Dorneburger Mühle (Eickel)
Die Dorneburger Mühle gehörte über Jahrhunderte zu den wichtigsten Wirtschaftsgebäuden des Ritterguts Haus Dorneburg im heutigen Herner Stadtteil Eickel. Als Getreidemühle war sie eng mit der landwirtschaftlichen Nutzung der umliegenden Güter verbunden und wurde ursprünglich durch den Dorneburger Mühlenbach angetrieben. Heute existiert das Gebäude nicht mehr – dennoch erinnert die lokale Geschichtsschreibung an die Mühle und ihren letzten Müller Bernhard Heßling.
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Die ehemalige Mühlenanlage (vor 1844) befand sich am nördlichen Ende der Königstraße ungefähr bei den Häusern 81a-81c.
Mittelalterliche Ursprünge
Die Geschichte der Dorneburger Mühle reicht mindestens bis ins 14. Jahrhundert zurück. Bereits 1358 wurden Henricus von Eclo, Schulte von Eickel, und seine Frau Mette vom Grafen Dietrich von Limburg mit der sogenannten „Wulfesmühle“ (Wolfsmühle) belehnt. Zu diesem Lehen gehörten außerdem fünf Morgen Land und zwei Wiesen im Gebiet „Gosewinkel“, die unmittelbar bei der Mühle lagen.
Im Jahr 1375 taucht die Kornmühle erneut in den Quellen auf: Bei der Aufteilung eines Erbes erhielt Diederich van Eyckell neben dem Schultenhof in Eickel auch zwei Wiesen im Gosewinkel „mit der Kornmühle“. Diese Erwähnungen zeigen, dass die Mühle bereits im Mittelalter Teil eines größeren landwirtschaftlichen Besitzkomplexes war.
Die Mühle lag an einem Nebenlauf der Emscher, dem später sogenannten Dorneburger Mühlenbach, dessen Wasserkraft über Jahrhunderte hinweg den Mühlenbetrieb ermöglichte.
Die Mühle im Besitz des Hauses Dorneburg
Über viele Jahrhunderte blieb die Mühle mit dem adeligen Gut Haus Dorneburg verbunden. Dieses gehörte verschiedenen Adelsfamilien und bildete einen zentralen Herrensitz in Eickel.
Im Jahr 1749 geriet das Gut Dorneburg mit den Herren von Strünkede zu Dorneburg in Konkurs. In einem Inserat des „Wöchentlichen Duisburgischen Adresse- und Intelligenzzettels“ wurde der Besitz zum Verkauf angeboten. Zur Konkursmasse gehörten neben dem Adelssitz auch die Wirtschaftsgebäude und die Mühle. Der Besitz wurde schließlich vom Freiherrn Friedrich Heinrich von Kuschinsky (1719-1772) erworben.
Nach dessen Tod im Jahr 1772 ging das Gut an seinen Neffen August Friedrich von Kuschinsky über. Später gelangte es durch Heirat an den Rittmeister Moritz von Untzer, der später Landrat des Kreises Bochum wurde.
Neubau nach dem Brand von 1844
Ein einschneidendes Ereignis war ein Brand im Jahr 1844, bei dem Teile des Gutes beschädigt wurden. Anschließend wurden das Haupthaus, die Wirtschaftsgebäude und auch die Mühle neu errichtet. Die Neubauten entstanden im klassizistischen Stil und verwendeten teilweise ältere Bauelemente aus früheren Gebäuden des Gutes.
Die Dorneburg blieb zunächst im Besitz der Familie von Untzer. Nachdem jedoch keine direkten Erben vorhanden waren, wurde das Gut 1866 verkauft. Käufer war der Bauer Heinrich Riemann aus Bickern. Kurz darauf ging das Gelände an die Zeche Shamrock, die große Teile des Areals übernahm.
Der letzte Müller: Bernhard Heßling
Ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Mühle begann 1899. In diesem Jahr kam der Müller Bernhard Heßling aus Stadtlohn im Münsterland nach Eickel. Am 15. Juni 1899 schloss er mit der Witwe Lepler, geborene Riemann, einen Pachtvertrag ab und übernahm die Dorneburger Mühle gegen eine jährliche Pacht von 800 Mark.
In einem Adressbuch aus dem Jahr 1906 wird seine Anschrift als „Bernhard Heßling, Dampfmühle, Alleestraße 1a“ (heute Holsterhauser Straße) angegeben.
Nachdem das Gelände von der Bergwerksgesellschaft übernommen worden war, erneuerte Heßling seinen Pachtvertrag mit der Zeche Hibernia, die inzwischen Eigentümerin geworden war.
Die Mühle entwickelte sich zu einem kleinen, aber wichtigen lokalen Betrieb. Fotografien aus den 1920er und 1930er Jahren zeigen das Gebäude nahe der damaligen Königstraße. Heßling ist darauf häufig mit Mehlsäcken vor seiner Mühle zu sehen – ein typisches Bild des Müllerhandwerks jener Zeit.
Zerstörung und Ende der Mühle
Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile der Gebäude der Dorneburg durch Bomben zerstört. Die Mühle blieb als letztes Gebäude der Anlage zwar erhalten, war jedoch stark beschädigt.
Der Sohn von Bernhard Heßling setzte die Familientradition fort und errichtete 1947 einen neuen Mühlenbetrieb an der Königstraße 79. Damit verlor die alte Dorneburger Mühle ihre wirtschaftliche Funktion.
Kurz darauf wurde das historische Gebäude abgerissen.
Erinnerung an die Dorneburger Mühle
Heute erinnert vor allem die lokale Geschichtsschreibung an die Dorneburger Mühle. Auch der Dorneburger Mühlenbach, der einst das Wasserrad antrieb, trägt ihren Namen und bildet weiterhin ein wichtiges Landschaftselement in Eickel.
Der letzte Müller Bernhard Heßling hinterließ zudem einen Vers, der die Atmosphäre des Mühlenbetriebs eindrucksvoll beschreibt:
„In der Mühle frisch und munter geht’s die Treppe auf und ab. Lustig rauf und lustig runter, immerfort in raschem Trab. Heißa wie die Räder sausen, Wasserströme niederbrausen, Stein sich da auf Mahlstein dreht, Mühle niemals ruhig steht.“
Dieser Spruch steht sinnbildlich für das geschäftige Leben in der Dorneburger Mühle – einem Bauwerk, das über Jahrhunderte ein fester Bestandteil der Geschichte von Herne-Eickel war.


