Zwölf-Apostel-Kirche

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Die Zwölf-Apostel-Kirche an der Zeppelinstraße 1 in Wanne-Süd war eine evangelische Kirche und Gemeindekirche der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Eickel. Die historische Gebäudegruppe an der Zeppelinstraße besteht aus Gemeindehaus, Pfarrhaus und dem später errichteten Kirchturm. Teile der Anlage stehen unter Denkmalschutz.

Denkmalplakette NRW
Ev. Zwölf-Apostel-Kirche
Bild: Knochen 2013[1]
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AdresseZeppelinstraße 1, 44651 Herne
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Die Kirche war über viele Jahrzehnte ein Mittelpunkt des evangelischen Gemeindelebens in Wanne-Süd. Nach strukturellen Veränderungen innerhalb der Evangelischen Kirche und einer seit Jahren rückläufigen Zahl der Gemeindeglieder wurde der Bestand der Kirche mehrfach grundsätzlich in Frage gestellt. Eine besondere Zäsur bildete der Pfingststurm Ela im Jahr 2014, bei dem das Kupferdach des Kirchenschiffs schwer beschädigt beziehungsweise vollständig abgedeckt wurde.

Nach einer kontroversen Diskussion um den Erhalt und einer Sanierung wurde die Kirche zunächst wiederhergestellt und weiter für Gottesdienste genutzt. Im Rahmen einer späteren Gebäude- und Grundstückskonzeption wurde schließlich die Aufgabe des Kirchraums beschlossen. Der letzte Gottesdienst und die Entwidmung fanden am 27. April 2025 statt.

Der denkmalgeschützte Kirchturm mit seiner Glocke soll erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Bau- und Architekturgeschichte

Die historische Anlage an der Zeppelinstraße geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück. Gemeindehaus und Pfarrhaus wurden in Klinkerbauweise errichtet. Die Bauformen zeigen Anklänge an den Neubarock und verbinden diese mit einer für die Zeit charakteristischen, sachlicheren Gestaltung.

Der historische Gebäudekomplex wurde später durch einen Kirchturm ergänzt. Die heute denkmalgeschützte Gesamtanlage dokumentiert damit die Entwicklung der evangelischen Gemeinde in Wanne-Süd über mehrere Bauphasen.

Das Baudenkmal umfasst nach der Denkmaleintragung das Gemeindehaus, das Pfarrhaus sowie den 1933 ergänzten Turm mit der darin hängenden Glocke. Die drei Gebäude sind in Klinkerbauweise ausgeführt. Gemeindehaus und Pfarrhaus besitzen massive Werksteinsockel. Die Fassaden zur Zeppelinstraße sind stärker durch den Charakter eines Gemeindesaales als durch den traditionellen Kirchenbau geprägt.

Der Gemeindesaal gilt als qualitätvolles Beispiel expressionistischer Architektur. Die Verbindung neubarocker und expressionistischer Formen verleiht der Gebäudegruppe ihren besonderen architektonischen Charakter.

Der Kirchturm von 1932/33

Ein wichtiger Abschnitt der Baugeschichte war die Errichtung des Kirchturms in den Jahren 1932 und 1933. Der Turmbau wurde von der evangelischen Gemeinde Wanne-Süd insbesondere mit Unterstützung des örtlichen Männervereins vorangetrieben.

Am 22. August 1932 führte Pfarrer Keina den ersten Spatenstich aus. Bereits am 5. September begannen die Fundamentierungsarbeiten. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 11. September 1932 unter Beteiligung der Gemeinde.

Der Turmhelm konnte am 12. November 1932 gerichtet werden. Am 27. November wurden die drei neuen Glocken feierlich eingeholt und geweiht. Am 6. Dezember waren die Glocken im Turm aufgehängt. Ein anschließendes Probeläuten bestätigte die gute Klangwirkung des vom Bochumer Verein gelieferten Geläutes. Die Turmuhr wurde am 15. Dezember 1932 angebracht.

Die Turmweihe wurde als bedeutendes Ereignis für die evangelische Bürgerschaft von Wanne-Eickel begangen. Die drei Glocken gehörten nach zeitgenössischer Darstellung zu den größeren Geläuten Westfalens.

