Heinrich Crämer (1883-1960) Oberbürgermeister

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Heinrich Crämer (* 23. Juni 1883 in Herne; † 3. März 1960 in Herne) war ein deutscher Politiker der SPD und Gewerkschafter. Er gehörte zu den prägenden sozialdemokratischen Kommunalpolitikern Hernes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1946 war er für einige Monate Oberbürgermeister von Herne und anschließend bis 1956 Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt.

Heinrich Crämer
Heinrich Crämer
Heinrich Crämer, Foto: Bildarchiv der Stadt Herne
PolitikerOberbürgermeister
Geboren23. Juni 1883
in Herne
✝️
Gestorben3. März 1960
in Herne

Leben und Beruf

Friedrich Heinrich Crämer wurde als 5. Kind des Bergmanns Friedrich Crämer[1][2] und dessen zweiter Ehefrau[3] Caroline Schellenberg [4]in Herne geboren und am 15. Juli 1883 in der Kreuzkirche zu Herne getauft[5].
Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete er zunächst als Bergmann. Bis 1909 war er im Bergbau beschäftigt.[6]

1904 trat Crämer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) sowie dem Bergarbeiterverband bei. Damit engagierte er sich früh in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung Hernes.[7]

Im Jahr 1910 wechselte Crämer aus dem Bergbau in die Konsumgenossenschaftsbewegung. Er wurde Lagerhalter in der Herner Filiale des Bochumer Konsumvereins „Wohlfahrt“. 1914 war er für kurze Zeit bei der Konsumgenossenschaft Linden-Dahlhausen beschäftigt. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er zum Militärdienst eingezogen und war von 1914 bis 1918 Soldat.[8]

Nach dem Krieg kehrte Crämer nach Herne zurück. 1922 wurde er zum Parteisekretär der Herner SPD gewählt. Gleichzeitig übernahm er die Geschäftsstelle der neu gegründeten Herner Volkszeitung. In dieser Funktion gehörte er zu den wichtigen Organisatoren der örtlichen Sozialdemokratie.[9]

Kommunalpolitisches Wirken

Crämer kandidierte 1932 erfolgreich für die SPD und wurde Stadtverordneter der Stadt Herne. Er gehörte dem Stadtrat von 1932 bis 1933 als unbesoldeter Stadtverordneter an.[10]

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme im Jahr 1933 endete seine politische Tätigkeit. Die SPD wurde verboten und ihre Funktionäre wurden verfolgt. Aufgrund seiner politischen Tätigkeit geriet auch Crämer in das Visier der Nationalsozialisten. Er wurde mehrfach verhaftet und in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Zeitweise war er auch im Polizeigefängnis Herne inhaftiert.[11]

Die Verfolgung der örtlichen Sozialdemokraten war Bestandteil der systematischen Ausschaltung der Arbeiterbewegung in Herne. Crämer gehörte damit zu den politisch Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes in der Stadt.[12]

Oberbürgermeister von Herne 1946

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Crämer erneut in die kommunalpolitische Arbeit einbezogen. Unter britischer Besatzung entstand 1945/46 eine neue kommunale Ordnung, eine Zwischenregierung nach englischem Gemeinderecht. Die ernannte Stadtverordneten-Versammlung bestand aus 40 Mitgliedern (12 SPD, 12 CDU, 12 KPD und 4 Vertretern aus Handel, Bergbau, Handwerk und Gewerbe).

Am 25. Februar 1946 wurde Heinrich Crämer zum Oberbürgermeister der Stadt Herne gewählt. Im März 1946 übernahm er das Amt offiziell.[13]

Seine Amtszeit fiel in die schwierige unmittelbare Nachkriegszeit. Herne war von den Folgen des Krieges, der Wohnungsnot, der Versorgungskrise und dem Wiederaufbau geprägt. Die kommunalpolitische Arbeit musste unter den Bedingungen der britischen Militärregierung und der neuen demokratischen Ordnung geleistet werden.

