Alfred Dymel (1911-1977) Widerstandskämpfer
Alfred Dymel (* 3. März 1911 in Herne; † 27. Dezember 1979) war ein Herner Schlosser, Verwaltungsmitarbeiter und sozialdemokratischer Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime.
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Leben
Herkunft und politisches Engagement
Alfred Eduard Dymel wurde am 3. März 1911 in Herne geboren. Nach Abschluss seiner Schlosserlehre im Jahr 1929 fand er zunächst keine Anstellung und war von Arbeitslosigkeit betroffen. Bereits in der Zeit der Weimarer Republik engagierte er sich in der Arbeiterbewegung und wurde 1932 Vorsitzender des Herner Stadtverbandes der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ).
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Zuge der Machtergreifung gehörte Dymel zu einer kleinen Gruppe junger Sozialdemokraten in Herne, die Widerstand gegen das Regime leisteten. Die Gruppe traf sich konspirativ in Privatwohnungen, um politische Entwicklungen zu diskutieren und oppositionelle Aktivitäten zu organisieren.
Neben dem Austausch politischer Informationen unterstützte die Gruppe auch verfolgte Personen, etwa durch Hilfe für emigrierte Juden oder durch das Schleusen von SPD-Mitgliedern über die Grenze. Tarnungen wie Freizeitaktivitäten (z. B. Radtouren oder Schachabende) dienten dazu, die Treffen zu verschleiern.
Der Schwerpunkt der Widerstandsarbeit lag auf dem Informationsaustausch sowie der Beschaffung und Verbreitung illegaler Schriften des SOPADE-Exilvorstandes. Über ein Netzwerk von Kurieren gelangten diese Materialien in das Ruhrgebiet und wurden dort weiterverbreitet.
Verhaftung und Verurteilung
Die Aktivitäten der Gruppe wurden von der Gestapo aufgedeckt. Am 17. Februar 1936 wurde Alfred Dymel wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ festgenommen.
Während der Haft im Polizeigefängnis Bochum wurde er schwer misshandelt. Zeitzeugen berichteten von brutalen Verhören und Folter, die zu schweren körperlichen Verletzungen führten.
Im Oktober 1936 wurde Dymel gemeinsam mit 26 Mitangeklagten vor dem Oberlandesgericht Hamm angeklagt. Das Gericht verurteilte ihn wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu vier Jahren und sechs Monaten Zuchthaus sowie zu drei Jahren Ehrverlust.
Haftzeit
Dymel verbüßte einen Teil seiner Strafe im Zuchthaus Herford, wo er über 19 Monate in Einzelhaft gehalten wurde und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt war. Anschließend wurde er in das Strafgefangenenlager Oberems bei Gütersloh verlegt, wo er bei schwerer körperlicher Arbeit eine bleibende Fußverletzung erlitt.
Auf Antrag seiner Ehefrau wurde die Haftzeit verkürzt. Am 17. Mai 1940 wurde er vorzeitig entlassen, nachdem die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt worden war.
Kriegseinsatz und KZ-Haft
Trotz seiner Einstufung als „wehrunwürdig“ wurde Dymel im Verlauf des Zweiten Weltkriegs in ein Bewährungsbataillon 999 eingezogen. Nach der Ausbildung auf dem Truppenübungsplatz Heuberg folgten Einsätze in Griechenland und auf der Krim.
Während des Einsatzes erkrankte er an Malaria und musste mehrfach in Lazarette eingeliefert werden. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er im September 1944 aus einem Lazarett entlassen und anschließend in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert.
Dort überlebte er unter anderem durch die Unterstützung von Mithäftlingen. Im Oktober 1944 gelang ihm im Zuge einer ungeklärten Freilassungsaktion die Flucht. Er kehrte nach Herne zurück und verbarg sich dort bis zum Kriegsende.
Nachkriegszeit
Nach 1945 arbeitete Alfred Dymel unter anderem im Bereich der Wohnungsverwaltung und leitete das Kreiswohnungsamt in Herne. Angesichts der Wohnungsnot der Nachkriegszeit war dies eine verantwortungsvolle Aufgabe.
Er blieb Mitglied der SPD, engagierte sich zeitweise in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) sowie bei den Naturfreunden. Seine politische Aktivität blieb jedoch durch gesundheitliche Folgen der Haft, Malariaerkrankungen und persönliche Belastungen eingeschränkt.
Alfred Dymel starb Ende 1979 in Herne.
Einordnung
Alfred Dymel steht exemplarisch für den lokal organisierten sozialdemokratischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Ruhrgebiet. Seine Aktivitäten zeigen die Bedeutung informeller Netzwerke, illegaler Informationsarbeit und persönlicher Solidarität im Widerstand gegen die NS-Diktatur.
Zugleich verdeutlicht seine Biographie die massiven Repressionen, denen oppositionelle Arbeiter ausgesetzt waren, sowie die langfristigen gesundheitlichen und sozialen Folgen von Verfolgung, Haft und Kriegseinsatz.
Quellen und Literatur
- Rolf Dymel: Biographische Skizze über Alfred Dymel, Privatarchiv der Familie Dymel.<red>https://gefaengnisseelsorge.net/alte-buecher-geben-hinweise-auf-haeftlingsgesellschaft-teil-ii</ref>
- Detlef Peukert: Die KPD im Widerstand. Verfolgung und Untergrundarbeit an Rhein und Ruhr 1933–1945. Frankfurt am Main 1980 (zum Kontext des Widerstands im Ruhrgebiet).
- Hans Mommsen: Alternativen zu Hitler. Studien zur Geschichte des deutschen Widerstandes. München 2000.
- Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Berlin, verschiedene Auflagen.