Der rund 50 Meter hohe Turm wurde nach Entwürfen der Architekten Adolf Gobrecht jun. aus Wanne-Eickel und Ewald Wachenfeld aus Hagen errichtet. Der Sockel besteht aus Sandstein, der Turmschaft aus Klinker. Die Gesimse wurden aus bearbeitetem Vorsatzbeton hergestellt. Der Turmhelm erhielt eine Kupferdeckung; Turmkreuz und Turmhahn wurden ebenfalls aus Kupfer gefertigt und vergoldet.

Ursprünglich stand der Turm frei. Anschließend war eine Verbindung zwischen Turm und dem als Gotteshaus genutzten Gemeindehaus vorgesehen.

Glocken

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Video

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Eine der Glocken beziehungsweise die erhaltene Glockenausstattung besitzt heute besonderen denkmalrechtlichen Wert. Der Kirchturm selbst soll nach der Aufgabe des Kirchraums erhalten bleiben.

Denkmal

Die Eintragung der Zwölf-Apostel-Kirche als Baudenkmal, im Sinne des Denkmalschutzgesetzes NRW, in die Denkmalliste der Stadt Herne, erfolgte am 27. April 1997(Denkmal Nr. 575-63/DL-94).

■ ev. Kirche Zwölf Apostel
■ Zeppelinstraße 1 und 3, Eickel
■ Erbaut: 1916 und 1933
■ Architektur: Arno Eugen Fritsche (1858-1939)
■ Details: Das Baudenkmal umfasst das Gemeindehaus, Pfarrhaus sowie den 1933 ergänzten Turm mit der darin hängenden Glocke. Alle drei Gebäude sind in Klinkerbauweise errichtet.
Gemeindehaus und Pfarrhaus erheben sich über massivem Werksteinsockel. Ihre Bauformen folgen den sparsamen, vom Neubarock inspirierten Bauvorstellungen dieser Zeit. Die Fronten zur Zeppelinstraße betonen mehr den Charakter des Gemeindesaals als den einer Kirche. Er ist ein qualitätvolles Beispiel der expressionistischen Architektur. Die Gesamtanlage dokumentiert die Entwicklung der Gemeinde Wanne und ist bedeutend für die Stadt Herne. Die Kombination von neubarocken und expressionistischen Formen hat zu einer eindrucksvollen Gesamtanlage geführt.

Entwicklung der Kirchengemeinde

Die Zwölf-Apostel-Kirche war zunächst Gemeindekirche der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Süd.

Im Zuge der kirchlichen Neuordnung wurden mehrere Gemeinden in Wanne zusammengeführt. Zum 1. Januar 2009 entstand aus den Gemeinden der Christuskirche, der Auferstehungskirche und der Zwölf-Apostel-Kirche die Matthäus-Kirchengemeinde Wanne.

Im Jahr 2019 schlossen sich die evangelischen Gemeinden in Wanne-Eickel zur Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Eickel zusammen. Die bisherige Zwölf-Apostel-Kirche wurde dem Bezirk Wanne zugeordnet.

Mit dem Zusammenschluss veränderten sich auch die Anforderungen an den Gebäudebestand. Sinkende Mitgliederzahlen und rückläufige Kirchensteuereinnahmen führten zu Überlegungen, die Zahl der unterhaltenen Gebäude und Flächen zu reduzieren.

Pfingststurm Ela und die Diskussion um den Erhalt

Eine entscheidende Belastungsprobe für die Kirche war der schwere Pfingststurm Ela (Herne) am 9. Juni 2014. Der Sturm riss das Kupferdach der Kirche herunter und führte dazu, dass Wasser in den Innenraum eindrang. Auch der Fußboden und die Orgel wurden beschädigt.

Obwohl die Versicherung grundsätzlich die Regulierung der Schäden zugesagt hatte, entwickelte sich anschließend eine grundsätzliche Diskussion über die Zukunft des Kirchengebäudes. Hintergrund waren die hohen laufenden Unterhaltungskosten und die sinkende Zahl der Gemeindeglieder.

Der Kirchenkreis stellte deshalb zeitweise einen Abriss der Kirche zur Diskussion. Die Gemeinde reagierte mit großem Unverständnis. Befürchtet wurde, dass mit dem Verlust des Kirchengebäudes auch ein wichtiger Mittelpunkt des Gemeindelebens in Wanne-Süd verloren gehen würde.

