Marien Hospital Herne (ab 1963)
Das Marien Hospital Herne zählt zu den traditionsreichsten Krankenhäusern des Ruhrgebiets. Nachdem das ursprüngliche Krankenhausgebäude an der Marienstraße den Anforderungen der modernen Medizin zunehmend nicht mehr genügte, entschied das Kuratorium Anfang der 1960er Jahre den Neubau eines Großkrankenhauses am Hölkeskampring. Seitdem entwickelte sich das Haus von einem konfessionellen Stadtkrankenhaus zu einem Universitätsklinikum mit regionaler und überregionaler Bedeutung.
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Marien Hospital Herne seit 1963

Bau- und Gesellschaftsgeschichte
Vorgeschichte bis 1963
Das Marienhospital wurde 1883 von katholischen Bürgern Hernes gegründet. Die ersten Gebäude entstanden an der Schulstraße beziehungsweise Marienstraße. Durch mehrere Erweiterungen in den Jahren 1902 und 1925 wuchs die Bettenzahl erheblich. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieß der Altbau jedoch an seine Kapazitätsgrenzen. Der medizinische Fortschritt, neue hygienische Anforderungen und die wachsende Bevölkerung Hernes machten einen Neubau notwendig. 1961 beschloss das Kuratorium den Bau eines modernen Krankenhauses nach zeitgemäßen medizinischen Standards. Nach dem Erwerb eines Grundstücks am Hölkeskampring begannen 1963 die Bauarbeiten.
Neubauphase 1963–1966
Planung und Bau
Der Neubau am Hölkeskampring entstand in einer Phase umfassender Modernisierung des westdeutschen Gesundheitswesens. Krankenhäuser wurden nun stärker funktional geplant: große Bettenhäuser, zentrale OP-Bereiche und moderne Intensivmedizin standen im Mittelpunkt.
Das neue Marienhospital wurde als Hochhauskomplex der Nachkriegsmoderne konzipiert. Die Architektur orientierte sich an funktionalistischen Krankenhausbauten der 1960er Jahre. Besonders prägend war das große Bettenhochhaus, das die Silhouette des Stadtteils nachhaltig veränderte. [2]
Am 29. September 1966 wurde der Neubau offiziell eingeweiht. Das Krankenhaus verfügte damals über 457 Betten und gehörte zu den modernsten Kliniken der Region. [3]
Gesellschaftliche Bedeutung in den 1960er und 1970er Jahren
Krankenhaus für die Bergbauregion
Das Krankenhaus spielte eine zentrale Rolle für die medizinische Versorgung der stark industriell geprägten Region. Herne war durch Zechen, Schwerindustrie und ein starkes Bevölkerungswachstum gekennzeichnet. Viele Patienten stammten aus dem Bergbauumfeld.
Das Marienhospital entwickelte sich zu einem wichtigen Arbeitgeber für Pflegekräfte, Ärzte, Verwaltungspersonal und technische Berufe. Gleichzeitig blieb die katholische Tradition prägend. Ordensschwestern waren weiterhin in Pflege und Organisation tätig.
Universitätsklinikum seit 1977
Ein entscheidender Entwicklungsschritt erfolgte 1977 mit der Eingliederung in das Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Damit wurde das Marienhospital Teil des sogenannten „Bochumer Modells“, bei dem medizinische Fakultät und mehrere regionale Krankenhäuser zusammenarbeiten. [4] Diese Entwicklung brachte:
- stärkere wissenschaftliche Forschung,
- Ausbildung von Medizinstudenten,
- Ausbau spezialisierter Fachabteilungen,
- Modernisierung diagnostischer Verfahren,
- stärkere regionale Bedeutung.
Das Krankenhaus wandelte sich damit von einem konfessionellen Versorgungskrankenhaus zu einem universitätsmedizinischen Zentrum.
Ausbau der Fachmedizin 1980–2000
Seit den 1980er Jahren wurden zahlreiche medizinische Spezialbereiche ausgebaut:
- Kardiologie,
- Onkologie,
- Gastroenterologie,
- Urologie,
- Radiologie,
- Gefäßchirurgie,
- Altersmedizin,
- Schmerz- und Palliativmedizin.
Parallel dazu veränderte sich die Krankenhausorganisation grundlegend. Die klassische Ordenspflege verlor an Bedeutung; stattdessen professionalisierten sich Pflegeausbildung und Krankenhausmanagement zunehmend.
Auch technisch wandelte sich das Haus erheblich:
- moderne Intensivmedizin,
- computergestützte Diagnostik,
- neue OP-Technik,
- Ausbau ambulanter Behandlungsmöglichkeiten.
Integration in die St. Elisabeth Gruppe
Das Marienhospital wurde Teil der St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr, eines der größten katholischen Klinikverbünde im Ruhrgebiet. Dadurch entstanden stärkere wirtschaftliche und organisatorische Vernetzungen zwischen mehreren Krankenhäusern der Region. [5] Mit der Übernahme weiterer Einrichtungen, darunter das ehemalige Josefs-Hospital in Herne-Börnig, entstand ein regionales Kliniknetzwerk.
