Bildung und Migration

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Susanne Peters-Schildgen

Für schulpflichtige Kinder fremdsprachiger Minderheiten ist die Situation in Deutschland besonders problematisch. Das Leben in zwei Kulturkreisen und die daraus resultierenden familiären Konflikte sowie Sprachschwierigkeiten erschweren den Lernprozess. Die Schule hat deshalb für diese Kinder eine doppelte Aufgabe zu erfüllen: Sie soll sowohl zu deren sozialen, sprachlichen und kulturellen Eingliederung beitragen als auch Sprache und Kultur des Heimatlandes fördern.

Bis zum Ersten Weltkrieg existierten im Deutschen Reich ausschließlich deutschsprachige Schulen. Trotz des nachgewiesenen hohen Anteils schulpflichtiger Kinder polnischer Volkszugehörigkeit - 1906 waren es 24,8 % in der Stadt Herne und den Ämtern Baukau und Sodingen - scheiterte die Einrichtung polnischer Minderheitenschulen an der preußischen Schulpolitik. Die Aufgabe der kulturellen und sprachlichen Erziehung der Kinder übernahmen neben den Eltern auch die polnischen Frauenvereine.

Nach dem Ersten Weltkrieg schuf die Aufnahme der Minderheitenschutzbestimmungen in die Reichs- und Landesverfassung augenscheinlich günstigere Bedingungen für die polnischen Immigranten zum Auf- und Ausbau eines eigenen Schul- und Bildungswesens. Derartige Bemühungen wurden jedoch von Seiten der Regierung und der Behörden boykottiert. Auch in Wanne-Eickel scheiterte 1928 die Einrichtung öffentlicher polnischer Minderheitenschulen an der vorgefassten Meinung des Oberbürgermeisters Kiwit, der sich gegen diese Schulform aussprach, obwohl die Voraussetzungen dafür erfüllt wurden. Langfristig konnte sich lediglich der in einigen Schulen und Gaststätten angebotene Sprach- und Leseunterricht durchsetzen, der sich in Wanne-Eickel auch für italienische Kinder nachweisen lässt.

In den 1990er Jahren bestand für die Kinder und Jugendlichen ausländischer Eltern ein vielfältiges Förderungsangebot in den unterschiedlichsten Organisationsformen. Dazu zählten muttersprachlicher Ergänzungsunterricht, Einschulungshilfen, besondere Vorbereitungs- und Auffangklassen für sogenannte "Seiteneinsteiger", die bereits im schulpflichtigen Alter ins deutsche Schulsystem gelangten, aber auch Elternarbeit, Lehrerfortbildung und berufsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen. Ungeachtet derartiger Angebote bestand ein Bildungsdefizit ausländischer Schülerinnen und Schüler gegenüber solchen deutscher Nationalität, wie die Herner Schulstatistik von 1995/96 eindeutig belegte. Augenfällig war der hohe Anteil ausländischer Schüler und Schülerinnen an den Haupt- und Sonderschulen. Die Ursachen lagen in kulturellen und sprachlichen Problemen dieser Kinder begründet, die sich weder mit der Kultur ihrer Eltern noch mit jener der Aufnahmegesellschaft identifizieren konnten.


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin und der Stadt Herne[1]
Der Text wurde für das Wiki redaktionell bearbeitet.

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Quellen