Jürgen Wellmann (1946) Fußballtrainer

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Jürgen Wellmann (* 20. August 1946 in Bassum bei Bremen) ist ein deutscher Fußballtrainer, Fußballfunktionär und ehemaliger Fußballspieler. Er gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der Fußballszene in Herne und im westfälischen Amateurfußball. Besonders eng verbunden ist Wellmann mit dem SC Westfalia Herne, dem SV Sodingen, den Sportfreunde Wanne-Eickel sowie dem Fußball im Bergischen Land. Als Trainer arbeitete er unter anderem beim FC Schalke 04, bei der STV Horst-Emscher, beim VfL Gevelsberg, SSV Hagen, SV 09 Wermelskirchen, bei Union Solingen, dem VfB Remscheid, dem FC Remscheid und der DJK TuS Hordel.

Jürgen Wellmann
Kaufmann
Geboren20. August 1946
in Bassum

Leben und Jugend

Jürgen Wellmann wurde am 20. August 1946 in Bassum, einer Stadt im Landkreis Diepholz, geboren. Seine Eltern zogen bereits während seiner Kindheit nach Herne. Zunächst lebte die Familie in Horsthausen, später näher an der Herner Innenstadt. Am 1. April 1953 trat Wellmann dem SC Westfalia Herne bei. Der Verein wurde zu seinem erklärten „Herzensverein“.

Bei Westfalia Herne durchlief Wellmann die Jugendmannschaften und spielte später auch im Seniorenbereich. Er war überwiegend als Abwehrspieler eingesetzt. Eine große Spielerkarriere blieb ihm nach eigener Einschätzung versagt. Später bezeichnete er seine spielerischen Fähigkeiten selbst als eher begrenzt. Seine eigentliche Bedeutung für den Fußball entwickelte sich daher als Trainer und Funktionär.

Westfalia Herne und die großen Spiele der Jugendzeit

Bereits als Jugendlicher erlebte Wellmann die großen Jahre des SC Westfalia Herne hautnah. Nachdem Westfalia Herne 1959 Westdeutscher Meister geworden war, durfte die Herner Jugendmannschaft im Dortmunder Stadion „Rote Erde“ vor rund 40.000 Zuschauern das Vorspiel zum Endspiel um die Deutsche Meisterschaft bestreiten. Gegner war eine Jugendmannschaft der Sportfreunde Wanne.

Ein Jahr später, am 28. Mai 1960, kam es im Stadion am Schloss Strünkede zu einem weiteren herausragenden Fußballereignis. Westfalia Herne spielte in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gegen den Hamburger SV. Rund 35.000 Zuschauer sahen die Begegnung, die der HSV mit 4:3 gewann. Wellmann spielte erneut im Jugendvorspiel und war anschließend Balljunge hinter dem Tor von Nationaltorhüter Hans Tilkowski. Dabei lernte er auch den Hamburger Nationalspieler Uwe Seeler kennen. Aus der Bekanntschaft mit Tilkowski entwickelte sich später eine enge Freundschaft; Wellmann blieb auch nach dessen Tod mit dessen Familie verbunden.

Beginn der Trainerlaufbahn

1977 begann Wellmann seine Trainerlaufbahn als Trainer der A-Jugend des SV Sodingen. Gleich in seiner ersten Saison gewann die Mannschaft den Kreispokal. Die damalige Mannschaft blieb auch Jahrzehnte später miteinander verbunden und traf sich regelmäßig.

1978 absolvierte Wellmann gemeinsam mit unter anderem Ottmar Hitzfeld an der Sportschule Hennef die Ausbildung zur A-Lizenz. Die Ausbildung erfolgte unter dem bekannten Fußballlehrer Karl-Heinz Hedergott. Wellmann wechselte anschließend zum FC Schalke 04 und arbeitete dort in der Jugendabteilung. Er betreute Mannschaften von der C- bis zur A-Jugend. Zu den Talenten, die in dieser Zeit von ihm betreut wurden, gehörten unter anderem Wolfram Wuttke, Sascha Jusufi und Michael Opitz.

Seit 1981 war Wellmann offiziell Fußballlehrer. Bei Schalke arbeitete er unter anderem gemeinsam mit Fahrudin Jusufi. Eine vorgesehene Tätigkeit bei der Schalker Amateurmannschaft kam nicht zustande, nachdem es zu Differenzen mit dem damaligen Schalker Manager Rudi Assauer gekommen war. Wellmann wechselte daraufhin zur STV Horst-Emscher.

