Gertrud Behrens (1864-1950) Mäzenin

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Gertrud Behrens geborene Scherbening (* 17. Juli 1864 in Lipine/Oberschlesien; † 18. Juli 1950 in Düsseldorf) war eine Herner Wohltäterin und engagierte Förderin sozialer Einrichtungen. Bekannt wurde sie insbesondere als Mitstifterin des Evangelischen Kinderheims Herne sowie als Gründerin und Vorsitzende des Herner Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz. Nach ihr wurde bereits 1906 der Gertrudenplatz in Herne benannt.[1]

Gertrud Behrens
Gertrud Behrens
Geboren17. Juli 1864
in Scharley/Oberschlesien
✝️
Gestorben18. Juli 1950
in Düsseldorf

Gertrud Behrens geborene Scherbening wurde als Tochter des Kgl. Bergrats und Generaldirektor der Schles. Aktiengesellschaft für Bergbau u. Zinkhüttenbetrieb Leopold Hermann Scherbening (1828-1902) und Caroline Wilhelmine Ilse SCHERBENING geborene Mauve (1830-1903) als deren 5. Kind in Szarlej (Scharley), heute ein Stadttteil von Piekary Śląskie (deutsch Deutsch Piekar) in Oberschlesien geboren.

Hier, in ihrer Heimat - seit einigen Jahren war ihr Vater in Lipiny (Lipine) ansässig - lernte sie ihren späteren Ehemann Karl Behrens kennen. Im April 1883 verlobten sie sich und im selben Jahr heirate sie um mit ihrem Gatten zunächst 1884 nach Borgsloh bei Hilter/Niedersachsen am Teutoburger Wald zu ziehen. Die Ernennung zum Bergrat erfolgte 1887. 1889, als Karl Behrens Generaldirektor wurde, zog sie ebenfalls nach Herne.

Wirken in Herne

Mit dem beruflichen Aufstieg ihres Mannes gehörte die Familie Behrens zu den einflussreichen bürgerlichen Kreisen Hernes während der Hochindustrialisierung um 1900. Karl Behrens prägte die Entwicklung der Hibernia AG maßgeblich; seine Ehefrau trat zugleich durch soziale und karitative Arbeit hervor.[2]

Gertrud Behrens engagierte sich vor allem im Bereich der Wohlfahrtspflege. Hervorzuheben ist ihre Mitwirkung bei der Gründung des „Evangelischen Kinderheimes Herne“, das am 14. Mai 1911 eingeweiht wurde. Die Einrichtung entstand vor dem Hintergrund der rasch wachsenden Industriestadt Herne, deren soziale Infrastruktur mit dem starken Bevölkerungswachstum Schritt halten musste.

Darüber hinaus gründete und leitete sie die Herner Ortsgruppe des „Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz“. Der Verein widmete sich der Ausbildung von Krankenhelferinnen und der Bereitstellung von Krankenbetten für mögliche Kriegsfälle. Bereits 1912 zählte die Organisation etwa 1.700 Mitglieder und gehörte damit zu den bedeutenden Frauenvereinigungen der Stadt.

Ihr Engagement entsprach dem zeitgenössischen Leitbild bürgerlicher Frauenvereine im Deutschen Kaiserreich, die soziale Fürsorge, Gesundheitswesen und patriotische Aufgaben miteinander verbanden. In Herne genoss Gertrud Behrens dadurch hohes gesellschaftliches Ansehen.

Ehrungen

  • 1902: Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse
  • 1906: Stadt Herne: Benennung des Gertrudenplatzes
  • 1907: Silbernes Frauen-Verdienstkreuz am weißen Bande

Noch zu Lebzeiten ihres Ehemannes beschloss die Herner Stadtverordnetenversammlung am 16. März 1906 die Benennung des Gertrudenplatzes nach Gertrud Behrens. Die frühe Ehrung unterstreicht die hohe Wertschätzung, die sie in der Stadtöffentlichkeit genoss. Zwei Jahre später wurde zusätzlich die Behrensstraße nach ihrem Ehemann Karl Behrens benannt.[3]

Zu ihrem 70. Geburtstag wurde folgender Text verbreitet.

"Frau Gertrud Behrens 70 Jahre alt h. Gestern konnte in Düsseldorf Frau Bergrat Gertrud Behrens ihren 70. Geburtstag feiern. Unlöslich ist die Entwicklung Hernes mit diesem Namen verknüpft und noch heute erinnert uns der Gertrudenplatz an das mildtätige und segensreiche Wirken dieser Frau. Frau Gertrud Behrens hat im Jahre 1003 den Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz in Herne gegründet und viel Gutes hat sie getan in den Jahren ihres Wirkens im Verein. Als sie dann später von Herne fortzog, wurde sie vom Verein zur Ehrenvorsitzenden ernannt und ist noch heute allen ein Vorbild der Güte und Hilfsbereitschaft. Dank ihrer Hilfe war es möglich, das evangelische Kinderheim in Herne zu erbauen und der große Mittelleuchter in der Evangelischen Kirche, den sie aus Anlass der Konfirmation ihres Kindes stiftete, erinnert uns noch heute an ihr mildtätiges Wirken. Auch die Einrichtung der Milchküche verdanken wir einer Stiftung von Frau Gertrud Behrens. Wir alle bringen ihr zu ihrem Geburtstage unsere herzlichen Glückwünsche dar und hoffen, dass ihr noch viele Jahre in Glück und Zufriedenheit beschieden sind."[4]

Tod

Sie zog recht bald nach dem Tode ihres Mannes nach Düsseldorf, wohin sie auch seine Sterblichen Überreste umbetten ließ. Dort starb sie mit 86 Jahren, einen Tag nach ihrem Geburtstag. Sie überlebte ihren Mann um 44 Jahre.



Literatur

  • "HERNE - von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße", Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997
  • Herner Zeitung 17. Oktober 1936. Dienst an den Kindern unseres Volkes. Das Evangl. Kinderheim Herne feiert sein 25jähr. Bestehen.
  • Evgl. Kinder- und Jugendheim Overwegstraße 1911 - 1986, S. 10.
  • Schaefer 1912, S. 65 f.
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