Conrad Gries
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Conrad Gries (geboren am 14. August 1920, gestorben am 18. Januar 2006) war ein deutscher Künstler
Leben
Der Wanne- Eickeler Conrad Gries verbrachte sein ganzes Leben in seiner Heimatstadt und lebte dort bis zu seinem Tode in der Karlstraße. Heute wissen wir nur wenig über diesen künstlerisch so begabten Mann. 1920 geboren, aufgewachsen mit vier weiteren Geschwistern, konnte er eine Lehre als Maler und Anstreicher machen.
Durch seine zeichnerische Begabung fiel er bereits in der Volksschule auf. Die Kindheit und Jugend verlief für Conrad nicht unbeschwert, war geprägt durch herbe Verluste. Die Eltern hatten zwölf Kinder, alle wurden in der Karlstraße geboren. Sieben Kinder verstarben früh, wenige Jahre alt. Der Vater verstarb 1938, der Sohn war im ersten Ausbildungsjahr.
1939 erhielt er ein Stipendium der Stadt Wanne-Eickel fÜr die Werkkunstschule in Dortmund. Die angebahnte Ausbildung wurde durch den Krieg abgebrochen, er wurde eingezogen, kam in englische Kriegsgefangenschaft, lernte Land und Leute lieben, kehrte erst 1948 nach Wanne-Eickel zurück.
Unterkunft fand er in der elterlichen Wohnung. In der Karlstraße teilte er sich die Zimmer mit der Mutter. Er hatte Glück und konnte als Geselle in seinem erlernten Beruf schnell Arbeit finden. Auch seine zeichnerische Begabung bildete er weiter aus. Die Kurse "Portrait-und Aktzeichnen" in der Wanne-Eickeler Volkshochschule ermöglichten ihm eine breite Grundlage zu schaffen, Rüstzeug für Entfaltung und Kreativität zu erwerben. Die Malklassen der VHS sorgten in den 1950er Jahren auch für überregionales Aufsehen.
Der Dozent Edmund Schuitz, Kunstmaler aus Wanne-Eickel und Leiter der Malklassen von 1947-1957, forderte und förderte seine Schülerinnen und Schüler mit immer neuen Herausforderungen. Vor Ort im Sitzungssaal des Wanner Rathauses: Akt- und Portraitzeichnen, Minutenzeichnen, Kreide- und Kohlezeichnen, Aquarelle in der freien Natur oder bei der handwerklichen Arbeit eigener "Kunst am Bau" Aufträge wie das große Triptychon in der Laurentiuskirche in Wanne-Eickel. Für diesen Auftrag stand bzw. lag Conrad Gries Modell. Die große zentrale Christusfigur der Kreuzigungsszene wurde von Gries dargestellt, damit Edmund Schuitz für sich die Perspektive entwickeln konnte. Auch bei der Fertigung des Mosaiks arbeitete er mit.
Wie wichtig ihm die Zusammenarbeit mit Schuitz war, zeigen die Zeitungsartikel der 1950er Jahre, die er sorgsam aufbewahrte. Zu seinem Nachlass gehören Skizzen und Zeichnungen aus der Kriegszeit und der Kriegsgefangenschaft in England. Skizzen, die heute im Besitz des "The Museum Alderney, Channel lslands" sind und dort präsentiert werden. Auch im Museum von Chipping Norton/Oxford werden seine Arbeiten über Land und Leute gewürdigt.
Sein feiner schneller Strich, sicher gesetzte Akzente, sind auch auf den Kopien zu sehen und zeigen einmal mehr, wie genau er beobachtete und seine Wahrnehmung ansprechend wider geben konnte. Besonders deutlich erkennt man diese Begabung in einer seiner wahrscheinlich letzten farbigen Skizze, es ist anrührend, wie detailgetreu und heiter er das lnterieur seines Zimmers festhält. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im "Betreuten Wohnen" im Hause Karlstraße 2.
ln der Nachkriegszeit zog es ihn, wie viele andere Deutsche, ans Mittelmeer - ltalien, Spanien, Griechenland, Agypten, lsrael, bis Mexico lockte die Sehnsucht ihn in die Ferne. Oft begleitet von seinem Kameraden, Bert Fengler, ein Freund aus Kindertagen. Unterwegs waren sie per Schiff, Zug und Flugzeug. Ein eigenes Auto hatten die beiden Reiselustigen nicht, sie gaben das Geld lieber für Urlaubsreisen aus und amüsierten sich.


Schaffen
Die Kamera und das Skizzenbuch hatte Conrad Gries immer dabei. Die wenigen schwarz-weiß Fotos ze¡gen einen schlanken Herrn mit vollem schwarzen Haar, der offen und freundlich in die Kamera blickt. Dem Anlass entsprechend gekleidet, mal offiziell, mal leger, häufig mit der Zigarette in der Hand, meist in fröhlicher Gesellschaft.
Leider sind nur wenige Arbeiten (Aquarelle/Zeichnungen) als Kopien erhalten, Gries kommentierte seine Erlebnisse gerne in Versform (gestammelte Werke), ergänzt mit lustigen Karikaturen am Blattrand. Sich selbst verschonte er nicht vor gehörigem Spott.
lmmer wieder beteiligte er sich an Ausstellungen, so in Bochum, Düsseldorf und Witten. ln Wanne-Eickel gehörte er m¡t zu den ersten Einzelausstellern, die bei Gerda Henrichs in der "Galerie Eingang Rote Tür" in der Martinistraße ausstellten. Aus dieser Phase "Andalusien - weiße Häuser, blauer Himmel" sind zwe¡ Ölbilder erhalten. Conrad Gries hat eine besondere dichte Spachteltechnik für sich entwickelt. Sie unterstreicht nachdrücklich die verschiedenen Weißtöne der in klarer Architektur geformten Häuser vor dem zurückhaltendem Blau des Hintergrunds. Sicher gesetzte erdige Farben grenzen sich gradlinig vom Grundton Weiß ab. Die Bilder regen den Betrachter an, die Leichtigkeit und Ruhe des sommerlichen Andalusiens nach zu empfinden.
Conrad Gries gehör1e zu den stillen, wenig beachteten Kunstmalern unserer Stadt. Die große Bühne scheute er und suchte keine Aufmerksamkeit. Er genoss die Reisen in Gemeinschaft mit Bert Fengler und seinen Freundeskreis in und über Wanne-Eickel hinaus. Der Kontakt zu England, seine kurzen Reisen auf die lnsel, waren ihm eine Herzenssache bis ins hohe Alter.
Einer langen innigen Brieffreundschaft haben wir es zu verdanken, dass sein Nachlass 2021 veröffentlicht werden kann.
Zusammenstellung: Ingeborg Müller-Schuitz

