Bergstraße 126 (Herne)



Bergstraße 126 ist ein historisches Gebäude an der Bergstraße in Herne-Süd. Das heute noch erhaltene und zu Wohnzwecke henutzte Gebäude wurde um 1900 für den Gastwirt August Huß errichtet und diente ursprünglich als seine Gastwirtschaft. Unter dem Namen „Zum Anker“ ist es bereits auf einer historischen Ansichtskarte aus der Zeit um 1900 dargestellt.
Gastwirtschaft „Zum Anker“
Eine historische Ansichtskarte mit dem Titel „Gruß aus Herne“ zeigt das Gebäude kurz nach der Erbauung und Restaurateröffnung 1901. Die Abbildung ist mit
- „Restauration z. Anker v. Aug. Huss.“
beschriftet. Damit ist die damalige Nutzung des Hauses als Gastwirtschaft „Zum Anker“ und der Name des Wirtes August Huß überliefert.
Ursprüglich hatte das Gebäude die Hausnummer Bergstraße Nr. 40 und 1905 folgenden Eintrag im Adressbuch:
- 40 Wirt August Huß E, Witwe Marie Rehmann, Dienstmagd Marie Jamrose, Dienstmagd Wanda Jamrose, Hauer Rudolf Tubbesing, Koksarbeiter Jakob Batkowsky, Tagelöhner Josef Burczyk, Tagelöhner Jakob Bonowsky, Maschinenwärter Franz Hense, Hauer Andreas Skrypczak.
Das Gebäude auf der Ansichtskarte entspricht in seinen wesentlichen architektonischen Merkmalen dem heute noch vorhandenen Bau. Zu erkennen sind insbesondere der zweigeschossige Ziegelbau, die Gliederung der Fassade und der markante Dachbereich. Vor dem Gebäude sind Gäste, Passanten und ein Pferdefuhrwerk dargestellt.
Die Gastwirtschaft lag damit unmittelbar an der Bergstraße und war Teil des sich um 1900 entwickelnden Wohn- und Wirtschaftsraumes im südlichen Herner Stadtgebiet.
Es lag günstig an einer damals wichtigen Kreuzung. Die Bergstraße fürt noch heute nach Bochum-Bergen und links wie rechts neben der Gastwirtschaft lagen die Zeche Vereinigte Constantin der Große – Schachtanlage IV/V (Herne-Constantin) mit ihren Schächten IV/V und die Ziegelei von Otto Seher.
August Huß

August Huß oder Huss wurde am 26. September 1867 in Geslsenkirchen-Hessler geboren. Seine Eltern waren der Bergmann Heinrich Huss und Wilhelmine Rehmann. Zunächst wurde er Maschienen-Werkführer in Essen. Am 9. Mai 1895 heiratet[1] er in Gelsenkirchen Johanna Maria Rehmann (* 24. Februar 1871) vermutlich eine Verwandte. Ihre Eltern waren der Steiger Friedrich Rehmann und Maria Fritz (* 1841 Havelberg-Bendelien † 02. Februar 1923 Herne).
Ihr erstes Kind, Marie Ida Emme Huss, wurde am 18. Juli 1897 in Bergen geboren, strab aber mit 21 Jahren am 25. Oktober 1918 in Herne[2] an "Gehirnentzündung".[3]. Beigesetzt wurde sie am 28. Oktober 1918.
August Huß ist dann 1897-1898 als Ziegeleiverwalter in Bergen fassbar.[4] 1901 als Wirt in diesem Hause.
Am 19. Apr. 1902 starb im Bochumer Augusta Krankenhaus seine Ehefrau an "Kehlkopfschwindsucht". Sie hinterließ ihren Gatten und 4 Kinder. Beigesetzt wurde sie am 23. April 1902 auf dem Friedhof Bergelmanns Hof .
Anschließend hiratete er ihre jüngere Schwester Ida Friedrike Rehmann (*11. November 1872). Diese starb am 24. März 1919 im ev. Krankenhaus in Herne an einer Herzschwäche nach einer Gallenstin-Operation[5]. Sie hatten ein gemeinsamens Kind.
Huß war auch Verwaltungspolitisch aktiv. So leitete er im 1. Weltkrieg die sog. "Preisprüfungsstelle" Hernes als Geschäftsstelle.[6][7] Auch als "Armenpfleger" wurde er nachweislich gewählt.[8]
Im Adressbuch von 1926 ist August Huss noch als Wirt in diesem Haus vermerkt, 1929 als Pensionär.
