Radio Herne
Radio Herne (bisweilen auch als 90.8 Radio Herne beziehungsweise historisch Herne 90acht bezeichnet) ist ein privatrechtliches Lokalradio für die kreisfreie Stadt Herne in Nordrhein-Westfalen. Der Sender nahm am 1. September 1990 den Betrieb auf und verbreitet sein UKW-Programm auf der Frequenz 90,8 MHz.[1] Er ist in das nordrhein-westfälische Lokalfunkmodell mit getrennten Zuständigkeiten von Veranstaltergemeinschaft und Betriebsgesellschaft eingebunden.[2]
Geschichte
Entstehung und Sendebeginn
Die Vorbereitung eines lokalen Hörfunkangebots für Herne fiel in die Einführungsphase des privaten Lokalfunks in Nordrhein-Westfalen. Nach einer retrospektiven Darstellung des Herner Online-Magazins inHerne wurde über das Konzept eines Lokalsenders zuvor im Herner Rathaus beraten; am 28. Januar 1989 stand demnach die Veranstaltergemeinschaft. Die Redaktion arbeitete anfangs in der Bahnhofstraße 45.[3]
Auch die wirtschaftliche und gesellschaftsrechtliche Basis wurde 1989 gelegt: Der Gesellschaftsvertrag der Betreibergesellschaft (Betriebsverwaltungsgesellschaft Radio Herne mbH) wurde am 27. April 1989 abgeschlossen;[4] erste Geschäftsführer waren Günter Müggenburg und Ernst Schillinger.[5] Die Gründung der Kommanditgesellschaft Betriebsgesellschaft Radio Herne mbH & Co. KG folgte am 25. Oktober 1989.[6]
Die Zulassung für die Veranstaltergemeinschaft Radio Herne 90acht e. V. wurde nach einem späteren Beschluss der Landesanstalt für Medien NRW am 20. August 1990 zunächst für zehn Jahre erteilt.[7] Der Sendebetrieb begann am 1. September 1990 unter dem Namen Radio Herne 90acht. Erster Chefredakteur war Wolfgang Tatzel, der den Aufbau des Senders leitete und bis 2013 im Amt blieb, ehe er zu Radio Vest wechselte.[8] Im Juli 2013 übernahm Christine Schindler die Chefredaktion des Senders.
Entwicklung
Nach der Darstellung von inHerne wurde der Produktionsablauf zunächst mit Tonbändern und CDs organisiert; später wurden Computertechnik und ein Onlineangebot eingeführt. Die Redaktion zog vom ursprünglichen Standort in das Stadtwerkehaus am Berliner Platz um.[3]
Schon kurz nach dem Sendestart im November 1990 trat die städtische Vermögensverwaltungsgesellschaft für Versorgung und Verkehr der Stadt Herne mbH (VVH) im Wege einer Sonderrechtsnachfolge als Kommanditistin in die Betriebsgesellschaft ein.[9] Im Rahmen einer Marketingkampagne des Dienstleisters Westfunk erhielt der Sender am 1. April 2008 den Namen 90.8 Radio Herne. Seit einem weiteren Programm-Relaunch am 11. Januar 2010 nennt sich die Station schlicht Radio Herne.
Für das Jahr 2013 dokumentiert die Quelle zudem Finanzierungsdiskussionen über den Fortbestand des lokalen Angebots; Aussagen über deren Ursachen oder einzelne Vereinbarungen bedürfen einer weitergehenden Auswertung zeitgenössischer Unterlagen.[3]
Die Landesanstalt für Medien NRW verlängerte die Zulassung 2015 erneut. Mit Beschluss von 2025 wurde die terrestrische Zulassung der Veranstaltergemeinschaft – bei einer Mindestprogrammdauer von fünf Stunden – bis zum 27. März 2027 verlängert; zugleich wurde ihr die Frequenz Herne 90,8 MHz für diesen Zeitraum zugewiesen.[7]
Organisation und Trägerschaft
Radio Herne folgt dem für den lokalen Hörfunk in Nordrhein-Westfalen vorgesehenen „Zwei-Säulen-Modell“. Die Veranstaltergemeinschaft ist als nichtkommerzieller Verein Lizenznehmerin, trägt die Programmverantwortung und ist Arbeitgeberin der Redaktion.