Crämer blieb nur wenige Monate Oberbürgermeister. Nach der Kommunalwahl im Herbst 1946 endete seine Amtszeit im Oktober 1946. Mit ihm stand erstmals nach der nationalsozialistischen Diktatur wieder ein langjähriger Gegner des NS-Regimes an der Spitze der Stadt.[14]

SPD-Fraktionsvorsitzender

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Oberbürgermeisters blieb Crämer der Herner Kommunalpolitik eng verbunden. In der ersten gewählten Stadtverordnetenversammlung wurde er Vorsitzender der SPD-Fraktion. Dieses Amt übte er bis 1956 aus.[15]

Sein Stadtverordnetenmandat behielt Crämer bis zu seinem Tod. Über viele Jahre gehörte er damit zu den erfahrensten Mitgliedern des Herner Rates und prägte insbesondere die kommunalpolitische Arbeit der SPD in der Nachkriegszeit.[16]

Familie

Heinrich Crämer war verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.[17]

Ehrung

1958 wurde Heinrich Crämer mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Tod

Heinrich Crämer starb am 3. März 1960 im Alter von 76 Jahren in Herne.

Bedeutung für die Stadtgeschichte

Heinrich Crämer steht exemplarisch für die Geschichte der Herner Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert. Vom Bergmann und Gewerkschafter entwickelte er sich zu einem führenden Funktionär der Herner SPD und zu einem kommunalpolitischen Vertreter der Arbeiterbewegung. Seine politische Laufbahn wurde 1933 durch die nationalsozialistische Diktatur gewaltsam unterbrochen.

Nach 1945 gehörte Crämer zu jener Generation politisch Verfolgter und demokratischer Politiker, die am Wiederaufbau des kommunalen Lebens in Herne beteiligt waren. Seine kurze Amtszeit als Oberbürgermeister 1946 markiert den Übergang von der nationalsozialistischen Diktatur zur demokratischen Nachkriegsordnung. Anschließend wirkte er noch ein Jahrzehnt als Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion und blieb bis zu seinem Tod Stadtverordneter.

Literatur und Quellen

Verwandte Artikel

Quellen

  1. Geboren am 4. März 1834 in Herne. Die Familie Crämer stammte aus Harpen, mütterlicherseits aus Baukau. Vgl. OFB Herne Compgen
  2. Die Schreibweise variierte von Krämer, Cremer zu Crämer.
  3. Heirat am 1. April 1876 in Herne (St.Amt Nr. 19, Kirchl. Nr. 12)
  4. Geboren am 30. März 1845 in Dortmund Aplerbeck.
  5. KB Band 9 Nr. 214/1883
  6. Ralf Piorr: 1933 – Der Weg in die Diktatur in Herne und Wanne-Eickel. adhoc Verlag, Herne 2020.
  7. UnRechtsOrt Polizeigefängnis Herne 1933–1945, Dokumentation, Herne.
  8. UnRechtsOrt Polizeigefängnis Herne 1933–1945, Dokumentation, Herne.
  9. Historischer Verein Herne/Wanne-Eickel: Sozialdemokraten in Herne – von den Anfängen bis zum Verbot 1933, Herne.
  10. UnRechtsOrt Polizeigefängnis Herne 1933–1945, Dokumentation, Herne.
  11. UnRechtsOrt Polizeigefängnis Herne 1933–1945, Dokumentation, Herne.
  12. Ralf Piorr: 1933 – Der Weg in die Diktatur in Herne und Wanne-Eickel. adhoc Verlag, Herne 2020.
  13. Stadt Herne: Oberbürgermeister der Stadt Herne – Heinrich Crämer, Stadt Herne.
  14. Stadt Herne: Oberbürgermeister der Stadt Herne – Heinrich Crämer, Stadt Herne.
  15. Historischer Verein Herne/Wanne-Eickel: Sozialdemokraten in Herne – von den Anfängen bis zum Verbot 1933, Herne.
  16. UnRechtsOrt Polizeigefängnis Herne 1933–1945, Dokumentation, Herne.
  17. UnRechtsOrt Polizeigefängnis Herne 1933–1945, Dokumentation, Herne.