Wortkombinationen lebe.[18]
Nebenprojekte
Die Mitglieder von Susanne Blech sind Teil des Künstlerkollektivs Z-Muzic, das 2003 gegründet wurde und zu dem u. a. auch die Musiker Danja Atari und Sola Plexus gehören.[19]
Sebastian Maier fungierte als Co-Produzent bei der 2006 auf der Deutschen Grammophon veröffentlichten Platte ReComposed by M. Arfmann[20] und ist außerdem musikalischer Leiter der Street-Art-Show Urbanatix. Unter dem Pseudonym Sola Plexus ist er gemeinsam mit Jerome Vazhayil verantwortlich für Remixe u. a. von Medina, Egotronic, Mega! Mega! und Sisters.[21]
2011 gründeten Timon-Karl Kaleyta, Tilman Ezra Mühlenberg (Danja Atari) u. a. in Düsseldorf das Institut für Zeitgenossenschaft (IFZ) sowie den angeschlossenen Im Erscheinen Verlag.[22][2] Das IFZ setzte im Museum Kunstpalast in Düsseldorf die phänomenologische Installation Die 100 Wichtigsten Dinge um.[23] Als Autoren beteiligten sich an dem Projekt u. a. Claudius Seidl, Volker Panzer, Rafael Horzon und Samira El Ouassil. 2013 folgte eine erweiterte Ausstellung der 100 Wichtigsten Dinge in Kooperation mit dem Fotokünstler Horst Wackerbarth. 2016 erschien das Projekt bei Hatje Cantz in Buchform und wurde im Rahmen der Frankfurter Buchmesse mit dem Publikumspreis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.[24][25]
Timon Karl Kaleyta als Autor
Sänger und Texter Timon Karl Kaleyta, geboren 1980 in Bochum, lebt seit 2015 in Berlin und hat sich vor allem als Schriftsteller, Kolumnist und Drehbuchautor einen Namen gemacht.[1][24] Am 6. April 2021 erschien im Piper Verlag sein Debütroman Die Geschichte eines einfachen Mannes, der unter anderem die Geschichte der Band und den Traum eines gelungenen Lebens als Musiker beschreibt.[26][1][2] Für den Roman erhielt er den Literaturpreis der Stadt Fulda,[27] im selben Jahr gewann er bei den 45. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt den 3sat-Preis.[28]
Seinen zweiten Roman Heilung (2024) nannte Adam Soboczynski in der ZEIT den besten Roman des Frühjahrs.[29] Das Buch stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2024[30] und wurde vom SWR als Hörspiel adaptiert (Regie: Rebekka David, Erstsendung 17. November 2024).[31]
Für das Fernsehen schrieb Kaleyta von 2019 bis 2023 an der Serie jerks. mit und war 2024 Co-Autor der ARD-Miniserie Sexuell verfügbar.[24] Gemeinsam mit Johann Buchholz verantwortete er als Headautor die Serie Call My Agent Berlin, eine Adaption der französischen Serie Dix pour cent, die im September 2025 bei Disney+ veröffentlicht wurde.[24][32] Die Serie war 2026 in der Kategorie Fiktion für den 62. Grimme-Preis nominiert,[33][32] ausgezeichnet wurden in dieser Kategorie jedoch andere Produktionen.[34]
Diskografie
Singles
- 2004: Lass mich durch ich muss nach Kairo
- 2008: Bock auf Disko!
- 2012: Die Maschinen laufen heiß
- 2012: Du & ich
- 2014: Welt verhindern
EPs
- 2005: Musik für Tiere
- 2013: Helmut Kohl
- 2021: Die Innere Sicherheit (Mini-Album, Z-Muzic / Grzegorzki Records / Broken Silence)[35]
Alben
- 2008: Deutsche Renaissance – Ein Kanon (Z-Muzic)[35]
- 2012: Triumph der Maschine (Z-Muzic / Broken Silence)[35]
- 2014: Welt Verhindern
- 2018: Ragazzi Di Vita
Weblinks
- Offizielle Website
- Susanne Blech bei Z-Muzic
- Presseinformation zum Mini-Album "Die Innere Sicherheit" (PDF)
- Interview auf jetzt.de (Süddeutsche Zeitung)
- Interview mit Timon Karl Kaleyta bei Deluxe Music
- Interview zum Mini-Album "Die Innere Sicherheit" im Musikexpress
- WAZ Herne über das Album "Ragazzi Di Vita"
- inHerne über das Album "Welt Verhindern"
Ursprungstext
Wikipedia: Susanne Blech, abgerufen am 16. Juni 2015; Ergänzungen nach der Fassung vom 25. August 2026.
