Urkunde 1358 Mai 17 (Gysenberg)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Bestätigung und Eid des Knappen Casarius von Gysenberg bezüglich der ihm vom Kölner Erzbischof Wilhelm (von Gennep) übertragenen Gerichtsbarkeit und des Richteramtes zu Bochum. Der Erzbischof schuldet ihm zudem 100 goldene Schilde (centum scudatis aureis) wegen Schäden aus einer Fehde/Krieg um Nuyssbache bei dessen Krieg gegen den Grafen von Arnsberg.

Bestätigungsurkunde
1358Jahr
17. MaiDatum
Urkunde
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 Rundes Wachssiegel, teilweise erhalten
Revers des Knappen Caesarius de Gysenberg: Bestätigung der ihm vom Kölner Erzbischof Wilhelm (von Gennep) übertragenen Gerichtsbarkeit und des Richteramtes zu Bochum; Entschädigung von 100 goldenen Schilden wegen Kriegsschäden.
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   Ausstellungsort
   Lechenich
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   Aussteller
   Erzbischof Wilhelm von Gennep (Köln)
   → Caesarius von Gysenberg, Knappe
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   Sprache
   Latein
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   Aufbewahrungsort
   Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
   Signatur: Kurköln, Urkunden AA 0001, Nr. 634
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   Original erhalten
   ✔ Original



Urkundentext

17. Mai 1358 Lechenich
[Einleitung des Knappen Caesarius] Allen, die diesen gegenwärtigen Brief einsehen oder hören werden: Ich, Cesarius von Gysenbahe [Gysenberg], Knappe, wünsche kundzutun, dass, da der ehrwürdigste Vater in Christus und mein Herr, Herr Wilhelm, Erzbischof von Köln, mir seine Gerichtsbarkeit in Boycheim (Bochum) mit den dazugehörigen Menschen und Rechten übertragen und mich dort zum Amtmann und Richter eingesetzt hat, wie es in seinem mir darüber ausgehändigten offenen Brief [Urkunde] vollständiger enthalten ist, dessen Wortlaut von Wort zu Wort folgt und wie folgt lautet:

[Eingebettete Urkunde des Kölner Erzbischofs Wilhelm] „Wilhelm, von Gottes Gnaden Erzbischof der heiligen Kölner Kirche, des Heiligen Reiches durch Italien Erzkanzler. Wir tun allen kund, dass wir – im besonderen Vertrauen auf die Rechtschaffenheit und Klugheit unseres Burgmanns Cesarius von Gysenbahe – demselben unsere Gerichtsbarkeit in Boycheim mit den Menschen, Erträgen, Rechten, Einkünften und deren Zugehörungen übertragen haben, damit er sie getreulich ausübe; und wir übertragen und setzen durch diesen gegenwärtigen Brief unser dortiges Amt und Richteramt für ihn ein.

Dies gilt mit der Maßgabe, dass er die genannten Menschen und die zu dieser Gerichtsbarkeit gehörenden Rechte, so wie es von alters her üblich war, beschützen und getreulich bewahren soll. Wir versprechen daher in gutem Glauben, denselben Cesarius in keiner Weise von der genannten Gerichtsbarkeit und deren Ausübung zu entfernen, es sei denn, es wird ihm wegen der Schäden und der einzelnen Verluste, Schäden und Ausgaben, die er in unserem Dienst in der Fehde [im Krieg] von Nuyssbache in der gesamten vergangenen Zeit bis zum heutigen Tag in irgendeiner Weise erlitten und geltend gemacht hat, in Höhe von 100 goldenen Schilden (scudati aurei) von gutem Gold und gerechtem Gewicht vollständig Genugtuung geleistet.

Wenn diese 100 goldenen Schilde ihm oder seinen Erben durch uns, unsere Nachfolger und unsere Kölner Kirche gegeben und vollständig gezahlt worden sind, können wir diesen Cesarius von der genannten Gerichtsbarkeit und deren Ausübung abberufen, wann immer es uns gefällt und es uns dann dennoch als zweckmäßig erscheint. Und von da an werden er und seine Erben uns dieselbe Gerichtsbarkeit mit den Menschen und den zu ihr gehörenden Rechten frei und ohne Bedingung in derjenigen Unversehrtheit zurückgeben und neu übertragen, in der wir ihm dieselbe übertragen haben, und zwar ohne Arglist.

Und er soll dies nicht unterlassen wegen irgendeiner Ursache, die jetzt besteht oder die in Zukunft wie auch immer entstehen könnte, wobei kein gegenteiliger Vorwand, kein Kunstgriff, keine List oder Arglist gesucht werden darf. Zum Zeugnis dessen haben wir ihm diesen Brief gegeben, der mit unserem Siegel besiegelt ist. Gegeben zu Lechenich am Mittwoch nach dem Pfingstfest, im Jahre des Herrn 1358.“

[Verpflichtung und Eid des Knappen Caesarius] Ich verspreche für mich und meine Erben, und kraft des gegenwärtigen Briefes verspreche ich in gutem Glauben, und ich habe auf die physisch berührten heiligen Evangelien Gottes geschworen, alle und jede einzelnen Punkte, die in dem oben geschriebenen Brief Gottes, meines Herrn von Köln, dargelegt und ausgedrückt sind, fest und unverletzlich einzuhalten.

Auch werde ich zu keiner Zeit für mich oder einen anderen, öffentlich oder heimlich, unter irgendeinem gesuchten Vorwand gegen denselben vorgehen oder dagegen handeln, mit irgendeinem Kunstgriff oder List, frei von Arglist.

