Pfingststurm Ela (Herne)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Wolkenfront von Ela über der TU Dortmund[1]

Pfingststurm Ela war ein außergewöhnlich schweres Unwetter, das am 9. Juni 2014, dem Pfingstmontag, über Nordrhein-Westfalen hinwegzog und auch im Stadtgebiet von Herne erhebliche Schäden verursachte. Der Sturm gehört zu den schwersten Unwetterereignissen, die Herne in der jüngeren Vergangenheit getroffen haben.

Besonders betroffen waren Straßen, Grünanlagen, Gebäude und Verkehrsanlagen. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt oder brachen unter der Gewalt des Windes zusammen. Straßen und Wege waren blockiert, der öffentliche Verkehr kam teilweise zum Erliegen. Für die Feuerwehr Herne, das Technische Hilfswerk (THW), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Polizei und die städtischen Fachdienste entwickelte sich die Sturmnacht zu einem Großeinsatz.

Wetterlage

Der Pfingstmontag begann bei hochsommerlichen Temperaturen zunächst freundlich. Im Tagesverlauf entwickelte sich jedoch über Belgien und den westlichen Teilen Nordrhein-Westfalens ein außergewöhnlich kräftiger Gewitterkomplex. Am Abend des 9. Juni erreichte die Gewitterlinie das Ruhrgebiet.

Der Deutsche Wetterdienst bezeichnete das Ereignis später als außergewöhnliches Unwetter. Eine ausgeprägte Böenwalze führte zu extremen Windgeschwindigkeiten. Besonders problematisch war das Zusammentreffen der heftigen Windböen mit dem dicht belaubten Baumbestand zu Beginn des Sommers.[2]

Das Unwetter traf das Ruhrgebiet am Abend mit großer Geschwindigkeit. Innerhalb kurzer Zeit entstand eine Vielzahl von Schadensstellen.

Die Sturmnacht in Herne

Auch Herne wurde am Abend des 9. Juni von der Gewitterfront getroffen. Umgehend wurde bei der Feuerwehr Herne Vollalarm ausgelöst. Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr waren gemeinsam mit dem THW im Einsatz.

In den ersten Stunden konzentrierten sich die Einsatzkräfte auf die Beseitigung akuter Gefahren. Umgestürzte Bäume blockierten zahlreiche Straßen und Wege. Äste und Baumkronen fielen auf Fahrbahnen, Fahrzeuge und Gebäude. Hinzu kamen beschädigte Dächer, Laternen, Stromverteiler und weitere Einrichtungen.

Die Dimension des Ereignisses zeigte sich bereits in der Nacht: Rund 190 Helfer von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr sowie THW waren im Einsatz. Zunächst wurden etwa 130 Notrufe abgearbeitet.[3]

Die Einsatzkräfte mussten teilweise selbst erst Zufahrtswege freischneiden, bevor sie ihre Einsatzstellen erreichen konnten.

Wanne-Eickel besonders betroffen

Auch in Wanne und Eickel hinterließ Ela deutliche Spuren. Im Bereich des Wanne-Eickeler Hauptbahnhof] und entlang wichtiger Verkehrsachsen stürzten Bäume um und beschädigten unter anderem Fahrleitungen.

Der öffentliche Verkehr war teilweise erheblich beeinträchtigt. Ein Zug in Richtung Gelsenkirchen musste im Bereich der Plutostraße auf freier Strecke anhalten. Rund 60 Fahrgäste befanden sich in dem liegengebliebenen Zug. Einsatzkräfte unterstützten die Evakuierung und brachten einen Teil der Reisenden zum Gerätehaus des Löschzugs Röhlinghausen, wo sie vom DRK betreut wurden.[3]

Auch der Ortsverband Wanne-Eickel des THW wurde unmittelbar vom Sturm getroffen. Selbst die Zufahrt zum THW-Gelände war zunächst durch einen umgestürzten Baum versperrt. Nachdem die Einsatzkräfte diesen beseitigt hatten, konnten die weiteren Einsätze aufgenommen werden.[4]

Feuerwehr im Großeinsatz

Für die Herner Feuerwehr war Ela der größte Einsatz seit mindestens 25 Jahren. Innerhalb von 24 Stunden gingen rund 2.700 Anrufe bei der Leitstelle ein.

Die Feuerwehr selbst arbeitete 368 Einsätze ab. Weitere rund 700 Einsatzaufträge wurden an andere Organisationen und Einrichtungen weitergegeben. Damit konnten die zahlreichen Schadensstellen parallel bearbeitet werden.[5]

Besondere Bedeutung hatte dabei die Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen. Neben der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr waren unter anderem

  • das Technisches Hilfswerk,
  • das Deutsches Rotes Kreuz,
  • die Polizei Herne,
  • die Stadtwerke Herne,
  • die Deutsche Bahn,
  • die städtischen Fachbereiche
  • und weitere Hilfs- und Einsatzkräfte

beteiligt.

