Spielbuch:Kanalstadt 1914/Rittergut Crange
Wiesen, alte Bäume, ein Herrenhaus. Hier sieht es kaum nach Industrie aus. Kreissekretär Möllmann erwartet dich mit einem dicken Aktendeckel unter dem Arm und schlechter Laune im Gesicht.
„Wissen Sie, was uns das hier gekostet hat?“ Er schlägt die Akte auf. Im Frühjahr 1907 kauften der Landkreis Gelsenkirchen und die Gemeinde Wanne gemeinsam das rund 421 Morgen große Rittergut vom Reichsfreiherrn Ignatz von Landsberg-Velen, und zwar für 1.053.458,50 Mark.[1] Der Kreis zahlte sieben Zehntel, Wanne drei Zehntel.[1] Man wollte das Gelände für einen Kanalhafen und für Industrie sichern.[1] Die Zeitungen lobten den Kauf damals auch deshalb, weil so eines der schönsten Güter der Gegend vor wilder Bebauung bewahrt werde.[1]
Dann tippt Möllmann auf eine Zahlenreihe. „Wir haben einen Kanalfonds angelegt. Die Zinsen sollten bis zur Fertigstellung des Kanals aufgeschlagen werden. Man rechnete mit einer Eröffnung 1912, also haben wir bis 1913 kalkuliert.“[1] Er sieht dich über den Brillenrand an. „Wir haben 1914, Herr Bauführer.“
Schon wenige Tage nach dem Kauf wurde über mehr gesprochen: eine Schleppbahn von Bochum und Wattenscheid nach Crange oder gleich ein eigener Stichkanal bis Bochum. Hibernia, Krupp und andere Zechen- und Hüttenbetriebe waren dafür.[1]
Du notierst die Zahlen und fragst dich, wie viele Hoffnungen an deinem Kanal hängen.
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Historischer Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.: Erwerbung des Rittergutes Crange und Hafenplanung (1907), Wiki-Artikel, Version vom 23. Juli 2026, Permanentlink, abgerufen am 18. September 2026.
