CSD Herne

Der Christopher Street Day (CSD) Herne ist das jährliche Pride-Event der queeren Community in Herne. Er verbindet eine Demonstration mit Kundgebung, ein Bühnenprogramm und ein Ständefest und versteht sich als sichtbares Zeichen für Vielfalt, Gleichberechtigung und Solidarität. Die Veranstaltung ist ausdrücklich offen für alle – queere Menschen, Allies, Interessierte und Unterstützer*innen.
Veranstalter
Seit 2026 wird der CSD Herne vom Verein Queer in Herne e. V. organisiert, der sich aus der bisherigen Planungsgruppe des CSD Herne heraus gegründet hat. Der gemeinnützige Verein hat das Ziel, queeres Leben in Herne sichtbar zu machen, zu vernetzen und zu stärken, sichere Räume zu schaffen, den Austausch zu fördern und queere Teilhabe vor Ort zu ermöglichen.
Regelmäßige Angebote
- CSD Herne Café – jeden ersten Dienstag im Monat, 17–18 Uhr, Stadtteilzentrum H2Ö (Austausch über den CSD, Kennenlernen, Unterstützen)
- Queeres Café – jeden dritten Sonntag im Monat, 17–20 Uhr, Stadtteilzentrum H2Ö
- Bouldertreff „Queers & Friends“ – jeden letzten Donnerstag im Monat ab 17 Uhr, Neoliet Wattenscheid
- Workshops – etwa zum IDAHOBIT am 17. Mai 2026, 13 Uhr, Stadtteilzentrum H2Ö
Darüber hinaus engagiert sich der Verein politisch über die Stadtgrenzen hinaus, unter anderem beim CSD Gelsenkirchen (16. Mai 2026), beim CSD Recklinghausen (13. Juni 2026) und beim CSD Bochum (20. Juni 2026).
Ablauf
Der CSD Herne folgt einem wiederkehrenden Ablauf: Die Demonstration startet auf dem Europaplatz, zieht mit einer Zwischenkundgebung am Rathaus durch die Herner Innenstadt und kehrt nach etwa drei Stunden zum Ausgangspunkt zurück. Dort schließen sich ein Bühnenprogramm und ein Ständefest an, auf dem sich lokale Vereine, Organisationen und Initiativen mit Informations- und Mitmachangeboten rund um queeres Leben und gesellschaftliches Engagement präsentieren.
CSD 2026: „Gemeinsam sichtbar – queeres Leben gehört zu Herne“
Der CSD 2026 fand am Samstag, 11. Juli 2026, statt. Die Demonstration begann um 11 Uhr auf dem Europaplatz und führte mit einer Zwischenkundgebung am Rathaus durch die Innenstadt; gegen 13:30 Uhr kehrte der Aufzug zum Europaplatz zurück.
Durch das Bühnenprogramm führte die Essener Dragqueen Ms. Foxy Bless, unterstützt von den Queens Miss Tique und Sandra Bullcock. Musikalische Beiträge kamen von taal und dem Qhor, hinzu kam eine Comedynummer von Marlena Schönfeld. Redebeiträge hielten Vertretende politischer Initiativen und der Zivilgesellschaft, darunter Sozialdezernentin Frau Jordan sowie die Streamerin und Miss Germany 2026 Rosemondy. Parallel fand erneut ein großes Ständefest statt.
Erstmals trat mit Queer in Herne e. V. ein eigenständiger Verein als Veranstalter auf.
Anschlag auf den Berliner CSD 2026
Zwei Wochen nach dem Herner CSD wurde der Christopher Street Day bundesweit von einem Anschlag am Rande des Berliner CSD überschattet.
Tathergang
Am Abend des 25. Juli 2026 gegen 22 Uhr fuhr auf dem Ahornsteig im Großen Tiergarten in Berlin ein kleiner Lieferwagen in eine Menschenmenge. Nach Angaben der Polizei war das Fahrzeug von der Lennéstraße in Richtung Tiergarten unterwegs und kam schließlich an einem Baum zum Stehen; der Fahrer verließ das Fahrzeug und flüchtete. Mehrere Personen wurden zudem durch Stichwerkzeuge verletzt. Eine Frau – nach Medienberichten eine polnische Staatsangehörige – kam ums Leben. Die Zahl der Verletzten wurde zunächst mit 15 angegeben, später sprach Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von 29 Verletzten. Der Tatort lag rund 400 Meter vom eigentlichen Veranstaltungsgelände entfernt.
An der Berliner Veranstaltung unter dem Motto „Haltung ist hot“ hatten zuvor Hunderttausende teilgenommen. Die Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor wurde nach Bekanntwerden der Tat sofort abgebrochen und das Gelände geräumt. [1]
Ermittlungen
Polizei und Generalstaatsanwaltschaft Berlin leiteten am 26. Juli 2026 eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem 21-jährigen Abdul B. ein, der der islamistischen Szene zugerechnet wurde. Noch am selben Abend wurde der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Spandau erschossen. Die Behörden gehen von einem islamistisch motivierten Terroranschlag aus. Die Ermittlungen dauerten zum Stand 28. Juli 2026 an; Angaben zu Opferzahlen und Tathergang waren zu diesem Zeitpunkt noch vorläufig. [2]
Reaktionen
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach von einem „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“. Bundesweit und international riefen queere Organisationen zu Mahnwachen, Gedenkveranstaltungen und Gottesdiensten auf. Allein am Sonntag, 26. Juli 2026, versammelten sich in Berlin am Pariser Platz mehrere Tausend Menschen; im Anschluss fanden eine Gedenkandacht in der Marienkirche und ein Trauermarsch statt.
