Urkunde 1085 - Kloster Pantaleon erhält Eickel
Aussteller Erzbischof Sigewin (Köln) → Kloster St. Pantaleon, Köln
Sprache Latein
Originaltext
In nomine sancte et individue trinitatis. Sigewinus divina propitiante clementia sancte Coloniensis ecclesie archiepiscopus omnibus sancte dei ecclesie fidelibus tam presentibus quam futuris in perpetuum. Nos, quia divina misericordia constituit patrem ecclesiarum nobis subiectarum, iustum esse censuimus, ut ecclesias nostre cure commissas prelationis nostre auctoritate confirmemus. Notum igitur vobis esse volumus, quod cum Hermannus abbas et conventus sancti Panthaleonis in Colonia quedam bona, scilicet quoddam allodium quod vocatur Eyckloe quod situm est in pago Westphahe et decem mansos in Rychbecke, quod situm est in pago Angrie, cum omnibus rebus mobilibus et immobilibus, silvis, pratis, pascuis, aquis aquarumque decursibus et hominibus ad eadem bona pertinentibus, accedente consilio nostro et voluntate legitime comparassent, petivit a nobis idem abbas, ut ipsa bona, < que erant absoluta ab omni onere et servicio cuiuslibet advocacie >, dicto suo monasterio sancti Panthaleonis, de cuius monasterii thesauro comparata fuerant, confirmaremus et banno nostro stabiliremus. Nos ergo prenominata bona, quia iuste et legaliter cum hominibus et omnibus aliis pertinentiis suis (a) per emptionem transierunt in ius et proprietatem abbatis et monasterü sancti Panthaleonis in Colonia, ut dictum est, < et cum essent libera et absoluta cum suis pertinentiis ab omni onere et servitio cuiuslibet advocatie >, dictis (b) abbati et monasterio suo prefata bona ab ipsis pacifice possidenda auctoritate nostra confirmavimus et vinculo anathematis nostri a generatione in generationem stabilivimus, ita quod abbas et monasterium sancti Panthaleonis in Colonia liberam habeant potestatem de sepedictis bonis disponendi ad utilitatem suam imperpetuum. Huic confirmationi aderant cognitores probi et testes idonei Hermannus prepositus de sancto Petro, Hezelinus prepositus de Gradibus, Bernardus prepositus de Susato, Gerhardus decanus de sancto Petro, Eginoldus subdecanus, Berewigus capellarius, capellani archiepiscopi Godefridus, Gezo, Ingrammus. Milites etiam Godefrid dapifer, Ekebrech de Seblica, Eppo, Heinrich (c), Guntram de Saleueldon. Acta sunt hec Colonie anno dominice incarnationis M octogesimo quinto, < anno pontificatus domini Urbani pape primo, > regnante feliciter domno Hinrico (d) quarto imperatore Romanorum et sempter augusto, anno vero pontificatus nostri septimo.
a) Fehlt L b) dicto L c) Henrich L d) Henrico L
Übersetzung:
Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit.
Sigewin, durch die gnädige Barmherzigkeit Gottes Erzbischof der heiligen Kirche von Köln, entbietet allen Gläubigen der heiligen Kirche Gottes, den gegenwärtigen wie den zukünftigen, seinen Gruß auf ewig.
Da uns die göttliche Barmherzigkeit zum Vater der uns unterstellten Kirchen bestellt hat, hielten wir es für gerecht, die unserer Fürsorge anvertrauten Kirchen durch die Autorität unseres Amtes zu bestätigen.
Wir wollen daher kundtun, dass der Abt Hermann und der Konvent von St. Pantaleon in Köln gewisse Güter rechtmäßig erworben haben, und zwar ein Allod, das Eyckloe genannt wird und im Gau Westfalen liegt, sowie zehn Hufen in Rychbecke, gelegen im Gau Angrien, mitsamt allen beweglichen und unbeweglichen Gütern, Wäldern, Wiesen, Weiden, Gewässern und Wasserläufen sowie den zu diesen Gütern gehörenden Menschen. Nachdem dies mit unserem Rat und unserer Zustimmung geschehen war, bat uns derselbe Abt, diese Güter – die von jeder Last und jedem Dienst irgendeiner Vogtei frei und unbelastet waren – seinem Kloster St. Pantaleon zu bestätigen, da sie aus dem Schatz dieses Klosters erworben worden waren, und sie durch unseren Bann zu sichern.
Wir bestätigen daher die vorgenannten Güter, weil sie, wie gesagt, rechtmäßig und gesetzmäßig zusammen mit den Menschen und allen übrigen Zugehörungen durch Kauf in das Recht und Eigentum des Abtes und des Klosters St. Pantaleon in Köln übergegangen sind, und da sie mit ihrem Zubehör frei und unbelastet von jeder Last und jedem Dienst irgendeiner Vogtei waren, den genannten Gütern dem genannten Abt und seinem Kloster zu friedlichem Besitz durch unsere Autorität. Zugleich haben wir sie durch das Band unseres Anathems für alle kommenden Generationen gesichert, sodass der Abt und das Kloster St. Pantaleon in Köln auf ewig die freie Verfügungsgewalt über die genannten Güter zu ihrem Nutzen besitzen sollen.
