Horsthöfe (Bickern-Wanne)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Die Horsthöfe waren eine Gruppe mittelalterlicher Bauernhöfe in der Bauerschaft Bickern, dem historischen Kern des heutigen Wanne im Stadtgebiet von Herne. Sie gehörten ursprünglich zum Einflussbereich des Hauses Horst (Hörstchen) und zählen zu den ältesten nachweisbaren Siedlungsstellen des Raumes Bickern. Die Hofgruppe bestand aus mehreren Einzelhöfen, deren Besitzer über Jahrhunderte den Namenszusatz „auf den Horsthöfen“ führten.

Horsthöfe †
Herne-Wanne
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StadtbezirkOrtsteil


Lage

Die Horsthöfe lagen in der alten Gemarkung Bickern westlich des späteren Wanner Zentrums. Das Gebiet befand sich etwa zwischen der heutigen Hüttenstraße, Schalkestraße und den angrenzenden ehemaligen Hofländereien. Die Flurbezeichnung „Horst“ beziehungsweise „Hörstchen“ verweist auf eine gerodete Waldfläche oder ein mit Gestrüpp bewachsenes Gelände.

Ursprung

Der Name „Horst“ ist im westfälischen Raum häufig und bezeichnet ursprünglich eine kleine Rodungsinsel im Wald. Für Bickern sind bereits im frühen 15. Jahrhundert Personen wie „Gert op der Hoirst“ und „Sondach op der Horst“ urkundlich belegt. Daraus lässt sich schließen, dass die Horsthöfe spätestens im Spätmittelalter bestanden.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 erscheinen mehrere Bewohner mit dem Namenszusatz „op der Horst“, darunter:

  • Jan opder Horst
  • Groite Jan opder Horst
  • Schult opden groiten Horst

Auch die Türkensteuerlisten des 16. Jahrhunderts nennen Bewohner „Up ter Horst“. Die Höfe waren damit bereits über Generationen fest in der Bickerner Siedlungslandschaft verankert.

Zugehörigkeit zum Haus Horst

Die Horsthöfe standen in enger Verbindung zum Haus Horst (Hörstchen), einem alten Lehengut der Grafen von Limburg-Styrum. Nachweislich gehörten die Höfe zum Besitz der Herren von Eickel, die mit Haus Horst belehnt waren. Im 15. Jahrhundert besaß die Familie von Eickel sowohl Haus Horst als auch die zugehörigen Horsthöfe.

Dadurch waren die Hofbesitzer nicht völlig eigenständig, sondern in das mittelalterliche Lehns- und Abgabensystem eingebunden.

Die drei Horsthöfe

Nach den überlieferten Quellen bestanden die Horsthöfe zuletzt aus drei Hauptbetrieben:

Diese lagen von Westen nach Osten aufgereiht und bildeten gemeinsam die eigentliche Hofgruppe der Horsthöfe. Die Besitzer führten häufig die Herkunftsbezeichnung „auf den Horsthöfen“.

Hof Lepler

Der Hof Lepler ist seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark erscheint bereits ein „Derick Lepeler“. Später wird der Hof als Halbhof bezeichnet. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden neue Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Die letzten Gebäude wurden Ende 1968 abgerissen. An den Hof erinnert heute die Straße „Leplershof“ in Wanne.

Hof Schalke

Der Hof Schalke war der östlichste der Horsthöfe. Er wird auch als „Hof Bauer auf den Horsthöfen“ bezeichnet. Nach 1824 trat der Besitzer Georg Wilhelm von den Horsthöfen als Eigentümer der zusammengelegten Horsthöfe auf. Der Hof lag ungefähr im Bereich der heutigen Hüttenstraße und gab später der Schalkestraße ihren Namen.

Hof Endemann

Über den Hof Endemann sind weniger Einzelheiten überliefert. Er gehörte jedoch zu den drei historischen Haupthöfen der Horsthofgruppe und bestand bis in die Neuzeit als landwirtschaftlicher Betrieb. Ein Abspliss wird der südlicher gelegene Kotten gewesen sein.

Besitzer

Die Besitzverhältnisse wechselten im Laufe der Jahrhunderte mehrfach. Ursprünglich standen die Höfe unter der Grundherrschaft des Hauses Horst. Die Hofbewohner führten vielfach den Herkunftsnamen „auf den Horsthöfen“. Im frühen 19. Jahrhundert wurden die drei Höfe offenbar unter einem Eigentümer zusammengeführt; als Besitzer wird Georg Wilhelm von den Horsthöfen genannt.

Daneben sind aus den Quellen verschiedene Familiennamen überliefert:

  • Horst / op der Horst
  • Lepler (Lepeler)
  • Schalke
  • Endemann

Diese Namen spiegeln sowohl Hofbezeichnungen als auch Besitzerfamilien wider.

Niedergang und Verbleib

Mit der Industrialisierung des Ruhrgebiets im 19. Jahrhundert verlor die Landwirtschaft in Bickern zunehmend an Bedeutung. Der Ausbau von Bergbau, Eisenbahn und Wohnsiedlungen führte zur Überbauung der alten Hofländereien. Die Horsthöfe wurden nach und nach aufgegeben oder in Wohnsitze umgewandelt.

Im 20. Jahrhundert verschwanden die letzten Hofgebäude:

  • Der Hof Lepler wurde 1968 abgerissen.
  • Vom Hof Schalke blieben nur Flur- und Straßennamen erhalten.
  • Die übrigen Hofstellen gingen in der städtischen Bebauung auf.

Heute erinnern vor allem die Straßennamen Leplershof und Schalkestraße sowie historische Karten und Flurbezeichnungen an die einstige Hofgruppe. Die Horsthöfe gelten als wichtiger Bestandteil der vorindustriellen Geschichte Bickerns und dokumentieren die Entwicklung des heutigen Wanner Stadtgebiets von einer bäuerlichen Siedlungslandschaft zum urbanen Ruhrgebietszentrum.

Siehe auch


Einzelnachweise