Trainer im Ruhrgebiet und Bergischen Land

Nach seiner Zeit bei Schalke und Horst-Emscher entwickelte sich Wellmann zu einem vielbeschäftigten Trainer im westfälischen und rheinischen Amateurfußball. Zu seinen Stationen gehörten unter anderem:

  • STV Horst-Emscher
  • VfL Gevelsberg
  • SSV Hagen
  • SV 09 Wermelskirchen
  • Union Solingen
  • VfB Remscheid
  • FC Remscheid
  • DJK TuS Hordel
  • SV Sodingen

Bei der STV Horst-Emscher gehörte unter anderem Peter Neururer zu seinen Spielern. Auch bei mehreren anderen Vereinen wurde Wellmann mehr als einmal als Trainer verpflichtet. Er selbst sah dies als Zeichen dafür, dass seine Arbeit trotz mancher Konflikte erfolgreich gewesen sei.

Beim FC Remscheid war Wellmann später auch als Manager tätig. Nach den vorliegenden Vereinsdaten arbeitete er unter anderem in der Saison 2002/03 als Manager des FC Remscheid. Von 2014 bis 2015 war er dort als Manager Marketing & Sponsoring tätig.

Verbindung zu Olaf Thon

Eine besondere Episode seiner Laufbahn verbindet Wellmann mit der späteren Karriere des Fußball-Weltmeisters Olaf Thon. Thon spielte damals noch in der Jugend des SV Horst-Emscher. Wellmann lernte dessen Vater Günther bei einer Veranstaltung kennen und überzeugte ihn davon, dass Olaf zu Schalke 04 wechseln sollte.

Am folgenden Tag wurde Wellmann gemeinsam mit Olaf Thon auf Empfehlung von dessen Vater beim damaligen Stadtwerke-Direktor Dr. Ingo Westen vorstellig. Dabei konnte für den jungen Thon eine Lehrstelle vermittelt werden. Kurz darauf wechselte Olaf Thon zum FC Schalke 04. Thon wurde später Nationalspieler und gewann mit der deutschen Nationalmannschaft 1990 die Weltmeisterschaft.

Zeit bei TuS Hordel

Eine besonders enge Verbindung entwickelte Wellmann zur DJK TuS Hordel. Er übernahm dort bereits 1995 erstmals den Trainerposten und kehrte 2005 in den Verein zurück. Nach seiner Tätigkeit als Trainer arbeitete er dort als Sportlicher Leiter und blieb damit weiterhin eng mit der Mannschaft verbunden.

Auch nach seiner aktiven Trainerzeit blieb Wellmann dem Fußball eng verbunden. Viele ehemalige Spieler und Vereine suchten weiterhin seinen Rat. Seine langjährige Erfahrung im Amateurfußball machte ihn zu einem gefragten Ansprechpartner.

Kritik am Amateurfußball

Wellmann trat wiederholt auch als kritischer Beobachter des Amateurfußballs auf. Anfang der 2000er Jahre äußerte er sich öffentlich zu möglichen Spielmanipulationen und Absprachen im Amateurfußball. Seine Aussagen sorgten für erhebliche Aufmerksamkeit und führten auch zu Auseinandersetzungen mit Fußballverbänden.

Nachdem Wellmann öffentlich über mögliche Manipulationen im Abstiegskampf der Oberliga Westfalen gesprochen hatte, musste er sich bereits Ende der 1990er Jahre vor einer Verbandsspruchkammer verantworten. Auch 2005 wurde nach seinen neuerlichen Äußerungen ein Verfahren gegen ihn angekündigt. Der Vorsitzende der zuständigen Verbandsspruchkammer forderte ihn auf, seine Vorwürfe konkret zu belegen.

Wellmann verstand seine Äußerungen als Teil einer offenen Auseinandersetzung mit den Realitäten des Amateurfußballs. Seine häufig pointierte und direkte Art wurde zu einem charakteristischen Merkmal seiner öffentlichen Auftritte.

Verhältnis zu seinen ehemaligen Vereinen

Auch nach seinem Rückzug vom aktiven Trainergeschäft blieb Wellmann seinen früheren Vereinen verbunden. Besonders eng war und ist sein Verhältnis zum SV 09 Wermelskirchen und zum FC Remscheid. Er bezeichnete beide Vereine als wichtige Stationen seines Lebens. Beim FC Remscheid war er zudem Mitglied und gehörte nach eigener Aussage zu den Gründungsmitgliedern des heutigen Vereins.