Großmodernisierung seit 2013
Sanierung im laufenden Betrieb


Ab 2013 begann eine umfassende bauliche Erneuerung des Krankenhauskomplexes. Ziel war die langfristige Sicherung des traditionsreichen Standorts. Die Architekten entschieden sich gegen einen vollständigen Neubau und für eine schrittweise Kernsanierung des bestehenden Hochhauses aus den 1960er Jahren. Diese Entscheidung galt als städtebaulich und wirtschaftlich bedeutend. [6] Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten:
- Aufstockung des Bettenhauses,
- vollständige Modernisierung der Stationen,
- neue Operationsbereiche,
- Hybrid-OP,
- Erweiterungsbau für Urologie und Neuro-Urologie,
- neues Hörsaalzentrum,
- neues Zentrallabor,
- Modernisierung des Foyers und der Aufzugsanlagen.
Besonders bemerkenswert war die Durchführung der Arbeiten während des laufenden Krankenhausbetriebs. Ganze Stationen mussten innerhalb weniger Tage umziehen, um abschnittsweise saniert werden zu können. [7] Die Investitionssumme betrug rund 160 Millionen Euro. [8]
Neue Bauprojekte und Erweiterungen seit 2022/2023
Seit den frühen 2020er Jahren wurde die bauliche Entwicklung des Marien Hospital Herne erneut deutlich intensiviert. Hintergrund waren vor allem der steigende Ambulantisierungsdruck im deutschen Gesundheitswesen, neue Anforderungen der Krankenhausreform sowie der zunehmende Platzbedarf eines modernen Universitätsklinikums.
Ein erstes großes Infrastrukturprojekt war der Bau eines mehrgeschossigen Parkhauses vor dem Klinikgelände. Der Bau begann Anfang 2022 auf dem Gelände des bisherigen Großparkplatzes am Hölkeskampring und wurde noch im selben Jahr abgeschlossen. Das neue Parkhaus verfügt über rund 340 Stellplätze für Mitarbeitende, Patienten und Besucher. Zusätzlich wurden Ladepunkte für Elektrofahrzeuge eingerichtet. Die Anlage entstand als offene Stahlkonstruktion mit lärmmindernden Bauelementen und begrünbaren Fassadenteilen. Parallel erneuerte die Stadt Herne die Zufahrtsstraße zum Krankenhaus, um die Verkehrserschließung des Klinikstandorts langfristig zu verbessern.
Darüber hinaus kündigte die St. Elisabeth Gruppe ab 2025 den Bau eines neuen Ambulanten Behandlungszentrums auf dem Gelände des Marien Hospital Herne an. Das dreigeschossige Gebäude mit rund 7.100 Quadratmetern Nutzfläche soll über eine Brücke direkt mit dem Hauptgebäude verbunden werden. Vorgesehen sind insbesondere ambulante Operationen, strahlentherapeutische Behandlungen sowie nuklearmedizinische Diagnostik. Das Projekt gilt als Reaktion auf die bundesweite Verlagerung medizinischer Leistungen vom stationären in den ambulanten Bereich. Die Planungen berücksichtigen bereits mögliche spätere Erweiterungen durch zusätzliche Geschosse. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 vorgesehen.
Mit diesen Neubauten setzt sich die seit den 1960er Jahren kontinuierliche bauliche Transformation des Marien Hospital Herne fort. Während der ursprüngliche Krankenhauskomplex vor allem auf stationäre Versorgung ausgelegt war, orientieren sich die aktuellen Projekte zunehmend an ambulanten, vernetzten und universitätsmedizinischen Versorgungsstrukturen.
Architekturgeschichtliche Bedeutung
Das Marienhospital gilt als Beispiel für die Transformation westdeutscher Krankenhausarchitektur der Nachkriegszeit. Während der Ursprungsbau stark funktionalistisch geprägt war, verbindet die heutige Anlage historische Struktur mit moderner Krankenhausarchitektur.
Die Sanierung seit den 2010er Jahren gilt als Beispiel dafür, wie Großkliniken der 1960er Jahre an heutige Anforderungen angepasst werden können, ohne den Klinikbetrieb vollständig auszulagern. [9]
Bedeutung für Herne heute
Heute zählt das Marien Hospital Herne zu den wichtigsten medizinischen Einrichtungen im Ruhrgebiet. Mit rund 1.600 Mitarbeitenden und mehreren hundert Betten besitzt es erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung für die Stadt Herne. [10] Das Krankenhaus steht zugleich exemplarisch für: • den Wandel konfessioneller Krankenhäuser, • die Transformation des Ruhrgebiets, • den medizinischen Fortschritt seit den 1960er Jahren, • die Akademisierung der Medizin, • die Modernisierung des deutschen Gesundheitswesens.
Literatur
- Festschrift „125 Jahre Stiftung Katholisches Krankenhaus Marienhospital Herne“ (2008)
Verwandte Artikel
Quellen
- ↑ Foto: Thorsten Schmidt
- ↑ https://www.dbz.de/artikel/marienhospital-herne-3911443.html
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Marienhospital_Herne
- ↑ https://www.marienhospital-herne.de/home.html
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Marienhospital_Herne
- ↑ https://www.dbz.de/artikel/marienhospital-herne-3911443.html
- ↑ https://www.dbz.de/artikel/marienhospital-herne-3911443.html
- ↑ https://mein-herne.com/2020/07/13/umfassende-neu-und-umbaumassnahmen-des-marien-hospital-abgeschlossen/
- ↑ https://www.dbz.de/artikel/marienhospital-herne-3911443.html
- ↑ https://www.marienhospital-herne.de/home.html