Innerhalb der Gemeinde wurden unter anderem eine Gemeindeversammlung, eine Unterschriftenaktion und eine Menschenkette vorbereitet. Der drohende Abriss führte zu einer breiten Solidarität über die unmittelbare Kirchengemeinde hinaus.

Kompromiss zum Erhalt

Nach Gesprächen zwischen der Leitung des Evangelischen Kirchenkreises und dem Presbyterium zeichnete sich schließlich eine Kompromisslösung ab. Die Zwölf-Apostel-Kirche sollte erhalten bleiben, gleichzeitig sollte die Gemeinde andere Gebäude und Flächen aufgeben, um die wirtschaftliche Belastung zu reduzieren.

Zum Maßnahmenpaket gehörte unter anderem die Veräußerung beziehungsweise anderweitige Nutzung von Gebäuden im Umfeld der Kirche. Auch das frühere Pfarrhaus sollte einer anderen Nutzung zugeführt werden.

Im Gegenzug konnte die Zwölf-Apostel-Kirche saniert werden.

Das beschädigte Kupferdach wurde erneuert. Der durch das eingedrungene Wasser beschädigte Holzfußboden musste entfernt und später ersetzt werden. Auch die Orgel war vom Wasserschaden betroffen und musste instandgesetzt werden.

Die Sanierung ermöglichte es der Gemeinde, die Kirche zunächst wieder für Gottesdienste zu nutzen.

Gebäude- und Grundstückskonzeption

Trotz der erfolgten Sanierung blieb die Frage des langfristigen Erhalts bestehen. In der im Mai 2020 vom Presbyterium beschlossenen Gebäude- und Grundstückskonzeption wurde die zukünftige Nutzung der kirchlichen Gebäude neu bewertet.

Danach sollte die Zwölf-Apostel-Kirche entwidmet und zurückgebaut werden. Gleichzeitig wurde ausdrücklich vorgesehen, den denkmalgeschützten Turm mit seiner Glocke zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen.

Auch das denkmalgeschützte Gebäude, in dem das Zeppelin-Zentrum untergebracht ist, sowie der historische Kirchsaal sollten erhalten und einer neuen Nutzung beziehungsweise Vermarktung zugeführt werden. Der historische Kirchsaal war bereits im Zusammenhang mit dem Neubau der Zwölf-Apostel-Kirche entwidmet worden.

Die Aufgabe des Kirchraums stand damit im Zusammenhang mit der langfristigen Anpassung des Gebäudebestandes an die veränderte Mitgliederzahl und die finanziellen Möglichkeiten der Kirchengemeinde.

Entwidmung 2025

Die letzte Phase der Kirchengeschichte begann mit der endgültigen Aufgabe des Kirchraums.

Am Sonntag, 27. April 2025, um 10 Uhr fand der letzte Gottesdienst in der Zwölf-Apostel-Kirche statt. Zugleich wurde die Kirche in diesem Gottesdienst entwidmet.

Als Liturgen wirkten der frühere Gemeindepfarrer Reinhard Vooren und Hans-Paul Ullrich mit. Vooren war von 1979 bis 1990 Gemeindepfarrer in der Kirchengemeinde Wanne-Süd und hatte die Gemeinde in den Monaten vor der Entwidmung unter anderem durch Gottesdienste in der Zwölf-Apostel-Kirche ehrenamtlich unterstützt.

Superintendentin Claudia Reifenberger sprach ein Grußwort. Auch Pfarrer Thomas Horsch von der katholischen Gemeinde St. Joseph nahm aus ökumenischer Verbundenheit am Gottesdienst teil.

Zum Abschluss des Gottesdienstes wurden die liturgischen Geräte aus der Kirche getragen. Mitglieder des Presbyteriums brachten das Abendmahlsgeschirr, die Taufschale, die Altarbibel und die Osterkerze in das Gemeindehaus. Dort schloss sich ein Empfang an, bei dem Erinnerungen an das Gemeindeleben ausgetauscht wurden.

Mit der Entwidmung endete die Nutzung der Zwölf-Apostel-Kirche als Gottesdienststätte.

Geplante Nachnutzung

Auf dem bisherigen Kirchgelände ist nach der Aufgabe des Kirchraums eine neue Nutzung vorgesehen.

Die ProPlanRuhr GmbH, Bottrop plant auf dem Grundstück eine Demenz-Wohngemeinschaft für 24 Personen. Das Konzept richtet sich an Menschen mit beginnender Demenz, die möglichst lange selbstbestimmt leben können. Das Diakonische Werk Herne soll als Mieter Service und Betreuung übernehmen.

