Krummer Hund (Portalkran) Wanne

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Krummer Hund war die volkstümliche Bezeichnung für den Hafenkran Nr. 4 im Wanner Westhafen. Bei dem Bauwerk handelte es sich um einen elektrischen Brücken- und Wippkran, der 1927 im Zuge des Ausbaus der Umschlaganlagen des Westhafens errichtet wurde. Der Kran gehörte zu einer Gruppe von drei weitgehend baugleichen Krananlagen und diente dem Umschlag von Schütt- und Massengütern.

Denkmalplakette NRW
Kran 4 "Krummer Hund" †
Herne-WanneCrange
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StadtbezirkOrtsteil
Arnoldius 2012[1]
Arnoldius 2012[1]
Arnoldius 2012[2]
Arnoldius 2012[2]


Seine charakteristische, nach außen gekrümmte Form des Auslegers beziehungsweise der Wippkonstruktion führte zu dem Namen „Krummer Hund“. Der Kran war über Jahrzehnte Bestandteil der technischen Ausstattung des Wanner Hafens und wurde unter anderem für den Umschlag von Sand, Kies und Kohle sowie an der Kohleseparationsanlage eingesetzt.

Bauart und Konstruktion

Der Krumme Hund war als elektrisch angetriebener Brücken- und Wippkran ausgeführt. Die Konstruktion verband eine auf einer Kranbahn verfahrbare Brückenkonstruktion mit einem beweglichen Ausleger.

Das Grundprinzip des Wippkrans bestand darin, den Ausleger nicht lediglich durch Heben und Senken der Last zu bewegen. Durch das Wippen des Auslegers konnte der Arbeitsradius verändert werden. Dadurch ließ sich die Last zwischen verschiedenen Punkten des Hafenbeckens und der angrenzenden Umschlagfläche bewegen.

Die Konstruktion war für den Einsatz im Massengutumschlag ausgelegt und ermöglichte einen vergleichsweise großen Arbeitsbereich.

Der Kran war Teil einer 1927 errichteten Gruppe von drei nahezu baugleichen elektrischen Brücken- und Wippkränen. Diese ersetzten beziehungsweise ergänzten die bis dahin eingesetzten älteren Portalkrane.

Technische Entwicklung

Die neue Kranbauart brachte gegenüber den älteren Portalkränen mehrere technische Vorteile.

Durch die Wippkonstruktion konnte die für die Lastbewegung erforderliche Seillänge reduziert werden. Gleichzeitig war für die Einziehbewegung des Auslegers eine vergleichsweise geringe Motorleistung erforderlich.

Zu den weiteren konstruktiven Vorteilen gehörte eine größere Stabilität der gesamten Anlage.[3]

Die Elektrifizierung der Krananlage ermöglichte gegenüber älteren dampf- oder handbetriebenen Umschlaganlagen eine wesentlich gleichmäßigere und leistungsfähigere Arbeitsweise.

Krananlage im Westhafen

Die drei neuen Kräne wurden im Zusammenhang mit dem Ausbau des Westhafens in den Jahren 1926 und 1927 errichtet. Der Krumme Hund erhielt die betriebliche Bezeichnung Kran Nr. 4.

Die Krane standen am nördlichen Ufer des erweiterten Hafenbereichs und bewegten sich auf Schienen. Dadurch konnten sie entlang des Hafenbeckens unterschiedliche Umschlagstellen erreichen.

Das Zusammenspiel von Kranbahn, Hafenbahn und Wasserstraße ermöglichte den Umschlag zwischen Eisenbahnwaggons, Lagerflächen und Schiffen.

Das erweiterte Hafenbecken wurde im Oktober 1928 für den Umschlagbetrieb freigegeben.

Einsatzgebiete

Der Krumme Hund wurde zunächst insbesondere für den Umschlag von Sand und Kies eingesetzt. Im Laufe seiner Betriebszeit änderte sich sein Einsatz entsprechend den jeweiligen Anforderungen des Hafens.

Eine wichtige spätere Aufgabe war der Einsatz an der Kohleseparationsanlage.

Von 1945 bis 1997 wurde der Kran dort eingesetzt. Die Anlage diente der Aufbereitung beziehungsweise Sortierung von Kohle. Der Kran war damit Teil der technischen Infrastruktur des Kohleumschlags im Wanner Hafen.[4]

Verfüllung des Hafenbeckens

Mit dem Strukturwandel des Ruhrbergbaus verlor die historische Umschlagtechnik zunehmend ihre ursprüngliche Bedeutung.

Das nördliche Hafenbecken wurde in den 1990er Jahren verfüllt. Der Krumme Hund wurde dabei noch für Arbeiten im Zusammenhang mit der Verfüllung eingesetzt.

Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde der Kran außer Betrieb genommen. Er blieb jedoch an seinem Standort als technische Hinterlassenschaft des früheren Hafenbetriebs erhalten.

