Klapperstörche in der Königstraße - Erinnerungen eines alten Eickelers 1964

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Dienstag, 12. Mai 1964

Erinnerungen eines alten Eickelers
Klapperstörche in der Königstraße

Im Schaufenster stand ausgestopftes Pferd / Kartoffelfeld neben Post

Heute gibt es in Wanne-Eickel fast keine Fachwerkhäuser mehr. Sie alle fielen entweder den Bomben oder der Spitzhacke zum Opfer. Erst kürzlich wurde eines der ältesten und kleinsten Fachwerkhäuschen, das weit über hundert Jahre auf dem Dach hatte, in der Michaelstraße eingerissen. Um die Jahrhundertwende sah es allerdings noch ganz anders aus. Damals reihte sich auf der linken und rechten Seite der Königstraße bis zur Nummer elf Fachwerkhaus an Fachwerkhaus. Als dann eine Art Bauwut ausbrach, für die damalige Zeit geradezu ein Boom, riß man diese „altmodischen“ Häuser ab. Ehrwürdige Handwerksmeister ließen sich dort neue Häuser errichten. Einer von ihnen war beispielsweise der Sattlermeister Timmerkamp[1], der sich im Haus Nr. 26 niederließ.

Er war ein wahrer Hüne. Wer bei ihm in die Lehre ging, bekam sein Rüstzeug fürs ganze Leben mit. Sehenswürdigkeit des Timmerkamp’schen Geschäftes war ein ausgestopftes Pferd, das völlig gesattelt und gezäumt im Schaufenster stand. Als der Meister das Pferd zur Schau stellte, hatte ganz Eickel sein Tagesgespräch. Und natürlich wanderte klein und groß in die Königstraße, um das Wunder zu bestaunen. Schließlich gab es damals in Eickel mindestens ebensoviele Pferdeliebhaber und Pferdefreunde wie heute Autoliebhaber. In der Nähe von Meister Timmerkamp hatten sich der Schuhmachermeister Josef Löser[2] und der Klempnermeister Wilhelm Groll[3] niedergelassen. (Die Bezeichnung Installateur gab es vor 60 Jahren noch nicht.) Die beiden hatten ihr Stammhaus an der Herzogstraße neben der Gastwirtschaft Vornbaum. Gemeinsam erbauten sie die Häuser Nummer 25 und 27. Wegen starker Bergschäden mußte dann später das Haus Nummer 25 geräumt werden. Die Zeche Shamrock übernahm es, im Krieg wurde es zerstört und nach 1945 wieder aufgebaut. Die beiden Meister ließen es sich aber nicht verdrießen, sondern bauten wieder. Und zwar die Häuser Königstraße 1 und 5.

Ebenfalls in der Königstraße ließen sich der Schornsteinfegermeister Füting[4], der Stellmachermeister Schäfers[5] und der Schmiedemeister Michels nieder. Ein Glanzstück leisteten sich die Maler bei der Verschönerung des Hauses Nummer 28. Dort wohnte die Hebamme Frau Weizenbach. Sie bemalten zwei große Schaufenster mit einem Teich mit Seerosen, auf denen lauter Babys saßen. Klapperstörche in Lebensgröße „deckten“ hier ihren Bedarf. Von weither kamen die Leute, um das Kunstwerk zu besichtigen.

In Eickel gab es damals noch Kartoffeläcker. Einer davon lag an der Bismarckstraße, der heutigen Richard-Wagner-Straße. Links vorne werden alte Eickeler das Postamt erkennen, daneben die Villa Hülsmann und das evangelische Gemeindehaus. Zwischen ihm und der Kirche ist der Schornstein der Brauerei zu sehen. Rechts daneben das Amtshaus von Eickel und das Haus von Dr. Elten. In dem Haus ganz rechts wohnte Schuhmachermeister Syring, der in der Kirche das Amt des Glöckners versah.

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Quelle

  1. Wilhelm Hermann Max Timmerkamp * 6. Oktober 1868 in Hofstede † nach 1945.
  2. * 1855 Niedermarsberg † 9. Juni 1935 Eickel
  3. Kaspar Wilhelm Groll * 1868 Altena-Schmidthausen † 10. Februar 1919 Eickel
  4. Robert Füting, * 1. Juli 1873 Radevormwald; † 30. Juni 1938 Eickel
  5. Arnold Schäfers