Die privatwirtschaftlich organisierte Betriebsgesellschaft stellt Finanzierung und Technik bereit. Persönlich haftende Gesellschafterin der Betriebsgesellschaft Radio Herne mbH & Co. KG ist die Betriebsverwaltungsgesellschaft Radio Herne mbH (AG Bochum HRB 9485, zuvor AG Herne HRB 616).[4] Als Geschäftsführer der Verwaltungsgesellschaft amtiert Sebastian Schulte.[4]
Die Veranstaltergemeinschaft trägt den Namen Veranstaltergemeinschaft „Herne90acht“ e. V..[10] Nach den Handelsregisterunterlagen und dem Beteiligungsbericht der Stadt Herne halten folgende Kommanditisten Anteile an der Betriebsgesellschaft:[11][6][12]
- FUNKE Medien NRW GmbH (75,00 %)
- MFS-Holding GmbH bzw. Peter Fiele (15,86 %)
- Vermögensverwaltungsgesellschaft für Versorgung und Verkehr der Stadt Herne mbH (9,14 %)
Der Bericht beschreibt als Aufgaben der Betriebsgesellschaft insbesondere die lokale Hörfunkwerbung sowie die Bereitstellung von Sende- und Produktionstechnik und die Kostenerstattung für die Veranstaltergemeinschaft. Für zentrale Dienstleistungen nutzt sie die Westfunk GmbH & Co. KG; das Rahmenprogramm liefert radio NRW.[11]
Programm und Redaktion
Das Programm verbindet lokale Nachrichten und Serviceinformationen für Herne und Wanne-Eickel mit Musik- und Unterhaltungsangeboten. Die Redaktion wird von Chefredakteurin Christine Schindler geleitet.
Das eigene Programm umfasst:
- Werktags: Die Frühsendung „Radio Herne am Morgen“ (6:00 bis 10:00 Uhr, im Wechsel moderiert von Christine Schindler und Achim Preikschat) sowie die Nachmittagssendung „Radio Herne am Nachmittag“ (16:00 bis 18:00 Uhr). Zudem werden werktags von 6:30 Uhr bis in den frühen Vorabend jeweils zur halben Stunde eigene Lokalnachrichten gesendet.
- Samstags: Übernahme der Übertragungen wie die „Ruhrcharts“ (18:00 bis 21:00 Uhr, im Wechsel produziert von Radio Essen und Radio Bochum).
- Sonntags: Dreistündiges Lokalprogramm von 9:00 bis 12:00 Uhr.
- Bürgerfunk: Gemäß den gesetzlichen Vorgaben wird montags bis freitags von 21:00 bis 22:00 Uhr sowie sonntags von 19:00 bis 20:00 Uhr der lokale Bürgerfunk ausgestrahlt.[13]
In den übrigen Zeiten übernimmt der Sender das Mantelprogramm von radio NRW, inklusive der Weltnachrichten zur vollen Stunde. Weitere Moderatorinnen im Team sind Christine Thomas, Doro Gornik und Tanita Ehmke.[14]
Reichweite
Gemäß der Reichweitenanalyse E.M.A. NRW 2026 I verzeichnet Radio Herne beim Wert „Hörer gestern“ (Montag bis Freitag) eine Quote von 27 %, was rund 34.000 Hörerinnen und Hörern im Sendegebiet Herne und Wanne-Eickel entspricht.[15]
In der Kernzielgruppe der 14- bis 49-Jährigen liegt der Erreichungsgrad bei 34 % (ca. 21.000 Hörer). Der Marktanteil beträgt 27 % in der Zielgruppe ab 14 Jahren sowie 36 % in der Altersgruppe 14–49 Jahre; Radio Herne ist damit in beiden Segmenten Marktführer im Sendegebiet. Die durchschnittliche Hördauer (Verweildauer) an Werktagen liegt bei 174 Minuten. Über den gesamten Tagesverlauf (Mo–Fr) ergibt sich eine durchschnittliche Stundenreichweite von 8 % (ca. 10.000 Hörer pro Stunde).[15]
Verbreitung und Technik
Der Sender nutzt verschiedene Empfangswege:
- UKW: Der Sender überträgt sein Signal über die Frequenz 90,8 MHz mit einer Senderleistung von 100 Watt vom Standort Herne aus. Das Signal versorgt neben dem Stadtgebiet auch Angrenzungsbereiche von Herten, Recklinghausen, Castrop-Rauxel, Bochum und Gelsenkirchen.