Die Zusammenarbeit war notwendig, weil gleichzeitig eine große Zahl von Straßen, Gebäuden, Verkehrswegen und Grünanlagen gesichert werden musste.

Schäden an Straßen und Infrastruktur

Zahlreiche Straßen waren nach dem Sturm zunächst nicht passierbar. Umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste blockierten die Verkehrswege. Auch die technische Infrastruktur wurde beschädigt.

Insgesamt wurden unter anderem sechs Ampelanlagen sowie zahlreiche Beleuchtungs- und Beschilderungseinrichtungen beschädigt. Die wichtigsten Verkehrswege konnten vergleichsweise schnell wieder freigeräumt werden.[5]

Besondere Aufmerksamkeit galt Krankenhäusern und Altenheimen. Einige Einrichtungen waren zeitweise wegen umgestürzter Bäume und Äste nur eingeschränkt oder gar nicht erreichbar. Damit bestand die Gefahr, dass Rettungsfahrzeuge ihre Einsatzorte nicht unmittelbar erreichen konnten.[3]

Schulen geschlossen

Die Folgen des Sturms waren auch am folgenden Tag deutlich sichtbar. Wegen der Gefahren durch beschädigte Gebäude, umgestürzte Bäume und blockierte Rettungswege blieben die städtischen Schulen in Herne zunächst geschlossen.

Auch Sportplätze wurden nach dem Unwetter gesperrt. Die Stadt begann mit systematischen Kontrollen, um Gefahrenstellen festzustellen und die Anlagen schrittweise wieder freigeben zu können.[3]

Einsatz des THW Wanne-Eickel

Eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Folgen spielte der THW-Ortsverband Wanne-Eickel.

Die Helfer leisteten insgesamt 534 Einsatzstunden bei der unmittelbaren Sturmschadenbeseitigung. Davon entfielen 455 Stunden auf Einsätze im Herner Stadtgebiet.[6]

Zu den Aufgaben gehörten unter anderem:

  • Beseitigung umgestürzter Bäume,
  • Freimachen von Straßen und Wegen,
  • Sicherung beschädigter Gebäude,
  • Sicherung beschädigter Laternen,
  • Sicherung zerstörter Stromverteiler,
  • Unterstützung bei der Evakuierung eines Zuges

sowie weitere technische Hilfeleistungen.

Die Einsätze wurden teilweise gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr Herne, den Löschzügen der Freiwilligen Feuerwehr, Polizei, Stadtwerken, Deutscher Bahn und dem THW-Ortsverband Herne durchgeführt.[6]

Keine Todesopfer in Herne

Trotz der erheblichen Schäden blieb Herne von schweren Personenschäden verschont. Nach der ersten Bilanz waren in Herne weder Tote noch Verletzte zu beklagen.

Auch ein vollständiges Verkehrschaos blieb aus. Die Einsatzleitung der Polizei bewertete die Lage trotz der zahlreichen Behinderungen als beherrschbar.[5]

Dies war angesichts der großen Zahl umgestürzter Bäume und der Vielzahl gleichzeitig auftretender Gefahrenstellen von besonderer Bedeutung.

Die Schäden im Stadtgrün

Besonders nachhaltig wirkte sich Ela auf das Stadtgrün aus. Der Sturm traf die Bäume zu Beginn der Vegetationsperiode, als sie vollständig belaubt waren. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, Stämme brachen oder große Kronenteile wurden herausgerissen.

Die Aufräumarbeiten beschränkten sich deshalb nicht auf die unmittelbar nach dem Sturm sichtbaren Schäden. Auch in den folgenden Wochen und Monaten mussten Bäume kontrolliert werden, bei denen zunächst nicht eindeutig erkennbar war, ob sie noch standsicher waren.

Die Stadt Herne setzte deshalb zahlreiche Mitarbeiter für die Beseitigung und Begutachtung der Schäden ein. Wochen nach dem Sturm waren die Auswirkungen in Parks, Grünanlagen und an Straßenbäumen noch deutlich sichtbar.[5]

Öffentliche Grünanlagen und Wälder

Wegen der weiterhin bestehenden Gefahr durch beschädigte Bäume und herabfallende Äste wurden Grünanlagen, Parks und Waldflächen nach dem Sturm teilweise gesperrt. Die Bevölkerung wurde ausdrücklich aufgefordert, diese Sperrungen zu beachten.

