Grabdenkmal der Familie Dirichs (Südfriedhof)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Das Grabdenkmal der Familie Eugen Dirichs auf dem Herner Südfriedhof ist ein bedeutsames Zeugnis der lokalen Industriegeschichte und eng mit der Industriellenfamilie Beien verknüpft.

Familiengruft Dirichs
Bildinfo: Bild: Andreas Janik 2014 / 2026
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1. Architektur und Gestaltung

Die Grabanlage zeichnet sich durch eine zurückhaltende, aber monumentale Formsprache aus, die typisch für gehobene Familiengräber des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts ist:

  • Aufbau: Das Grab wird durch eine flache, konkav geschwungene Mauer aus Muschelkalk (oder ähnlichem Naturstein) begrenzt. Diese Form wirkt umschließend und schützend.
  • Zentrale Stele: In der Mitte befindet sich ein vorspringender Quader, der die Hauptinschrift trägt: "FAMILIE EUGEN DIRICHS".
  • Schrifttafeln: Rechts und links der zentralen Stele sind Bronzetafeln eingelassen, wobei die linke leer ist.
  • Symbolik und Zierat: Auf der zentralen Stele steht eine schlichte Steinschale (Opferschale). Die Bepflanzung mit roten Begonien und die Bodengestaltung mit Steinplatten, die strahlenförmig von der Mitte ausgehen, unterstreichen die geometrische Ordnung der Anlage.

2. Die Verbindung zur Familie Beien

Die Inschriften verdeutlichen die enge verwandtschaftliche Beziehung:

  • MARIE DIICHS GEB. BEIEN * 7.10.1900 † 20.10.1968
  • DR. MED. EUGEN DIRICHS * 5.9.1888 † 24.4.1955

Die Firma Beien: Die Familie betrieb die bekannte Maschinenfabrik Beien (gegründet 1885 von Alex Beien), die vor allem für den Bergbau (z. B. Beien-Druckluftmotoren und Förderanlagen) weltweite Bekanntheit erlangte.

Nachbarschaft auf dem Friedhof: Das Grabmal Dirichs befindet sich in der Nähe zum monumentalen Grabstätte Alex Beien (Denkmal Nr. 700), die für ihre Bronzefigur eines Hirtenknaben bekannt war. Während das Beien-Grab die wirtschaftliche Macht prunkvoller darstellt, wirkt die Anlage Dirichs eher klassisch-elegant und zeitlos.

Dr. med. Eugen Dirichs wurde am 5. September 1888 in Dingelstädt im Thüringer Eichsfeld geboren. Aufgewachsen und zur Schule ist er in Recklinghausen, wo er 1910 sein Abitur abglegte. Anschließend studierte er in Bonn, Göttingen und München Medizin und vollendete das Stadium in Bonn 1920. Im April 1920 promovierte er dort zum Dr. der Medizin. Bis 1939 war er Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Recklinghausen. Ab dem 27. August 1939 als Arzt im Kriegsdienst den er 1945 als Chefarzt im Lazarett 737 in Dänemark beendete. Seine Entnazifizierungsdokumente sind online[1].

3. Denkmalwert

Obwohl oft das Beien-Hauptgrab im Fokus steht, ist die Anlage Dirichs Teil des historischen Ensembles auf dem Südfriedhof. Dieser Friedhof (eröffnet 1905) gilt als "Gedächtnis der Stadt", da hier die Gräber der Männer und Frauen liegen, die Herne während der Hochindustrialisierung geprägt haben.

4. Diebstahl

Wie das Beien Grabdenkmal ist auch dieses Grab nicht vor der Gewinnsucht dreister Metallräuber verschont geblieben. Seit dem spätwinter 2026 sind nur noch die ersten beiden Eingravierungen erhalten, weclhe bis zum Diebstahl unter den Platten verborgen waren.

Zusammenfassend: Das Grabmal ist ein "stilles" Denkmal der Herner Oberschicht. Es spiegelt den Wohlstand wider, der durch die Bergbauzulieferindustrie erwirtschaftet wurde, vermeidet aber übermäßigen Pomp zugunsten einer klaren, architektonischen Linie.

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Quellen