- DAB+: Seit dem 18. Dezember 2025 ist Radio Herne digital über DAB+ auf dem regionalen Kanal 11B (Region Dortmund / Südwestfalen) zu empfangen.[16]
- Kabel & Digital: Empfangbar im Kabelnetz auf 91,35 MHz sowie digital via Internet-Livestream, Mobile App, Radioplayer und Sprachassistenten.[17]
Bedeutung für die lokale Mediengeschichte
Radio Herne entstand parallel zur Etablierung des privaten Lokalfunks in Nordrhein-Westfalen und ergänzte die lokale Medienöffentlichkeit um ein täglich verbreitetes Hörfunkangebot. Für den Sender prägend ist die institutionelle Trennung von publizistischer Verantwortung und wirtschaftlich-technischem Betrieb. Diese Konstruktion soll im NRW-Lokalfunk Programmvielfalt und redaktionelle Unabhängigkeit sichern.[2]
Perspektiven und geplanter Umzug nach Bochum
Infolge eines stadtübergreifenden Einbruchs der Werbeeinnahmen sowie allgemeiner Restrukturierungen im NRW-Lokalfunk verlässt Radio Herne bis spätestens Sommer 2027 seinen bisherigen Standort im Stadtwerkehaus am Berliner Platz in Herne.[18]
Die Veranstaltergemeinschaften von Radio Herne, Radio Bochum und Radio Ennepe Ruhr verständigten sich gemeinsam mit der Betriebsgesellschaft Funke Mediengruppe (Westfunk) und der Landesanstalt für Medien NRW auf eine gemeinsame Kooperation („Radio-WG“).[19] Ziel dieser Vereinbarung ist es, eine vom Mediengesetz vorgegebene Zwangsfusion der Verbreitungsgebiete zu vermeiden und den dreien jeweils eigenständige Lokalprogramme für Herne, Bochum und den Ennepe-Ruhr-Kreis zu erhalten.[19]
Im Zuge dieser Umstrukturierung ergeben sich folgende Rahmenbedingungen:
- Standort: Die Redaktion zieht nach Bochum in ein gemeinsames Funkhaus um (bevorzugt im Bochumer Norden nahe der Herner Stadtgrenze). Bis zur Fertigstellung der neuen Räumlichkeiten verbleibt Radio Herne vorerst an seinem bisherigen Standort.[18][19]
- Personal: Die Zahl der Redaktionsstellen wird von 4,5 auf 3 Stellen reduziert; der Stellenabbau erfolgt ohne Kündigungen durch altersbedingtes Ausscheiden eines Redakteurs und einer Redaktionsassistentin.[18]
- Leitung: Während Radio Bochum seine eigene Chefredaktion behält, wird künftig eine gemeinsame Chefredaktion für Radio Herne und Radio Ennepe Ruhr zuständig sein.[19]
- Programm: Das tägliche Sendevolumen von acht Stunden eigenem Lokalprogramm inklusive der eigenständigen Morgensendungen für Herne bleibt unverändert bestehen.[18][19]
Literatur
- Horst Martens: „Zwischen Unterhaltung und Information: Herne90acht, das Lokalradio“. In: inHerne, Ausgabe 4/2003, S. 30–31.[20]
- Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen: Gutachten zur wirtschaftlichen Situation im NRW-Lokalfunk. Düsseldorf 2024.
Weblinks
Verwandte Artikel
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen: Audio: 90.8 Radio Herne, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen: Das Zwei-Säulen-Modell, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 inHerne: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – Radio Herne wird 25 Jahre alt, 24. Juli 2015, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Amtsgericht Bochum HRB 9485, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Amtsgericht Herne HRB 616, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Amtsgericht Bochum HRA 5121, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ 7,0 7,1 Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen: Beschlüsse der 37. Sitzung der Medienkommission: Verlängerung der Zulassung im Verbreitungsgebiet Stadt Herne (PDF), 4. Juli 2025, S. 3–4, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Radio Herne: Trauer um Wolfgang Tatzel, 23. November 2020, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Amtsgericht Herne HRA 741, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen: Ausschreibung zu DAB+Regio: Antragsteller lokaler Hörfunk, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ 11,0 11,1 Stadt Herne: Beteiligungsbericht 2023 (PDF), S. 31–34, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK): 90.8 Radio Herne, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Radio Herne Offizielle Website, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Radio Herne: Team, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ 15,0 15,1 Westfunk GmbH & Co. KG: Über Radio Herne, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Radio Herne: Höre deinen Lieblingsradiosender jetzt über DAB+, 18. Dezember 2025, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Radio Herne: Empfangswege, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ 18,0 18,1 18,2 18,3 WAZ: Bericht über Umstrukturierung und Standortwechsel im NRW-Lokalfunk, 2026.
- ↑ 19,0 19,1 19,2 19,3 19,4 Marek Schirmer: NRW: Neue Radio-WG für Bochum, Herne und Ennepe Ruhr, 6. Mai 2026, abgerufen am 31. August 2026.
- ↑ Horst Martens: Zwischen Unterhaltung und Information: Herne90acht, das Lokalradio. In: inHerne, Ausgabe 4/2003, S. 30–31.