Bei dieser Bestätigung waren als kundige und geeignete Zeugen anwesend:
- Hermann, Propst von St. Peter,
Hezelin, Propst von St. Maria ad Gradus,
Bernhard, Propst von Soest,
Gerhard, Dekan von St. Peter,
Eginold, Subdekan,
Berewig, Kämmerer,
die erzbischöflichen Kapläne Godefrid, Gezo und Ingramm.
Ferner die Ritter:
- Godefrid, Truchsess,
Ekebrecht von Seblica,
Eppo,
Heinrich,
Guntram von Saleueldon.
Geschehen ist dies in Köln im Jahr der Menschwerdung des Herrn 1085, im ersten Jahr des Pontifikats Papst Urbans, unter der glücklichen Herrschaft des Herrn Heinrich IV., des römischen Kaisers und allzeit Mehrers des Reiches, im siebten Jahr unseres eigenen Pontifikats.
Anmerkungen:
- Allodium = Allod, freies Eigengut ohne lehnsrechtliche Bindung.
- Mansus = Hufe, mittelalterliches Maß für einen bäuerlichen Hof bzw. dessen Landbesitz.
- Advocatia = Vogtei; die Schutz- und Herrschaftsrechte eines Vogtes über kirchliche Güter.
- Bann und Anathema bedeuten hier eine kirchenrechtliche Schutz- und Sanktionsgewalt gegen Eingriffe in die bestätigten Rechte.
- Die in spitzen Klammern stehenden Passagen gelten in der Editionspraxis meist als spätere Zusätze oder textkritisch unsichere Stellen.
Auf gewisse Unstimmigkeiten, nämlich die Nennung des Papstes Urban II , der sein Amt erst 1088 angetreten hat, und die beiden auffälligen Übereinstimmungen mit einer zweifelsfreien Interpolation in der Urkunde des Erzbischofs Hermann III. (s. Rh UB 310) hat bereits Oppermann (1922) 1 S. 256 f. und 261 f. aufmerksam gemacht, der aber zu Recht eine echte Vorlage gelten ließ. Die erwähnten Stellen, in denen die Freiheit der geschenkten Güter von allen Vogteilasten verfügt wird, sind analog zu RhUB 310 als fälschende Einschübe aus der Zeit um 1130 zu betrachten. Abzulehnen ist die ohne Begründung vorgetragene These von Weise (1929) S. 34, eine der beiden weitgehend gleichlautenden Interpolationen sei deshalb erfolgt, um eine dem Kloster nicht genehme Einschränkung seiner Besitzrechte zu unterdrücken. Schwierigkeiten mit den Vögten zu Eick[el] hat es offenbar kurz vor 1227 gegeben (Kuphal (1926) S. 225), bei denen vielleicht unser Stück neben anderen Verwendung fand. Die Nennung des Papstes Urban II. ist ebenfalls als Interpolation zu werten; sie läßt sich auch nicht durch die Annahme einer verspäteten Ausfertigung retten, da das Bistum Köln während dieser Zeit fest zu dem Gegenpapst Clemens III. stand. Das von Oppermann beanstandete in perpetuum der Grußformel ist dagegen unverdächtig (Weise (1929) S. 34). Oppermann (1922) I S. 30 f. hat als Verfasser den in der Zeugenliste genannten capellarius Berewigus (= Bero) bezeichnet, der seine Schulung in der Reichskanzlei empfangen habe, was er aus einer Diktatübereinstimmung der Korroboration mit einer Urkunde Heinrichs IV. für das Aachener Marienstift schloß (DH. IV. 283 = RhUB 42). Das geht zu weit. Weniger Schwierigkeiten macht die Annahme, daß der Verfasser Urkunden Heinrichs IV. etwa aus dem erzbischöflichen Archiv gekannt hat und sich von ihnen beeinflussen ließ. In der Zeugenliste ist der Soester Propst Bernhard erwähnt. Da sein Vorgänger Humbert noch 1085 bezeugt ist, kann die Urkunde nicht gerade in den Anfang dieses Jahres gehören. Der Besitz zu Eickel erscheint noch im ältesten Urbar (Rhein. Urbare 1 S. 129). Die Identifizierung des anderen Ortes mit Rixbeck schlug Oediger, REK 11174 vor. (W) Grundlage für die Textwiedergabe ist H. (G.)
Literatur
- Oppermann (1922) I S. 450 Nr. 12 (nach L) Reg.: REK 11174.
- Schleiden, Rheinisches Urkundenbuch Bd. 2 S. 313 Nr. 307
Siehe auch
- Urkunde 1085 (Weiterleitungsseite) (← Links)
Quelle
- Abschrift 15. Jh.: HASt Köln, Geistl. Abt. 203 a BI. 30V (H).
- Abschrift 18. Jh.: Ebda., Best. 1001 (Sig. Alfter) Bd. 23 S. 321 f. (L).