Auch im Ruhrgebiet und im Umland gab es zahlreiche Mahnwachen, unter anderem in Recklinghausen und Duisburg (26. Juli), in Essen, Bochum, Hattingen, Münster und Wuppertal (27. Juli) sowie in Velbert und Neuss (29. Juli). [3]
In Herne fand die Mahnwache am Mittwoch, 29. Juli 2026, um 18:30 Uhr auf dem Robert-Brauner-Platz statt. [4]
CSD 2025: „Nie wieder still“
Der CSD 2025 fand am Samstag, 14. Juni 2025, statt. Die Demonstration startete um 11 Uhr auf dem Europaplatz; vor dem Rathaus gab es eine Zwischenkundgebung des feministischen Referats und des CSD-Teams. Nach rund drei Stunden endete der Zug wieder am Startpunkt. Um 14:30 Uhr begann das Bühnenprogramm, moderiert von Ms. Foxy Bless.
Musikalisch traten taal, Johnny Europa und The Witchcraft Orchestra auf, dazu kamen Auftritte der Queens Roxy, Ms. Foxy Bless und Sandra Bullcock. Redebeiträge kamen von der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum e. V., von Transruhr e. V., von der IFAK e. V. sowie von Sozialdezernentin Frau Jordan. Auch 2025 begleitete ein Ständefest die Veranstaltung.
Der CSD Herne 2025 war Teil einer bundesweiten Kampagne des CSD Deutschland e. V. mit drei zentralen Forderungen:
- ausdrücklicher Schutz queerer Menschen im Grundgesetz (Artikel 3)
- konsequentere Bekämpfung von Hasskriminalität
- dauerhafte finanzielle Sicherung queerer Rückzugsorte und Beratungsangebote
Bühnenprogramm 2025
| Uhrzeit | Programmpunkt |
|---|---|
| 13:30 | DJ-Set Sandra Bullcock |
| 14:40 | Redebeitrag Stadträtin S. Jordan |
| 14:50 | Drag: Roxy |
| 15:10 | Redebeitrag CSD-Team |
| 15:30 | Musik: The Witchcraft Orchestra |
| 15:50 | Redebeitrag F. Müller, IFAK e. V. |
| 16:00 | Musik: taal |
| 16:30 | Redebeitrag Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e. V. |
| 16:40 | Drag: Ms. Foxy Bless |
| 17:00 | Redebeitrag TransRuhr e. V. |
| 17:10 | Musik: Johnny Europa |
| 17:40 | Musik: DJne Sandra Bullcock |
| 18:00 | Ende |
CSD 2024: „Selbstbestimmt kämpfen – für queere Befreiung weltweit“
Der CSD 2024 fand am 21. September 2024 statt. Die Demonstration begann um 12:30 Uhr auf dem Europaplatz und endete nach einer Zwischenkundgebung vor dem Rathaus etwa drei Stunden später wieder am Ausgangspunkt. Ab 16 Uhr folgte ein rund zweistündiges Bühnenprogramm mit gleichzeitigem Ständefest, auf dem sich Organisationen vorstellten, in deren Arbeit queere Themen vorkommen.
Inhaltlich griff der Aufruf 2024 die Gleichzeitigkeit von Fortschritt und Gegenbewegung auf: Einerseits größere gesellschaftliche Akzeptanz, überfällige gesetzliche Neuerungen und mehr Sichtbarkeit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt in Medien und Kultur – andererseits neue Feindbilder, insbesondere gegenüber trans* Personen. Benannt wurden die anhaltende Unterversorgung im medizinischen Sektor und in der psychosozialen Hilfe sowie die internationale Vernetzung transfeindlicher Akteure aus Religion, Politik und Kultur. Die Forderungen richteten sich auf die Sichtbarkeit queerer Realitäten in allen Lebensbereichen, die Entstigmatisierung gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität, das Recht auf Selbstbestimmung sowie ein medizinisches System, das dem Wohl der Einzelnen und der Community dient.
Mottos im Überblick
| Jahr | Datum | Motto |
|---|---|---|
| 2024 | 21. September 2024 | Selbstbestimmt kämpfen – für queere Befreiung weltweit |
| 2025 | 14. Juni 2025 | Nie wieder still |
| 2026 | 11. Juli 2026 | Gemeinsam sichtbar – queeres Leben gehört zu Herne |
Lesen Sie auch
Einzelnachweise
- ↑ ZDFheute-Liveblog zum CSD-Abbruch https://www.zdfheute.de/panorama/csd-berlin-2026-abgebrochen-polizei-verletzte-liveticker-100.html
- ↑ Polizei Berlin, Meldung Nr. 0905 vom 26.07.2026 https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/2026/pressemitteilung.1697457.php
- ↑ queer.de: Übersicht der Gedenkveranstaltungen https://www.queer.de/detail.php?article_id=58950
- ↑ queer.de (Stand 27.07.2026, 22:10 Uhr, "Angaben ohne Gewähr")
