Evangelisches Krankenhaus Herne-Eickel
Das Evangelische Krankenhaus Herne-Eickel (historisch auch Evangelisches Krankenhaus Wanne-Eickel) ist ein traditionsreiches Krankenhaus im Herner Stadtteil Eickel an der Hordeler Straße. Es gehört heute als Betriebsstelle Eickel zum Evangelischen Krankenhaus Herne innerhalb der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel und ist auf Erkrankungen der Lunge und des Brustkorbs spezialisiert.
Geschichte
Bereits im Jahr 1885 entstand der Plan, in Eickel ein evangelisches Krankenhaus für die einheimische Bevölkerung sowie die Bewohner der umliegenden Ortschaften zu errichten. Zu diesem Zweck gründete sich ein Evangelischer Krankenhausverein, der mit der Sammlung der erforderlichen finanziellen Mittel begann.
Nach Abschluss der Vorarbeiten wurde 1892 der Grundstein gelegt. Die feierliche Eröffnung und Inbetriebnahme erfolgte am 20. März 1893.
Das Krankenhaus erwies sich schon bald als zu klein. Deshalb entstanden 1899 und 1907 zwei Erweiterungsbauten, während gleichzeitig der ursprüngliche Gebäudeteil umfassend renoviert wurde. Dadurch konnte die Aufnahmekapazität auf 120 bis 125 Patienten erhöht werden.
Die Ausstattung galt für ihre Zeit als modern. Neben zwei Infektionsabteilungen verfügte das Krankenhaus über zwei große Tagesräume, eine Krankenhauskapelle sowie zeitgemäß eingerichtete Operationssäle. Zu den technischen Einrichtungen gehörten unter anderem eine Röntgenanlage sowie eine Höhensonnenanlage, die den damaligen medizinischen Standards entsprachen.
Chefarzt war zunächst Sanitätsrat Knibbe, dessen Nachfolge später Dr. Thieme übernahm. Die Krankenpflege wurde von 15 Diakonissen aus dem Mutterhaus Sarepta-Bethel wahrgenommen.
Um eine spätere Erweiterung zu ermöglichen, erwarb die evangelische Kirchengemeinde mehrere Morgen Land hinter dem Krankenhaus. Zum Gelände gehörten außerdem ein schattiger Garten für die Genesenden sowie eine Leichenhalle.
Während des Ersten Weltkriegs waren zahlreiche Krankenbetten mit Verwundeten belegt. Bereits in den 1920er Jahren bestanden Pläne für einen weiteren Erweiterungsbau mit einem neuen Südflügel sowie einem straßenseitigen Vorbau. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse konnten diese Vorhaben zunächst jedoch nicht verwirklicht werden.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Krankenhaus erheblich beschädigt. Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. Da die evangelische Kirchengemeinde die finanziellen Lasten nicht mehr allein tragen konnte, ging die Trägerschaft am 1. Oktober 1948 auf das Johanneswerk Bielefeld über.
In den folgenden Jahren wurde das Krankenhaus kontinuierlich ausgebaut. Es entstanden unter anderem eine Krankenpflegeschule (1952), ein Schwesternwohnheim (1957) sowie eine neue Wäscherei (1961).
Zum 1. Januar 1970 gründeten die Kirchenkreise Herne und Castrop-Rauxel die Evangelische Krankenhausgemeinschaft, welche die evangelischen Krankenhäuser in Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel unter gemeinsamer Trägerschaft vereinte. Mit der kommunalen Neugliederung von 1975 wurde das Krankenhaus Bestandteil der Stadt Herne und firmierte fortan als Standort Eickel des Evangelischen Krankenhauses Herne.
Das Krankenhaus heute
Heute bildet der Standort Eickel gemeinsam mit dem Krankenhaus in Herne-Mitte das Evangelische Krankenhaus Herne. Träger ist die Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel.
Der Standort Eickel hat sich zu einem überregional anerkannten Zentrum für Pneumologie, Thoraxchirurgie und Infektiologie entwickelt. Gemeinsam bilden diese Fachbereiche das Thoraxzentrum Ruhrgebiet, das auf die Diagnostik und Behandlung von Lungen- und Brustkorberkrankungen spezialisiert ist.
Im Jahr 2018 wurde ein Erweiterungsbau mit zusätzlichen Betten, einer Palliativstation sowie einer Dachterrasse für schwerkranke Patientinnen und Patienten eröffnet.
Bedeutung
Seit seiner Gründung im Jahr 1893 gehört das Evangelische Krankenhaus Herne-Eickel zu den prägenden Einrichtungen der Gesundheitsversorgung im Herner Süden. Aus einem von der evangelischen Kirchengemeinde getragenen Krankenhaus entwickelte sich innerhalb von mehr als 130 Jahren ein modernes Fachkrankenhaus mit überregionaler Bedeutung, das zugleich ein wichtiges Zeugnis der Sozial-, Kirchen- und Medizingeschichte Eickels darstellt.
Literatur
- Festschrift der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel.
- Chroniken der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel.
- Zeitgenössische Beschreibung des Krankenhauses (um 1928).