Lesen Sie auch
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Z-Muzic: Label/Artists - Susanne Blech, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Wikipedia: Susanne Blech, abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Biografie auf der Seite des Labels, hier online; abgerufen am 11. August 2012.
- ↑ Interview mit Timon-Karl Kaleyta auf jetzt.de (Süddeutsche Zeitung), hier online; abgerufen am 11. August 2012.
- ↑ Vorstellung der Band bei der Initiative Musik, hier online; abgerufen am 13. August 2012.
- ↑ http://www.popnrw.de/category/popup-nrw-preis/die-nominierten/; abgerufen am 8. August 2013.
- ↑ Mitteilung auf der Homepage von Four Artists [1]; abgerufen am 23. Januar 2013.
- ↑ Artikel über Timon-Karl Kaleyta bei RP Online [2]; abgerufen am 8. August 2013.
- ↑ Mitteilung auf der Seite der Toten Hosen [3]; abgerufen am 8. August 2013.
- ↑ Artikel über Susanne Blech auf RP Online [4]; abgerufen am 8. August 2013.
- ↑ https://itunes.apple.com/de/album/helmut-kohl-single/id667320021; abgerufen am 8. August 2013.
- ↑ https://www.facebook.com/singlederwoche; abgerufen am 8. August 2013.
- ↑ Susanne Blech: "Diese Band war ein missratener Witz!", Interview mit Timon Karl Kaleyta, Deluxe Music, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Lars-Oliver Christoph: Susanne Blechs Vierte: Partisanen, Schumi, Werkbänke, WAZ, 19. September 2018, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Timon Karl Kaleyta (Susanne Blech): "Traurige Sorglosigkeit ist besser als hoffnungsvolles Elend", Musikexpress, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Album-Kritik in der Intro hier online im Internet Archive; abgerufen am 8. August 2013.
- ↑ Album-Kritik in der FAS [5]; abgerufen am 8. August 2013.
- ↑ Peter Richter: Über Sprünge, Süddeutsche Zeitung, 15./16. Dezember 2018 (Nr. 289), S. 17, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Homepage von Z-Muzic, [6].
- ↑ http://www.deutschegrammophon.com/cat/single?PRODUCT_NR=4775579; abgerufen am 25. Januar 2013.
- ↑ http://www.z-muzic.de/label/index-musicproduction.html#remixer; abgerufen am 25. Januar 2013.
- ↑ Homepage des IFZ, [7]; abgerufen am 25. Januar 2013.
- ↑ http://www.ifz-international.de/?page_id=158; abgerufen am 8. August 2013.
- ↑ 24,0 24,1 24,2 24,3 Wikipedia: Timon Karl Kaleyta, abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ "100 wichtigste Dinge" sind am schönsten, Börsenblatt, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Piper Verlag: Die Geschichte eines einfachen Mannes; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Debütant Kaleyta auserkoren, Börsenblatt, 19. Februar 2021, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Bachmannpreis 2021 - Die Gewinner, 3sat, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Adam Soboczynski: "Heilung" von Timon Karl Kaleyta: Dieses eingebildete Ewigkeitsglück, Die Zeit, 3. März 2024, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Das ist die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2024, Börsenblatt, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ ARD Audiothek: Timon Karl Kaleyta: Heilung; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ 32,0 32,1 GRIMME PREIS 2026: Zwei Nominierungen für die STUDIO HAMBURG PRODUCTION GROUP, Studio Hamburg, 22. Januar 2026, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Grimme-Institut: Die Nominierungen des 62. Grimme-Preises, 22. Januar 2026; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Stadt Marl: Grimme-Preisträger 2026 stehen fest, hier online; abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ 35,0 35,1 35,2 Z-Muzic: Portfolio, hier online; abgerufen am 25. August 2026.

