Oskar Schiffmann (1873-1935) Kaufmann
Oskar Schiffmann (auch Oscar Schiffmann; * 23. Oktober 1873 in Wittlich; ✡ 10. Januar 1935 in Düsseldorf) war ein deutscher Kaufmann jüdischer Herkunft und Inhaber des Herner Kaufhauses „Gebr. Rindskopf“. Er gehörte zu den bedeutenden Einzelhandelsunternehmern der Stadt Herne in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Unternehmen zu einem der größten Textil- und Kaufhäuser im westlichen Ruhrgebiet.
Leben
Schiffmanns wurde 1873 als Sohn des Simon Schiffmann und dessen Gattin Pauline Barbara Schiffmann geb. Marx in der Stadt Wittlich in Rheinland-Pfalz geboren. Er war mit Martha Schiffmann, geborene Lilienthal, verheiratet. Aus der Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor: Käthe Schiffmann (später Kate Katzki) und Erich Schiffmann.
Im Jahr 1907 übernahmen Martha und Oskar Schiffmann das Textilhandelsgeschäft „Gebr. Rindskopf“ an der Bahnhofstraße 27–29a in Herne. Die Übernahme wurde im Handelsregister eingetragen. Das Unternehmen war zunächst eine Niederlassung der in Essen-Werden gegründeten Firma der Brüder Moritz und Otto Rindskopf.
1914 erwarb Schiffmann die Herner Niederlassung vollständig. Seitdem führte er das Unternehmen als alleiniger Inhaber. Das Kaufhaus entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem weit über die Stadtgrenzen bekannten Textil- und Warenhaus und zählte zu den bedeutendsten Einzelhandelsbetrieben Hernes.
Kaufhaus Gebr. Rindskopf
Das Kaufhaus befand sich an prominenter Lage an der Ecke Bahnhofstraße/Behrensstraße im Herner Stadtzentrum. Das 1905 errichtete Geschäftshaus wurde zu einem Wahrzeichen der aufstrebenden Einkaufsstraße. Zeitgenössische Darstellungen beschreiben das Haus als eines der größten Kaufhäuser des Westens.
In den frühen 1930er Jahren wurden Sally und Frieda Neugarten Teilhaber des Unternehmens. Die wirtschaftliche Stellung des Kaufhauses blieb zunächst erhalten, wurde jedoch durch die antisemitische Politik des nationalsozialistischen Regimes zunehmend bedroht.
Tod

Oskar Schiffmann starb am 10. Januar 1935 im Alter von etwa 62 Jahren in der städtischen Krankenanstalt in Düsseldorf an einem schweren Nierenleiden. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof am Hoverskamp in Herne beigesetzt. Nach seinem Tod ging die Unternehmensführung an Sally und Frieda Neugarten über.
Schicksal der Familie
Die Familie Schiffmann wurde durch die nationalsozialistische Judenverfolgung auseinandergerissen. Tochter Käthe und Sohn Erich konnten in die Vereinigten Staaten emigrieren. Martha Schiffmann folgte ihren Kindern zunächst ebenfalls, kehrte jedoch noch einmal nach Deutschland zurück. Nach den Novemberpogromen 1938 verließ sie Herne endgültig und emigrierte erneut in die USA, wo sie 1943 in New York starb.
Das Kaufhaus „Gebr. Rindskopf“ wurde im September 1938 als letztes jüdisches Geschäft an der Herner Bahnhofstraße unter massivem Druck und weit unter seinem tatsächlichen Wert „arisiert“. Die Firma Kress & Co. übernahm Warenbestand, Inventar und Geschäftsbetrieb.
Erinnerung
An Martha und Oskar Schiffmann erinnert heute eine Gedenktafel des Herner Projekts „Nahtstellen, fühlbar, hier …“ am ehemaligen Standort des Kaufhauses an der Bahnhofstraße 27–29. Außerdem werden sie im Zusammenhang mit dem Herner Shoah-Mahnmal und der lokalen Erinnerungskultur als Vertreter des jüdischen Wirtschaftslebens der Stadt gewürdigt.
Familie
Ehefrau: Martha Schiffmann, geb. Lilienthal Sohn: Erich Schiffmann Tochter: Kate Katzki, deutsch-amerikanische Sozialarbeiterin und Funktionärin jüdischer Hilfsorganisationen.
Bedeutung
Oskar Schiffmann gehört zu jener Generation jüdischer Kaufleute, die den wirtschaftlichen Aufstieg Hernes während der Industrialisierung und der Weimarer Republik wesentlich mitprägten. Das von ihm aufgebaute Kaufhaus „Gebr. Rindskopf“ war eines der bekanntesten Einzelhandelsunternehmen der Stadt, bevor es infolge der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik enteignet wurde.