Nichtsdestoweniger verzichte ich freiwillig, rein und vorbehaltlos für mich und meine genannten Erben auf alle und jede einzelnen Klagen, Ansprüche, Beschwerden und Rechtssachen, die mir aufgrund von irgendwelchen Verlusten, Schäden und Ausgaben zustehen könnten, die ich und meine Gefolgschaft im Dienst meines genannten Herrn von Köln in der besagten Fehde [im Krieg] von Gysenbahe in irgendeiner Weise erlitten, gemacht und gehabt haben, von der gesamten vergangenen Zeit bis zum heutigen Tag, frei von Arglist.

Zu dessen Zeugnis habe ich mein Siegel für mich und meine Erben an den gegenwärtigen Brief gehängt.

Gegeben im Jahre des Herrn und am Mittwoch, wie es im oben geschriebenen Brief meines Herrn von Köln angegeben ist.

Siegel (Reste)

Originaltranskript

[Zeile 1] Universis presentes litteras inspecturis seu audituris = Ego Cesarius de Gysenbahe armiger cupio fore notum quod cum reve-
[Zeile 2] rendissimus in christo pater et dominus meus dominus Wilhelmismus archiepiscopus Coloniensis michi iurisdictionem suam in Boycheim
[Zeile 3] cum hominibus et iuribus eiusdem commisserit et me fecerit ibidem officiatum et iudicem prout in littera sua patenti desuper
[Zeile 4] michi tradita plenius continetur Cuius tenor de verbo ad verbum sequitur et est talis Wilhelmismus dei gratia sancte coloni-
[Zeile 5] ensis Ecclesie Archiepiscopus Sacri Imperii per Italiam Archicancellarius Notum facimus universis quod nos de legalitate et discretione Cesarii de Gysen-
[Zeile 6] bache castrensis nostri specialiter confidentes eidem iurisdictionem nostram In Boycheim cum hominibus fructibus iuribus emolumentis
[Zeile 7] et pertinentiis eiusdem commisimus prope fideliter exercendam committimus et committimus per presentes officium et iudicium nostrum ibidem secum
[Zeile 8] et facimus per presentes Ita quod dictos homines et iura ad eandem iurisdictionem pertinentia prout ab antiquo consuetum extitit manute-
[Zeile 9] nebit et fideliter conservabit Promittentes igitur bona fide eundem Cesarium a dicta iurisdictione et eius exercitio nullatenus
[Zeile 10] amovere Nisi amoveris sibi de centum scudatis aureis boni auri et iusti ponderis In quibus sibi ratione dampnorum et singulorum
[Zeile 11] deperditorum dampnorum et expensarum per ipsum in servitio nostro in guerria de Nuyssbache a toto tempore preterito usque in diem
[Zeile 12] presentem quolibet habitorum et factorum tenemur et obligati sumus fuerit plenarie satisfectum Quibus quidem centum scudatis aureis
[Zeile 13] sibi vel heredibus suis per nos successores nostros et ecclesiam nostram coloniensem datis et integraliter persolutis ipsum cesarium a dicta iuris-
[Zeile 14] dictione et eius exercitio destituere poterimus quandocumque nobis fuerit placens Et tunc nichilominus visum fuerit expedire Et extunc ipse
[Zeile 15] et heredes sui nobis eandem iurisdictionem cum hominibus et iuribus ad ipsam pertinentibus liberam et sine conditione cum ea integritate
[Zeile 16] qua sibi eandem commisimus restituent et reassignent absque dolo Nec hoc dimittet propter aliquam causam nunc extantem
[Zeile 17] vel que suboriri quomodolibet poterit in futurum nullo in contrarium quesito colore arte ingenio sive dolo Dantes sibi
[Zeile 18] hanc litteram sigillo nostro sigillatam in testimonium super eo Datum Leche feria quarta post festum pentecostes Anno
[Zeile 19] domini Millesimo CCCmo Quinquagesimo octavo. Promitto pro me et heredibus meis et tenore presentium promitto bona fide et ad
[Zeile 20] sancta dei Ewangelia per me corporaliter tacta iuravi omnia et singula puncta in Dei domini mei coloniensis littera suprascripta
[Zeile 21] Enarrata et expressa firmiter et inviolabiliter observare Nec contra eandem collo quovis tempore pro me vel alio publice vel occulte
[Zeile 22] quovis quesito colore venire aut contra facere aliqua arte ingenio sine dolo Renuntians nichilominus sponte pure et sim-
[Zeile 23] pliciter pro me et dictis heredibus meis omnibus et singulis actionibus impetitionibus querelis et causis michi ratione quorumcumque
[Zeile 24] deperditorum dampnorum et expensarum que et quas ego et familia in servitio dicti Domini mei Coloniensis in guerria do Gysenbache
[Zeile 25] predicta quolibet sustinuimus fecimus et habuimus a toto tempore preterito usque in presentem diem absque dolo In cuius rei
[Zeile 26] testimonium sigillum meum pro me et meis heredibus presentibus appendi Datum Anno domini et feria quarta in littera dicti
[Zeile 27] domini mei coloniensis suprascripta.

Quelle und Literatur

  • Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland - AA 0001 / Kurköln, Urkunden AA 0001, Nr. 634 - Revers des Knappen Caesarius de Gysenberg, daß Erzbischof Wilhelm ihn rücksichtlich seiner Verluste in dem Krieg wider den Grafen von Arnsberg. Digitalisat

Siehe auch

Quelle