Damit war der Kran nicht mehr Bestandteil einer funktionierenden Umschlaganlage, blieb aber als erhaltene historische Maschine über Jahre sichtbar.

Technisches Denkmal

Der Krumme Hund besaß aufgrund seiner Konstruktion und seiner langen Nutzungsgeschichte eine besondere Bedeutung als Zeugnis der technischen Entwicklung des Hafenumschlags.

Am 9. März 1999 wurde der Kran unter der Nummer A 639.1 in die Denkmalliste der Stadt Herne eingetragen.

Die technische Bedeutung des Bauwerks lag insbesondere in seiner Eigenschaft als erhaltene historische Krananlage aus der Ausbauphase des Wanner Westhafens in den 1920er Jahren.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen beschäftigte sich am 12. September 2002 mit dem Denkmalstatus des Krans.[5]

Abbruch

Mit der Entwicklung des ehemaligen Hafenareals zu einem modernen Logistik- und Containerstandort wurde der historische Kran zum Hindernis für die neue Nutzung.

Nach der Streichung aus der Denkmalliste im Jahr 2011 war der Weg für den Abbruch frei.

Im März 2012 wurde der Kran demontiert. Die Abbrucharbeiten begannen am 13. März 2012; am 14. März 2012 wurde die Konstruktion endgültig beseitigt.

Damit ging eine technisch weitgehend erhaltene Hafenkrananlage aus der Ausbauphase des Wanner Westhafens verloren.

Technische Einordnung

Der Krumme Hund gehört zu einer Generation elektrisch betriebener Hafenkräne, die in den 1920er Jahren den Massengutumschlag im Ruhrgebiet zunehmend mechanisierten.

Kennzeichnend für die Anlage waren:

  • elektrische Antriebe
  • Ausführung als Brücken- und Wippkran
  • auf einer Kranbahn verfahrbare Konstruktion
  • schwenk- beziehungsweise wippbarer Ausleger
  • Einsatz für Massengüter
  • Verbindung von Kranbahn und Hafenumschlag
  • Nutzung im Zusammenspiel mit Eisenbahn und Binnenschifffahrt

Die Konstruktion dokumentierte damit den Übergang von älteren, überwiegend stationären Umschlaganlagen zu leistungsfähigeren mechanisierten Hafenkränen.

Technische Daten

Merkmal Angabe
Bezeichnung Kran Nr. 4
Volkstümlicher Name Krummer Hund
Baujahr 1927
Bauart Brücken- und Wippkran
Antrieb elektrisch
Standort Wanner Westhafen
Einsatz Massengutumschlag (Sand, Kies, Kohle)
Kohleseparationsanlage 1945–1997
Denkmallistennummer A 639.1 (Stadt Herne)
Eintrag Denkmalliste 9. März 1999
Abbruch 13.–14. März 2012

Namensgebung

Der Name „Krummer Hund“ war eine Bezeichnung aus dem örtlichen Sprachgebrauch. Er bezog sich auf die auffällige Form der Krananlage und insbesondere auf die gekrümmte beziehungsweise gewippte Auslegerkonstruktion.

Die Bezeichnung setzte sich gegenüber der offiziellen technischen Bezeichnung Kran Nr. 4 durch und wurde schließlich auch in der öffentlichen Berichterstattung verwendet.

Verbleib

Der Krumme Hund ist nicht erhalten. Die gesamte Krananlage wurde im März 2012 abgebrochen.

Erhalten geblieben sind fotografische und schriftliche Dokumentationen sowie Darstellungen des Krans in der lokalen Industrie- und Hafengeschichte.

Der Kran wird heute insbesondere als Beispiel für die historische technische Ausstattung des Wanner Westhafens dokumentiert.

Siehe auch

Literatur

  • Georg Eggenstein, Herbert Niewerth, Arnulf Siebeneicker (Hrsg.): 100 Jahre Rhein-Herne-Kanal. Die Wasserstraße mitten durchs Revier. Klartext Verlag, Essen 2014, S. 96–99.
  • Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt (Bearb.): Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herne_Port_Crane_Krummer_Hund_03.jpg
  2. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herne_Port_Crane_Krummer_Hund_02.jpg
  3. Georg Eggenstein, Herbert Niewerth, Arnulf Siebeneicker (Hrsg.): 100 Jahre Rhein-Herne-Kanal. Die Wasserstraße mitten durchs Revier, Essen 2014, S. 96–99.
  4. Georg Eggenstein, Herbert Niewerth, Arnulf Siebeneicker (Hrsg.): 100 Jahre Rhein-Herne-Kanal, Essen 2014, S. 96–99.
  5. Georg Eggenstein, Herbert Niewerth, Arnulf Siebeneicker (Hrsg.): 100 Jahre Rhein-Herne-Kanal, Essen 2014, S. 96–99.