Denkmal der Centenarfeier in Sodingen 1897: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 16. Juni 2026, 00:03 Uhr

Die Centenarfeier von 1897 war eine große, reichsweite Gedenkfeier zum 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. (geboren am 22. März 1797). Sie fand vom 21. bis 23. März 1897 im Deutschen Kaiserreich statt und wurde besonders von seinem Enkel, Kaiser Wilhelm II., als patriotisches und monarchisches Ereignis inszeniert. Auch in Sodingen wurde an der heutigen Einmündung zur Kantstraße ein provisorischer Gedenkstein enthüllt.

Centenardenkmal Sodingen
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Es ist noch tiefster Winter in Sodingen. Am Rande der nun als Marktplatz benutzen Wiese vor dem kaiserlichen Postamt Sodingen und der Gaststätte Wiesmann, gleich neben dem Trampelpfad zum Hof des Gemeindevorstehers Schulte-Alstede hin, der einmal die Kantstraße werden sollte, errichtete der Krieger- und Landwehrverein Sodingen-Börnig eine einfachen Gedenkstein für Kaiser Wilhelm I. Dieses als Vater des Kaiserreiches zu lobenden Herrscher feierte das ganze Reich zu seinem 100sten Geburtstag mit dem sog. Centenarfest. Wer nicht schon ein Denkmal hatte, stellte sich eins hin - wie in Sodingen -, oder vollzog einen Spatenstich - in Herne -! Bei der feierlichen Einweihung des Kriegerdenkmal in Sodingen 9 Jahre später im Jahre 1906 beschrieb Dr. Börding, "dass der Kaiserbrunnen an der Stelle des alten schlichten und bescheidenen 1897 enthüllten Gedenksteins für die im Krieg 1870/71 gefallenen Sodinger errichtet worden sei. "

Die Zeitung berichtete darüber folgendermaßen:

"Sodingen, 26. März. Am verflossenen Sonntag [22. März] wurde auch in unserer Gemeinde die Centenarfeier in würdiger Weise begangen. Gegen 3 Uhr fand die Aufstellung sämtlicher Vereine zu einem Umzuge durch die Gemeinde statt. Nach dem Festzuge sammelten sich die Vereine um den zu enthüllen­den Gedenkstein. Herr Ehrenoberst Dr. Börding hielt die Weihrede. In derselben hob er die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben Wilhelm des Großen hervor und endete mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm II. Auch unserer Veteranen hatte man gedacht. Jeder von ihnen erhielt zur Erinnerung an diesen hochwichtigen Tag eine Gedenkmünze[1]. Herr Betriebs­führer Stegmann schilderte in packenden Worten die Verdienste dieser Männer. Sein Hoch galt den Kriegern. Zur Hebung der Feierlichkeiten trugen die hiesigen Gesangvereine mehrere patriotische Lieder vor. Nach der Enthüllung zogen die ein­zelgen Vereine in ihre Lokale. Von den nun folgenden Feier­lichkeiten ist besonders die beim Herrn Wiesmann hervorzu­heben. Hier wurde „Königin Louise.“ (Vaterländisches Schauspiel in 4 Akten) von dem Theaterpersonal des Herrn Direktor Zwenger vorgeführt. Das Lokal war bis auf den letzten Platz gefüllt; mancher mußte sich mit einem Stehplätzchen begnügen. Herr Lehrer Flunkert hielt hier die Festrede. An dieser Stelle wollen wir auch dem Krieger= u. Landwehr­verein, sowie dem Feuerwehrverein unsern besten Dank dar­bringen, für die Mühe und die Opfer, die ste für die gute Sache angewandt haben.

Gelegentlich der Jahrhundertfeier wurde in Herne der Grundstein für ein Kaiser Wilhelm=Denkmal gelegt.

Als kommissarischer Amtmann für das Amt Baukau ist von der königlichen Regierung zu Arnsberg Herr la Roche ernannt worden. Genannter Herr war früher Gymnasiallehrer, ging dann zur Communalverwaltung über, arbeitete sich in Gelsenkirchen und Schalke in diese ein und funktionirte dann als Amtmann in Lichtenau im Regierungsbezirk Minden." [2]

Form und Aufbau

Das Denkmal ist als klassisches, vertikales Postament- oder Obeliskdenkmal konzipiert und gliedert sich in drei wesentliche Abschnitte:

Der Sockel (Basis): Das Denkmal steht auf einem mehrstufigen Fundament, das vermutlich aus Naturstein gefertigt ist. Es sorgt für die nötige Erhöhung und Stabilität.

Der Mittelbau (Stele/Inschriftblock): Auf dem Sockel ruht ein hoher, rechteckiger Pfeiler (Stele). Die Vorderseite ist mit einer hellen, eingelassenen Schrifttafel versehen, die eine mehrzeilige Inschrift trägt.

Die Bekrönung (Aufsatz): Das markanteste Element bildet der obere Abschluss. Auf dem Sims des Pfeilers thront ein plastisch ausgearbeiteter, dunkler Adler mit weit ausgebreiteten Schwingen. Der Blick des Vogels ist nach vorne bzw. leicht zur Seite gerichtet.

Stilistische Einordnung

Das Denkmal entspricht dem typischen Stil des Historismus (speziell dem Kaiserzeitlichen Monumentalismus), wie er im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Deutschland für Krieger- und Nationaldenkmäler allgegenwärtig war:

Patriotische Symbolik: Der Adler ist das zentrale herrschaftliche und nationale Symbol des Deutschen Kaiserreiches (Reichsadler). Er drückt Macht, Wachsamkeit und Erhabenheit aus.

Strenge Geometrie: Der Aufbau folgt einer klaren, symmetrischen und neoklassizistischen Linienführung. Die blockhafte Form der Stele wirkt monumental und zeitlos, was den feierlichen und erinnernden Charakter des Ortes unterstreicht.

Festliche Inszenierung: Passend zum historistischen Zeitgeist ist das Denkmal für den festlichen Anlass (vermutlich eine Einweihung oder ein Jahrestag) mit einer großen Girlande und Flaggen im Hintergrund (darunter Schwarz-Weiß-Rot) feierlich eingerahmt.


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Quellen

  1. Anlässlich der Feier stiftete Wilhelm II. die sogenannte Centenarmedaille („Medaille zur Erinnerung an des Hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm I., des Großen, Majestät“). Sie wurde an aktive Soldaten, Beamte, Lehrer und viele Veteranen verliehen. Wegen ihres gelben Bandes wurde sie volkstümlich auch „Zitronenorden“ genannt.
  2. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/6456516