Mont-Cenis-Straße 251 - Kaufhaus Frank - Apotheke im Viertel
Das Haus Mont-Cenis-Straße 251 ist ein Wohn- und Geschäftshaus im Herner Stadtteil Sodingen. Das 1905 errichtete Gebäude zählt zu den markanten Geschäfts- und Wohnhäusern entlang der historischen Hauptstraße des Ortsteils. Besondere Bedeutung erlangte das Haus als Standort des jüdischen Kaufhauses Louis Frank, das über Jahrzehnte zu den wichtigsten Einzelhandelsgeschäften Sodingens gehörte.

Lage
Das Gebäude befindet sich an der Mont-Cenis-Straße im Zentrum von Sodingen. Die Straße entwickelte sich während der Hochphase des Bergbaus zu einer der wichtigsten Geschäfts- und Verkehrsachsen des Stadtteils. Das Haus liegt im Bereich des ehemaligen Sodinger Ortskerns nahe der Einmündung der Kantstraße.
Baugeschichte
Vor dem heutigen Bau stand an dieser Stelle, zumindest im rechten Teil, das erste Postamt Sodingen.

Es war zunächst mit dem rechts neben ihm stehenden Haus Wiesmann verbunden. Selbst nachdem das alte Gebäude Wiesmann um 1906 neu errichtet wurde, behielt die Post zunächst ihr Haus bei.

Das heutige Gebäude soll laut Verkaufsexposé aus dem jahre 2026 im Jahr 1905 errichtet worden sein, was aber so nicht richtig sein kann. Kurz nach 1906 wurde das alte Haus jedenfalls abgetragen und das neue errichtet. Es entstand in einer Zeit starken Bevölkerungswachstums, das durch die Entwicklung der Zeche Mont-Cenis ausgelöst wurde. Entlang der Mont-Cenis-Straße entstanden zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser, die den Bedarf der wachsenden Bergarbeitergemeinde deckten.
Architektonisch gehört das Haus zur Bebauung der wilhelminischen beziehungsweise späten Gründerzeit. Ursprünglich vereinte es gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss mit Wohnungen in den Obergeschossen.

Kaufhaus Louis Frank
Ab etwa 1910 betrieben Louis Frank (1869-1942) und seine Ehefrau Julie Frank (1879-1942) im Gebäude ein Textil- und Konfektionsgeschäft. Das Unternehmen entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Kaufhäuser in Sodingen.
Das Kaufhaus bot Bekleidung, Stoffe und Textilwaren an und wurde zu einem festen Bestandteil des Geschäftslebens entlang der Mont-Cenis-Straße. Historische Fotografien und Postkarten zeigen das markante Geschäftsgebäude am damaligen Sodinger Ortszentrum.
Die Familie Frank
Die Familie Frank gehörte zur jüdischen Gemeinde Hernes und war eng mit dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Sodingens verbunden.
Bekannte Familienmitglieder waren:
- Louis Frank (1869-1942)
- Julie Frank (1879-1942)
- Kurt Frank (1910-1987)
- Ruth Frank (1912-1944)
- Werner Frank (1919-1968)
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann die systematische Ausgrenzung jüdischer Bürger. Am 1. April 1933 war auch das Kaufhaus Frank vom reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte betroffen.
In den folgenden Jahren wurde die wirtschaftliche Existenz der Familie zunehmend zerstört. Die Kinder Kurt und Werner konnten Deutschland verlassen und emigrieren. Louis Frank wurde später in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet. Julie Frank wurde nach Theresienstadt verschleppt und kam dort ums Leben. Die Tochter Ruth wurde in das Konzentrationslager Stutthof deportiert und ebenfalls ermordet.
Die Geschichte der Familie Frank steht beispielhaft für die Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens in Herne während der Zeit des Nationalsozialismus.
Erinnerungskultur
Im Rahmen des Projekts „Nahtstellen, fühlbar, hier …“ wurde an der Mont-Cenis-Straße 251 ein Erinnerungsort geschaffen, der an die Familie Frank und das ehemalige Kaufhaus erinnert.
Die Installation verweist auf die Bedeutung des Hauses für die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Sodingen und erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.
Nachkriegszeit und heutige Nutzung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude weiterhin gewerblich genutzt. Die Nutzungsgeschichte der Nachkriegsjahrzehnte ist bislang nur teilweise erforscht.

Heute befindet sich im Erdgeschoss die Apotheke im Viertel. Darüber hinaus wird das Gebäude weiterhin als Wohn- und Geschäftshaus genutzt.
Bedeutung
Die Mont-Cenis-Straße 251 besitzt sowohl stadtgeschichtliche als auch erinnerungskulturelle Bedeutung. Das Gebäude dokumentiert die Entwicklung Sodingens während der Industrialisierung und erinnert zugleich an die Geschichte der jüdischen Kaufmannsfamilie Frank, die über Jahrzehnte das wirtschaftliche Leben des Stadtteils mitprägte.