August Huss starb am 12. Januar 1937 in Bochum-Hiltrop (Hiltroper Straße 216a)[9][10]
Feuermeldestelle
Eine besondere Funktion hatte die Gastwirtschaft im frühen 20. Jahrhundert offenbar auch für das örtliche Feuerlöschwesen. Für das Jahr 1913 ist die Wirtschaft an der Bergstraße 126 als Feuermeldestelle angegeben.[11]
Gastwirtschaften wurden damals nicht selten als Feuermeldestellen genutzt. Sie waren aufgrund ihrer zentralen Lage, der langen Öffnungszeiten und der Erreichbarkeit durch den Wirt geeignete Anlaufstellen, um eine Brandmeldung weiterzugeben.
Die Funktion als Feuermeldestelle macht das Haus damit nicht nur als Gastwirtschaft, sondern auch als Bestandteil der damaligen örtlichen Infrastruktur interessant.
Weitere Eigentümer/Wirte
- 1929 Heinrich Brod (*20. Januar 1894 Bochum; x 6. März 1944 Paris[12] verheiratet mit Martha geb. Huss, welche 1929 auch als Eigentümerin genannt wird. Vor 1932 übersiedelt er als Kaufmann zur Auguststraße 2.
- 1932-1960 Hermann Krok - auch als Eigentümer , 1954 sind im Hause ansässig:
- Bänsch, Heinz, Dreher
- Barysch, Günter, Monteur
- Bicker, August, Händler
- Dudda, Fritz, Monteur
- - Dietrich, Hilfsarbeiter
- Krack, Friedrich, Inv.
- Krok, Hermann. Wirt
- - Hermine, kfm. Lehrling
- - Hannelore
- - Karl- Wilhelm, Schlosserlehrling
- Menne, Jose!, Schweißer
- Oberwein, Theodor, Kraftfahrer
- Pochodzala, Josef, Schlosser
- Rohde, Josef, Schlosser
- Schulte, Friedrich, Bergm.
- - Günter, Elektriker
- 1974: Rudolf Losch
- 1974 sind nun folgende Bewohner notiert:
- Baer Friedrich Fahrstuhlfhr
- Dudda Minna Wwe
- Gohl Emma Wwe
- Krack Minna Wwe
- Losch Annegret Kontoristin
- - Rudolf Gastwirt
- Stecke I Lothor Antennenmont
- Stricker Wilhelm Arb
- Vagt Elisabeth kfm Ang
Das Gebäude
Das heutige Gebäude ist ein zweigeschossiger Backsteinbau mit ausgebautem Dachgeschoss. Die Fassaden sind durch regelmäßig angeordnete, segmentbogig beziehungsweise rundbogig abgeschlossene Fenster gegliedert.
Besonders charakteristisch ist der seitlich hervortretende Gebäudeteil mit seinem hohen, geschwungen ausgebildeten Giebel. An der zur Straße gelegenen Gebäudeseite befindet sich außerdem ein kleiner Balkon mit historisierendem Geländer.
Die heutige Aufnahme zeigt, dass wesentliche Elemente des historischen Erscheinungsbildes erhalten geblieben sind. Dazu gehören insbesondere das Ziegelmauerwerk, die Fensterproportionen, die Fassadengliederung und die Dachform.
Das Gebäude ist damit ein anschauliches Beispiel für die bürgerliche beziehungsweise kleingewerbliche Bebauung Hernes um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Die Bergstraße um 1900
Die Bergstraße wurde am 28. April 1896 durch die Gemeindevertretung Herne offiziell benannt. Der Name geht auf die Gewannbezeichnung „auf dem Berge“ in der Gemarkung Herne, Flur IV, genannt Altenhöfe, zurück.
Die Errichtung des Hauses fällt somit in eine Zeit, in der Herne durch das starke Bevölkerungswachstum und die Industrialisierung eine erhebliche bauliche Veränderung erfuhr.
Die Gastwirtschaft „Zum Anker“ dokumentiert dabei eine typische Kombination aus Wohnen und gewerblicher Nutzung. Das Haus war nicht nur Wohngebäude, sondern zugleich Treffpunkt und Anlaufstelle für die Bevölkerung. gstraße 126“ von 1913 und die erhaltene Bausubstanz ermöglichen zusammen eine ungewöhnlich gute Dokumentation der Geschichte des Hauses.
Quellen
- Historische Ansichtskarte „Gruß aus Herne“, um 1900, Beschriftung: „Restauration z. Anker v. Aug. Huss.“
- Adress-/Einwohnerverzeichnis Herne, 1913, Eintrag: „Huß, August, Wirt, Bergstraße 126“.
Verwandte Artikel
Einzelnachweise
- ↑ Heiratsregister Nr. 117 Gelsenkirchen
- ↑ Reg.Nr. 828
- ↑ Reg. Ev. Gemeinde Herne Nr. 266
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/10803477
- ↑ Register EV. Gemeinde Nr. 89
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21195289
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21196325
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21196491
- ↑ Reg.Nr. 79/1937
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/5959252
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/20294829
- ↑ Kriegsgräberstätte in Champigny-la-Futelaye, Endgrablage: Block 6 Reihe 9 Grab 777

