Spielbuch:Kanalstadt 1914/Am alten Hafen
Der Hafen liegt am westlichen Ende des Zweigkanals, nur ein paar Schritte von Schloss Strünkede entfernt.[1] Kähne dümpeln an der Kaimauer. Auf einem sitzt Schiffer Janssen, klopft seine Pfeife aus und mustert deine Aktentasche.
„Kanalbaudirektion, was?“ Er grinst. „Wisst ihr Herren überhaupt, was hier vorher war? Eine Eisenbahn!“ Er hat recht: Bis 1882 nutzte die Königlich-Westfälische Eisenbahn-Gesellschaft diese Trasse, und genau hier lag ihr Herner Bahnhof.[1] Zwischen 1893 und 1896 wurde daraus eine rund sieben Kilometer lange Wasserstraße bis Henrichenburg.[1]
„Und keine einzige Schleuse“, sagt Janssen stolz. Auch das stimmt, denn dieser Abschnitt brauchte keine.[1] Er fährt Kohle zwischen den Schachtanlagen Friedrich der Große I/II in Horsthausen und III/IV in Börnig hin und her, weil es zwischen den beiden Orten keine durchgehende Straße gibt.[1] Sonntags kommen Ausflugsdampfer. Die Herner nennen das Wasser im Sommer ihre längste Badeanstalt und im Winter ihre längste Schlinderbahn.[1]
Dann wird er ernst. „Wenn euer neuer Kanal fertig ist, sind wir hier nur noch ein Anhängsel. Schreib das in dein Buch.“
Du schreibst es auf.
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Historischer Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.: Zweigkanal nach Herne (Stichkanal), Wiki-Artikel, Version vom 11. September 2026, Permanentlink, abgerufen am 18. September 2026.
