Das Bauernhaus und sein Hausrat (Hartmann 1921) Böckmann
[c. Erläuterungen der Aufnahmen] ...
Das auf Blatt XIII u. XIV dargestellte Bauernhaus Böckmann in Börsinghausen zählt zu dem 2ten Haustyp. Es stammt aus dem Jahre 1773. Die Deele ist nach Osten orientiert. Beiderseits der geräumigen Deele liegen die Stallungen, und zwar auf der rechten Seite die Pferdeställe mit der oberhalb und am Deelentorgiebel liegenden Knechtekammer, zu der man von der Deele aus durch Leitern gelangt, und weiterhin die an die Küche anstoßende Waschküche mit der darüber liegenden, von der Küche aus zugänglichen Mägdekammer. Auf der gegenüber liegenden Seite befinden sich die Kuhställe. An die den inneren Abschluss der Diele bildende Scherwand schließt sich in der Wohnzone die Küche an, die durch eine zweiteilige Tür mit der Deele verbunden ist. In früheren Zeiten brannte dort das offene Herdfeuer. In dem Küchentrakt liegt zudem noch eine Aufkammer mit darunter befindlichem Kellerraum. Beide Räume sind von der Küche aus zugänglich. Zwischen Küchentrakt und Westgiebel liegen 3 Wohnzwecken dienende Stuben. Der oberste Boden der Wohnzone ist etwa 50 cm höher als der Boden des Wirtschaftsteiles, daher erklärt es sich, dass das Dach sich im letzteren Trakt auf einem niedrigen Drempel aufbaut.[1]
Der Binderbalken ruht hier mit seinem Ende in der Scheere eines senkrechten Wandpfostens, wobei er noch etwa 20 - 25 cm über die Außenfläche der Wand hinausragt, um auf diese Weise ein Ausweichen des Pfostens unmöglich zu machen.[2] Auf dem Pfosten liegt die durchlaufende Fußpfette, in die hinein die Pfosten gezapft sind. Die Sparren liegen am Fußende mit ihrer vollen Schnittfläche auf der Schwelle und sind durch Dollen gegen das Ausweichen gesichert. Eine Dreieckverstrebung, wie sie in Abb. XLVII/2 dargestellt ist, findet sich hier nicht. Der Horizontalsohub der Sparren muß vielmehr von den Pfosten aufgenommen werden, die hierdurch eine Beanspruchung auf Biegung erfahren. Der zwischen Oberkante des Bundbalkens und der Unterkante der Fußschwelle frei bleibende Schlitz in den Pfosten dient zur Lüftung des Dachbodens. Wie bei dem eben beschriebenen Hause, so sind auch bei diesem die Wände in Eichenfachwerk mit Lehmausstakung ausgeführt. Auf einer durchlaufenden, auf einem etwa 50 cm starken Bruchsteinmauerwerk aufruhenden Schwelle stehen die Pfosten, die an den Giebelseiten mit ihrem oberen Ende in einen in Höhe der Balken liegenden Rähm eingezapft sind, während sie an den Längsseiten in der durchlaufenden Fußschwelle endigen."
"Das auf diese Weise gebildete Gefüge ist durch Riegel und geschwungene Streben in kleinere Felder aufgelöst. Letztere nehmen, was für unsere Gegend besonders charakteristisch ist, in Höhe der Balkenlage des Erdgeschosses ihren Ausgang und gehen von hier aus, nach Art der Andreaskreuze, sowohl nach der Fußpfette als auch nach der Fußschwelle. Die Erdgeschossbalken sind in die Wandpfosten eingezapft. Auf ihnen liegt der 1½" starke, mit Nut und Feder gearbeitete eichene Fußboden. Die Dachbalken sind sämtlich durchlaufend angeordnet. Der auf ihnen liegende Fußboden ist ohne Verbindung stumpf gegeneinander verlegt. Die Stärke der Pfosten schwankt zwischen 13/15 und 19/23 cm. In den Wohnräumen sind sind sie mit den Wandflächen bündig angeordnet. In der Stallzone hat man auf glatte Innenseite der Wände keinerlei Wert gelegt. Dort springen die stärkeren Pfosten bis zu 5 cm vor. Das Dach ist unter 48° gegen die Horizontale geneigt. Die Unterstützung der Sparren erfolgt am Fußende durch die Fußschwelle, in etwa 2/3 der Höhe durch eingezapfte Hahnenbalken und am First durch Überblattung. Die Mittelpfette, die, durch schrägstehende Pfosten gestützt, sich stumpf gegen die Sparren lehnt, ist, wie im eben angeführten Falle, spätere Zutat. In Längsrichtung wurde das Sparrenfeld durch Windrispen verstrebt.
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