Zusätzlich ist ein weiteres Gebäude mit acht öffentlich geförderten, altengerechten Wohnungen vorgesehen.

Der denkmalgeschützte Kirchturm soll dagegen erhalten bleiben. Damit bleibt ein wesentlicher Teil der historischen Anlage als sichtbares Zeugnis der evangelischen Geschichte von Wanne-Süd bestehen.

Bedeutung für die Stadtgeschichte

Die Geschichte der Zwölf-Apostel-Kirche steht beispielhaft für die Entwicklung evangelischer Gemeinden im Ruhrgebiet. Die Anlage dokumentiert sowohl das starke Wachstum der evangelischen Bevölkerung in der Industrie- und Bergbauregion als auch die späteren Folgen des demografischen und kirchlichen Wandels.

Besonders deutlich wird dies an der Baugeschichte: Während die Gemeinde zunächst durch den Bau des Turmes und die Beschaffung eines repräsentativen Glockengeläutes ihre Bedeutung sichtbar machte, führten Jahrzehnte später sinkende Mitgliederzahlen und veränderte finanzielle Rahmenbedingungen zur Reduzierung des Gebäudebestandes.

Die Auseinandersetzung um die Folgen des Pfingststurms Ela zeigte zudem die enge Verbindung zwischen Kirchengebäude, Gemeindeidentität und Stadtteilgeschichte. Die schließlich beschlossene Entwidmung im Jahr 2025 beendet die Nutzung als Gotteshaus, während der denkmalgeschützte Turm als bauliches Zeugnis erhalten bleiben soll.

Literatur

  • Friedrich Weiberg (Hrsg.): 50 Jahre Amt Wanne. Selbstverlag, Wanne 1925, S. 102 f.
  • Friedhelm Degenhardt: Die Zwölf-Apostel-Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Süd. In: Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. (Hrsg.): Sakralgebäude und religiöse Kunst in Wanne-Eickel und Herne. Der Emscherbrücher 2000. Herne 2000, S. 28.
  • Gabriele Heimeier: Zwölf-Apostel-Kirche in Wanne-Süd droht das Ende.[3]
  • Gabriele Heimeier: Kompromiss könnte Zwölf-Apostel-Kirche in Wanne-Süd retten.[4]
  • Michael Muscheid: Zwölf-Apostel-Kirche in Herne soll gerettet werden.[5]
  • Gabriele Heimeier: Zwölf-Apostel-Kirche in Wanne-Süd ist wieder dicht.[6]

Weblinks

Lesen Sie auch

Quellen

  1. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zwoelf_Apostel_Kirche_Wanne-Sued_(1).jpg
  2. Video von Winfried Mülder Aufnahme: F. T., 20.05.2012, im Rahmen eines Sondergeläutes. Fotos: F. T. und eigener Provenienz. S/W-Abbildungen des Geläutes von 1902 entnommen aus: Heimat- und Bürgerverein Wattenscheid e. V. (Hrsg.): Glocken der Wattenscheider Kirchen und Kapellen, Eigenverlag 1992, S. 12. Foto der dis°-Glocke des Geläutes von 1902: Unveränderte Übernahme aus commons.wikimedia.org: High Contrast, 2014. Zu danken ist dem damaligen Pfarrer für die Erlaubnis zu Sondergeläut und Turmbegehung sowie den beiden Mitstreitern für die Organisation, dem Co. dieses Kanals besonders für die Zurverfügungstellung der Tonaufnahme. Vielen Dank für die freundliche Unterstützung
  3. Westdeutsche Allgemeine Zeitung 28. August 2014 http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/zwoelf-apostel-kirche-in-wanne-sued-droht-das-ende-id9754992.html
  4. Westdeutsche Allgemeine Zeitung 15. September 2014 http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/kompromiss-koennte-zwoelf-apostel-kirche-in-wanne-sued-retten-id9826469.html
  5. Westdeutsche Allgemeine Zeitung 3. Oktober 2014 http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/zwoelf-apostel-kirche-in-herne-soll-gerettet-werden-id9894949.html
  6. Westdeutsche Allgemeine Zeitung 14. Dezember 2014 http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/zwoelf-apostel-kirche-in-wanne-sued-ist-wieder-dicht-id10143279.html