Wilhelm Hoffmann

Wilhelm Hoffmann (geboren 1854 in Börnig, gestorben 1936 in Börnig) war Bauer und Schriftsteller/Dichter.

Der Bauer Wilhelm Hoffmann (1854 - 1936) [1]
Die Hochzeit von Wilhelm Hoffmann. Juli 1909 auf dem Hoffmann-Hof in Börnig. Wilhelm Hoffmann und Paula, geb. Pantring. [1]

Getrost hätte man auch umgekehrt schreiben können, denn oft standen, wie die Dorfältesten heute noch aussagen können, die letzten Kartoffeln des Börniger Bauern Wilhelm Hoffmann draußen auf den Äckern im Emscherbruch, während der Dichter Wilhelm Hoffmann daheim im stillen Stübchen im Erntejahr gesammeltes Gedankengut zu Prologen, Schauspielen und Romanen formte.

Just zur Herbstzeit schien seine Schaffenslust besonders stark gewesen zu sein; wenn vom Emscherbruch die Nebel in dickbankigen Schichten um seinen Hof, der unmittelbar am Bruch lag, heraufzogen. Die Lüchtemänneken in den Büschen seines Hofes tanzten. Für ihn, der in seinem Wesen nicht wenige Züge des Spökenkiekers verriet, war das der rechte Auftrieb zu all seinen düsteren Landschaftsschilderungen.

Ein an seinem Hofe vorbeifließender uralter Dorfbach, dessen starke Wasserführung durch die zahlreichen Springs, an denen gerade Börnig so reich ist, bestimmt wurde, wirkte für ihn durchaus nicht störend. Der mit Buchen bestandene Buckel vor seinem Hof hielt das ganze Anwesen in immerwährendem geheimnisvoll anmutendem Dunkel. Im Innern des Buckels hauste, wie der Volksmund es wahrhaben wollte, das Klingelpelzchen, Ein Zwerg, dieser Bergalte, der im Laufe der Jahrhunderte durch sein Klingeln mit einem silbernen Glöckchen das Dorf aufhorchen ließ, denn es kündigte im Emscherland aufkommende Zeiten des Grauens an. So soll es die Pest im Emscherbruch um 1636 und auch den letzten Weltkrieg angeläutet haben.

Wenn ich als Kind von der Dorfstraße her am Abend oder in der Dämmerung an diesem dunklen Bach vorbeimußte, kam mir das Gruseln an. Als ich einmal in den dreißiger Jahren mit dem Dichter Hoffmann darüber sprach, — er hatte gerade meine Erzählung „Der Emscherreiter" gelesen —, spürte ich an seinem listigen Lächeln, daß wir uns verstanden.

Ja, er fand als geplagter Emscherbauer immer noch Zeit und Muße die Geheimnisse des Bruchs zu ergründen. Hinter den drei letzten Buchstaben des Alphabets „XYZ" verbarg er sein dichterisches Schaffen. So stand 1885 im damaligen Castroper Lokalanzeiger zu lesen: „Ritter Paaland", Roman von XYZ.

Literarisch gesehen hatte er viele Merkmale eines Geschichtsromans zu verzeichnen. Er beschrieb das abenteuerliche Leben des derzeitigen Schlossherrn der Schadeburg. Ritter Palland lebte zu Beginn des 18. Jahrhunderts und war mit seinem herrischen Wesen eine unerträgliche Last für die ganze Bauernschaft Börnigs. Das Raunen des Dorfes über seine Freveltaten, veranlaßte Hoffmann zu seiner Niederschrift. Sein Drama: „Der Weidenhof“, westfälisches Lebensbild in 4 Akten, nebst Vor- und Nachspiel von XYZ, erschien im Selbstverlag J. Nüse, Castrop. Es behandelte das um diese Zeit in Romanen oft wiederkehrende Problem des Schuldnerbauern. Der allgemeine Niedergang des Bauerntums, nach den drei schlesischen Kriegen ruinierte auch die adligen Gutsherrn. Wie einst Jeremias Gotthelf zeichnete er auch auf, wie der Bauer nicht immer schuldlos im Kampf mit den Widerwärtigkeiten der Natur und des täglichen Lebens untergeht. Handelnde Personen des handgeschriebenen Dramas waren plattdeutsch sprechende Bauern, vergrämte Tagelöhner.

Seine tiefe religiöse Auffassung verrät uns sein Drama: „Die Brüder Ewalde“, ebenfalls fein säuberlich handgeschrieben, dazu jede handelnde Person einzeln aufgeschrieben. Nach vorgenommenen Veränderungen nannte er es „Das Kreuz am Wege". Es beschreibt die Missionstätigkeit der beiden ersten westfälischen Missionare, im Volksmunde der „schwarze und weiße Ewald“ genannt.

Beide Dramen „Der Weidenhof" und das „Kreuz am Wege" wurden in der Pfarrgemeinde Börnig-Sodingen, zu feierlichen Anlässen, von Laienspielern aufgeführt. Auch Tagesereignisse konnten ihn zum dichterischen Schaffen anregen. So schrieb er einen Prolog „Schadeburg“ aus Anlass der feierlichen Eröffnung des Börniger Kindergartens im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts.

All diese Aussagen kreisen mit ihrem eigenwilligen Gedankengut um jenen geheimnisvollen, landschaftlich düsteren Winkel am Rande des Emscherbruchs. [2] [3]

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Quellen

  1. 1,0 1,1 Foto aus der Sammlung von Gerd E. Schug
  2. Dieser Artikel stammt aus der Bürgerillustrierten Herne unsere Stadt, Ausgabe 3/4, 1967, Seite 40.
  3. Der Artikel ist von Friedrich Hausemann verfasst. Sein Sohn, Friedrich Hausemann jr. hat uns die Erlaubnis erteilt, diesen Artikel zu veröffentlichen. Wir möchten ihm dafür herzlich danken.