Auch mit Westfalia Herne blieb Wellmann eng verbunden. Er ist Mitglied des Vereins und engagierte sich weiterhin im Umfeld der Mannschaften. 2026 war er insbesondere mit der Ü40-Mannschaft verbunden, mit der er an der Deutschen Meisterschaft in Berlin teilnahm. Viele Spieler dieser Mannschaft hatte er selbst trainiert.

Darüber hinaus ist Wellmann Mitglied der Sportfreunde Wanne-Eickel. Damit bestehen bis heute enge Verbindungen zu mehreren Vereinen aus dem Herner und Wanne-Eickeler Fußball.

Verhältnis zur Fußballgeschichte

Wellmann steht für eine Generation von Fußballtrainern, die den Amateurfußball im Ruhrgebiet über Jahrzehnte prägten. Dabei verstand er Fußball nicht ausschließlich als taktisches oder sportliches Geschehen, sondern als Netzwerk von Vereinen, Spielern, Trainern und persönlichen Beziehungen.

In einem Interview von 2022 kritisierte er die zunehmende Standardisierung des Fußballs. Athletik und Schnelligkeit seien zwar deutlich gestiegen, dennoch vermisste er die individuellen Charaktere früherer Mannschaften. Besonders die Entscheidungen von Trainern aus Erfahrung und „Bauchgefühl“ stellte er den aus seiner Sicht zunehmend technisierten Methoden moderner „Laptoptrainer“ gegenüber.

Auch die Bewahrung historischer Fußballstätten war ihm wichtig. So setzte er sich für den Erhalt des Röntgen-Stadions in Remscheid ein und erinnerte an ein von ihm gemeinsam mit Uwe Wiegand organisiertes Spiel gegen eine Schalker Traditionsmannschaft, zu dem Tausende Zuschauer gekommen waren.

80. Geburtstag

Am 20. August 2026 vollendete Jürgen Wellmann sein 80. Lebensjahr. Zu diesem Zeitpunkt blickte er auf mehr als sieben Jahrzehnte enger Verbindung mit dem Fußball zurück. Seine Laufbahn führte ihn vom Jugendspieler bei Westfalia Herne über die Trainerarbeit im Ruhrgebiet und Bergischen Land bis zu verschiedenen Funktionen im Vereinsmanagement.

Auch im Alter von 80 Jahren blieb Wellmann dem Fußball verbunden. Besonders die Verbindung zu Westfalia Herne und zu seinen ehemaligen Spielern und Vereinen prägte seinen Lebensalltag.

Persönliches

Wellmann ist gelernter Kaufmann. Er hat vier Kinder und ein Enkelkind und lebt in Herne. Neben seiner beruflichen und sportlichen Tätigkeit pflegt er Kontakte zu ehemaligen Spielern, Trainern und Vereinsmitgliedern. Über soziale Medien teilt er Erinnerungen und historische Fotografien aus seiner langen Fußballzeit.

Sein Verhältnis zum Fußball fasste Wellmann anlässlich seines 80. Geburtstages mit den Worten zusammen, dass er den Fußball immer lieben werde. Rückblickend auf seine Laufbahn habe er Aufstiege, Abstiege und Meisterschaften erlebt und wolle keine dieser Erfahrungen missen.

Einordnung

Jürgen Wellmann gehört zu denjenigen Persönlichkeiten, deren Wirken die Fußballgeschichte Hernes und des Ruhrgebiets über mehrere Jahrzehnte begleitet hat. Seine besondere Bedeutung liegt weniger in einer eigenen Profikarriere als in seiner langjährigen Tätigkeit als Trainer, Fußballlehrer, Funktionär und Vermittler zwischen Generationen von Fußballspielern.

Seine Biografie verbindet den traditionsreichen SC Westfalia Herne mit zahlreichen Vereinen des Ruhrgebiets und Bergischen Landes. Zugleich steht sie beispielhaft für die Entwicklung des westdeutschen Amateurfußballs von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart.

Lesen Sie auch


Quellen

  • Matthias Schübel: Trainer Jürgen Wellmann wird 80: Er arbeitete für Schalke – Herne hat er im Herzen, WAZ, 20. August 2026.
  • Heiko Buschmann: 60 Jahre, viele Stationen, Probleme mit Assauer, Interview mit Jürgen Wellmann, 21. August 2006.
  • Schiebung gehört zum Fußball wie der Ball, Interview/Porträt, 1. Februar 2005.
  • Andreas Dach: Was er über 09/35 und den FCR denkt, RGA, 15. Juni 2022.
  • Transferdaten zu Jürgen Wellmann und seinen Tätigkeiten beim FC Remscheid, VfB Remscheid und SV Wermelskirchen.