Erwerbung des Rittergutes Crange und Hafenplanung (1907)

Erwerbung des Rittergutes Crange und Hafenplanung (1907)
Mit dem geplanten Bau des Rhein-Weser-Kanals – des späteren Rhein-Herne-Kanals – gewann das am Nordrand der Gemeinde Wanne gelegene Rittergut Crange eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Um das Gelände für einen künftigen Hafen und Industrieansiedlungen zu sichern, erwarben der Landkreis Gelsenkirchen und die Gemeinde Wanne im Frühjahr 1907 gemeinsam das rund 421 Morgen (etwa 107 Hektar) große Rittergut Crange vom Reichsfreiherrn Ignatz von Landsberg-Velen zum Kaufpreis von 1.053.458,50 Mark.[1]
Die Finanzierung erfolgte gemeinschaftlich: Der Landkreis Gelsenkirchen übernahm sieben Zehntel der Kosten, die Gemeinde Wanne drei Zehntel. Zur Verwaltung des Besitzes wurde ein gemeinsamer Verwaltungsausschuss gebildet. Vorsitzender war Landrat Dr. zur Nieden, Stellvertreter der Wanner Amtmann Winter. Weitere Mitglieder waren Vertreter der Industrie, der Landwirtschaft und der Kommunalverwaltung.[2]
Die zeitgenössische Presse hob neben den wirtschaftlichen Aspekten ausdrücklich auch den landschaftlichen Wert des Rittergutes hervor. Angesichts der fortschreitenden Industrialisierung des Emscherraums wurde der Ankauf zugleich als Maßnahme verstanden, das „eins der schönsten weit und breit“ gelegenen Gut vor einer ungeordneten industriellen Überbauung zu bewahren.[3]
Bereits während der Kaufverhandlungen entstand die Planung, auf dem Gelände einen Kanalhafen zu errichten. Hierzu sollte eine Gesellschaft „Kanalhafen Wanne-Gelsenkirchen Land“ gegründet werden. Der Kreisausschuss plante, die bis zur Fertigstellung des Kanals anfallenden Zinsen und Erschließungskosten über einen besonderen Kanalfonds zu finanzieren. Da die Inbetriebnahme des Kanals erst für 1912 erwartet wurde, sollten die Kapitalzinsen bis 1913 dem Unternehmen zugeschlagen werden, bevor die Hafenanlagen eigene Einnahmen erzielen konnten.[4]
Nur wenige Tage nach Bekanntwerden des Grunderwerbs wurden weitere Verkehrsanbindungen diskutiert. Neben einer Schleppbahn von Bochum und Wattenscheid nach Crange wurde auch der Bau eines Stichkanals bis Bochum geprüft. Zu den Befürwortern gehörten zahlreiche Bergwerks- und Hüttenunternehmen, darunter die Bergwerksgesellschaft Hibernia, der Bochumer Verein, Krupp (Zechen Hannibal und Hannover), die Rheinischen Stahlwerke (Zeche Zentrum), die Gewerkschaft Konstantin der Große sowie Phoenix-Ruhrort (Zeche Holland). Beide Projekte sollten den künftigen Hafen Crange an die Schwerindustrie des südlichen Ruhrgebiets anbinden.[5]
Die Verwirklichung des Hafenprojekts führte wenige Jahre später zum Bau des Cranger Hafens am Rhein-Herne-Kanal, der sich zu einem der wichtigsten Umschlagplätze für Kohle, Koks, Baustoffe und Industriegüter im nördlichen Ruhrgebiet entwickelte.
Dieser Quellenfund ist besonders wichtig, weil er erstmals dokumentiert, dass der Ankauf des Ritterguts nicht nur aus Gründen des Landschaftsschutzes, sondern bereits gezielt zur Anlage eines Kanalhafens und eines Industriegebietes erfolgte. Ebenso zeigt er, dass bereits 1907 konkrete Überlegungen bestanden, den Hafen Crange über eine Schleppbahn oder sogar einen Stichkanal direkt mit den Industriegebieten Bochums und Wattenscheids zu verbinden. Diese frühe Verkehrsplanung wird in der Literatur bislang nur selten ausführlich dargestellt.
Literatur
- Zeitpunkt.NRW: Die Erwerbung des Rittergutes Crange und die Bildung eines Kanalfonds durch den Landkreis Gelsenkirchen, General-Anzeiger für Essen und Umgegend vom 17. April 1907.
- Zeitpunkt.NRW: Schleppbahn oder Stichkanal Bochum–Wattenscheid–Crange?, General-Anzeiger für Essen und Umgegend, 17. April 1907.
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Einzelnachweise
- ↑ 'Zeitpunkt.NRW: Die Erwerbung des Rittergutes Crange und die Bildung eines Kanalfonds durch den Landkreis Gelsenkirchen, General-Anzeiger für Essen und Umgegend vom 17. April 1907.
- ↑ Ebenda.
- ↑ Ebenda.
- ↑ Ebenda.
- ↑ Zeitpunkt.NRW: Schleppbahn oder Stichkanal Bochum–Wattenscheid–Crange?, General-Anzeiger für Essen und Umgegend, 17. April 1907.