Die Gefahrenlage bestand auch nach dem eigentlichen Sturm weiter. Beschädigte Bäume konnten noch Tage oder Wochen später Äste verlieren oder umstürzen.

Damit wurde Ela für die Stadt nicht mit dem Ende der Sturmnacht abgeschlossen. Die Beseitigung der Folgen beschäftigte Verwaltung, Feuerwehr, THW und weitere Helfer noch lange Zeit.

Eine außergewöhnliche Belastungsprobe

Die Ereignisse vom 9. und 10. Juni 2014 zeigten deutlich, welche Auswirkungen ein extremes Wetterereignis auf eine dicht besiedelte Ruhrgebietsstadt haben kann.

In Herne trafen zahlreiche Faktoren gleichzeitig aufeinander: eine große Zahl umgestürzter Bäume, blockierte Verkehrswege, beschädigte Gebäude, unterbrochene Verkehrsverbindungen und eine hohe Zahl von Notrufen.

Die schnelle Zusammenarbeit von Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr, THW, DRK, Polizei, Stadtwerken, Deutscher Bahn und den städtischen Fachbereichen verhinderte eine weitere Verschärfung der Lage.

Oberbürgermeister Horst Schiereck dankte den Einsatzkräften bereits am 12. Juni ausdrücklich für ihren Einsatz. Er würdigte insbesondere die Arbeit der Helfer, die unter schwierigen und teilweise gefährlichen Bedingungen die Folgen des Sturms beseitigten.[7]

Folgen und Erinnerung

Der Pfingststurm Ela blieb in Herne über die eigentliche Sturmnacht hinaus spürbar. Die Beseitigung der Schäden an Bäumen und Infrastruktur nahm Wochen und teilweise Monate in Anspruch.

Auch die Einsatzstatistik der Feuerwehr verdeutlicht die außergewöhnliche Dimension des Ereignisses. Die Zahl der technischen Hilfeleistungen lag im Jahr 2014 deutlich über dem Folgejahr. Die Stadt führte dies wesentlich auf die zusätzlichen Einsätze infolge des Pfingststurms zurück.[8]

Für Herne und insbesondere Wanne-Eickel wurde der 9. Juni 2014 damit zu einem markanten Datum der jüngeren Stadtgeschichte. Der Sturm zeigte die Verletzlichkeit der städtischen Infrastruktur gegenüber extremen Wetterereignissen, zugleich aber auch die Leistungsfähigkeit der örtlichen Einsatz- und Hilfsorganisationen.

Literatur und Quellen

  • Deutscher Wetterdienst: Unwetter an Pfingsten in Nordrhein-Westfalen: Vom ersten Hinweis über die Warnung bis hin zur Verteilung finanzieller Hilfen, Jahresbericht 2014.[2]
  • inHerne: Helfer waren die ganze Nacht über im Einsatz – Schulen bleiben zu, 10. Juni 2014.[3]
  • inHerne: „Ela“ wird uns noch lange beschäftigen – Bilanz der Einsatzkräfte, 27. Juni 2014.[5]
  • inHerne: THW Wanne-Eickel 534 Stunden im Einsatz, 27. Juni 2014.[6]
  • THW Ortsverband Wanne-Eickel: Unwettertief „Ela“ verwüstet Herne, 11. Juni 2014.[4]
  • THW Ortsverband Herne: Oberbürgermeister dankt den Einsatzkräften, 12. Juni 2014.[7]
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Quellen

  1. Bild: Patrick Beckmann (https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Wolkenfront_Ela.jpg)
  2. 2,0 2,1 Deutscher Wetterdienst: Unwetter an Pfingsten in Nordrhein-Westfalen: Vom ersten Hinweis über die Warnung bis hin zur Verteilung finanzieller Hilfen, Jahresbericht 2014.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 inHerne: Helfer waren die ganze Nacht über im Einsatz – Schulen bleiben zu, 10. Juni 2014.
  4. 4,0 4,1 THW Ortsverband Wanne-Eickel: Unwettertief „Ela“ verwüstet Herne, 11. Juni 2014.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 inHerne: „Ela“ wird uns noch lange beschäftigen – Bilanz der Einsatzkräfte, 27. Juni 2014.
  6. 6,0 6,1 6,2 inHerne: THW Wanne-Eickel 534 Stunden im Einsatz, 27. Juni 2014.
  7. 7,0 7,1 THW Ortsverband Herne: Oberbürgermeister dankt den Einsatzkräften, 12. Juni 2014.
  8. inHerne: Planungen für die Zukunft und gestiegene Zahlen, 2016.