Reichspost Herne 1895-1910

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Das nicht mehr vorhandene Haus der Reichspost Herne lag an der Ecke Bahnhofstraße / Fabrikstraße, die sich damals südlich diesem Gebäudes innerhalb des Bahnhdammes befand.

Denkmalplakette NRW
Reichspost Herne
Herne-Mitte
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Erbaut1895
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StadtbezirkOrtsteil


Geschichte

Postamt Herne (1895-1910)
Im Jahre 1894 hat der Kaufmann Wilhelm Seher anstelle eines älteren Schlünderschen Wohnhausrestes an dieser Stelle die neue Post Ecke Bahnhofstraße und Fabrikstraße erbaut, zu der im Hintergelände ein Wagenschuppen mit Abortanbau gehörte. Dieses stattliche Postgebäude, das 26 Meter Frontlänge hatte und dessen Eingang sich an der Ecke der Farbikstraße befand, lag zu 7 Meter Frontlänge im Bereich der jetzigen Fabrikstraße, mit fast 20 Meter Frontlänge also im jetzigen Dammbereich.
Die Reichs- Post- und Telegraphenverwaltung hat es 1895 angemietet und 1902 käuflich erworben. Es ist aber bereits 1911 an den Eisenbahnfiskus verkauft worden, nachdem die Reichspost das bis 2024 betriebene Postamt an der Bebelstraße 20 errichtet hatte, das 1910 in Betrieb genommen wurde. Das Postamt an der Ecke der Fabrikstraße wurde bis zum Abbruch von der Eisenbahn als Bürogebäude (vor allem für die zur Einleitung des Bahnhofsneubaues nötigen Baubüros) benutzt.

Städtebauliche Einordnung und Baukörper

Das ehemalige Kaiserliche Postamt präsentierte sich als repräsentativer, zweigeschossiger Backsteinbau, der im Stil des historisierenden Eklektizismus mit starken Anleihen an die norddeutsche Neugotik errichtet wurde. Das Gebäude wurde konzipiert, um eine markante Ecklage zu besetzen. Die architektonische Betonung wurde hierbei geschickt auf den polygonalen Eckrisalit gelenkt, der die beiden asymmetrischen Gebäudeflügel gestalterisch miteinander verbindet.

Die Fassade bestand primär aus rotem Sichtbackstein, der durch hell abgesetzte Verfugungen, Friese und Gesimse strukturiert wird, wodurch die vertikale und horizontale Gliederung des Baukörpers betont wird.

Architektonische Details und Fassadenelemente

Der Turmrisalit: Das beherrschende Element des Gebäudes war der polygonale Eckturm über dem Haupteingang. Er verfügte im oberen Bereich über eine markante Turmuhr und schließt mit einem steilen, pyramidenförmigen Turmhelm ab. Die Spitze wurde von einer filigranen, schmiedeeisernen Firstgitterkrone geziert.

Das Hauptportal: Der Zugang erfolgte über eine tief eingeschnittene, rundbogige Portalnische im Erdgeschoss des Turms. Direkt darüber, im ersten Obergeschoss, befand sich ein repräsentatives Fenstergefüge, das von einem dekorativen, spitzbogigen Feld (Tympanon) mit heraldischen Reliefelementen oder Ornamenten bekrönt wurde.

Flügelbauten und Dachlandschaft:

Der linke Gebäudeflügel brach die Trauflinie durch einen markanten Staffelgiebel (Stufengiebel) auf, der mit neugotischen Blendbögen und Fialenmotiven verziert war.

Der rechte Gebäudeflügel zur damals noch ebenerdigen Eisenbahn zeigte sich flächiger und schließt mit einem hohen, ziegelgedeckten Walmdach ab, aus dem kleine, spitzgiebelige Dachgauben (Lukarnen) hervortraten.

Fenstergeometrie: Die Fensterachsen waren streng rhythmisiert. Im Erdgeschoss dominieren großzügige Segmentbogenfenster, die typisch für die Belichtung großer Schalterhallen waren. Im Obergeschoss fanden sich paarweise angeordnete, rechteckige Fenster mit Sprossenteilung, die den Verwaltungscharakter der oberen Etagen widerspiegeln.

Architekturgeschichtliche Einordnung:

Staatliche Hochbauten der Kaiserzeit – insbesondere Post- und Justizgebäude – wurden bewusst monumental und wehrhaft gestaltet. Die Verwendung von rotem Backstein in Kombination mit mittelalterlich anmutenden Wehr- und Sakralelementen (wie Turm und Staffelgiebel) sollte die Beständigkeit, Autorität und Modernität der kaiserlichen Postverwaltung im städtischen Raum visuell untermauern.

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Einzelnachweise