Tunnel Baukau (A43-A42)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Denkmalplakette NRW
Tunnel Baukau
Platte 10. September 2026[1]
Herne-Mitte
🏛️
Erbaut2019–2025
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StadtbezirkOrtsteil

Der Tunnel Baukau ist ein Autobahntunnel im Autobahnkreuz Herne, der die Verbindung von der Bundesautobahn 43 in Fahrtrichtung Münster zur Bundesautobahn 42 in Fahrtrichtung Duisburg beziehungsweise Oberhausen herstellt. Das Bauwerk wurde im Rahmen des sechsstreifigen Ausbaus der A 43 zwischen Marl und Witten errichtet und am 18. August 2025 für den Verkehr freigegeben.

Mit dem Tunnel entstand eine neue, unterirdisch geführte Verkehrsverbindung innerhalb eines der verkehrlich und bautechnisch anspruchsvollsten Autobahnknotenpunkte des Ruhrgebiets. Seine Besonderheit liegt darin, dass er nicht nur zwei Autobahnen, sondern auch eine dreigleisige Eisenbahnstrecke unterquert. Die beengten Platzverhältnisse zwischen bestehenden Verkehrswegen, Bahntrassen und städtischen Straßen machten eine konventionelle oberirdische Rampenführung unmöglich.

Vorgeschichte und Planung

Das Autobahnkreuz Herne verbindet die in Nord-Süd-Richtung verlaufende A 43 mit der in Ost-West-Richtung verlaufenden A 42. Beide Autobahnen gehören zu den wichtigen Verkehrsachsen des Ruhrgebiets. Die A 43 stellt eine Verbindung zwischen dem nördlichen Ruhrgebiet und dem Raum Münster her, während die A 42 als Emscherschnellweg die Städte des nördlichen Ruhrgebiets miteinander verbindet.

Mit dem geplanten sechsstreifigen Ausbau der A 43 zwischen Marl und Witten musste auch das Autobahnkreuz Herne grundlegend umgebaut werden. Die vorhandenen Verkehrsführungen und Brückenbauwerke entsprachen nicht mehr den Anforderungen des zukünftigen Verkehrsaufkommens.

Eine besondere Herausforderung stellte die räumliche Situation im Bereich des Autobahnkreuzes dar. Neben den beiden Autobahnen verlaufen hier mehrere Eisenbahnstrecken, die Cranger Straße sowie zahlreiche Versorgungsleitungen. Die verschiedenen Verkehrswege liegen auf unterschiedlichen Höhen und lassen nur begrenzten Spielraum für zusätzliche Bauwerke.

Insbesondere für die Verkehrsbeziehung von der A 43 aus Richtung Bochum auf die A 42 in Richtung Duisburg musste eine neue Lösung gefunden werden. Eine weitere oberirdische Brücke hätte aufgrund der vorhandenen Höhenverhältnisse und der angrenzenden Verkehrswege nicht verwirklicht werden können.

Die Planer entschieden sich deshalb für eine unterirdische Führung. Der neue Tunnel sollte die A 42 und die A 43 unterqueren und anschließend auch eine Eisenbahntrasse passieren.

Die Planung und die technischen Besonderheiten des Vorhabens wurden 2022 von Dennis Clostermann, Carsten Peter und Guido Meinzer im Fachbeitrag „Autobahnkreuz Herne – Neubau des Tunnels Baukau“ im Rahmen des 13. Kolloquiums Bauen in Boden und Fels veröffentlicht.[2]

Baugeschichte

Baubeginn 2019

Bild: Arnoldius 20. November 2020[3]

Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2019 unter der Federführung des Landesbetriebs Straßen.NRW. Im Jahr 2021 wurde das Projekt auf die neu gegründete Autobahn GmbH des Bundes übertragen.

Der Bau erforderte eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren des Spezialtiefbaus. Dabei mussten die Arbeiten unter Berücksichtigung des laufenden Autobahn- und Eisenbahnverkehrs erfolgen.

Insgesamt wurden für das Projekt rund 125.000 Kubikmeter Erde und Fels bewegt und etwa 27.000 Kubikmeter Beton verbaut. Die Arbeiten wurden durch schwierige geologische und hydrogeologische Verhältnisse zusätzlich erschwert.[4]

Der Tunneldurchstich 2023

Eine der schwierigsten Bauphasen war die Unterquerung der dreigleisigen Eisenbahnstrecke. Der Bahndamm musste während der gesamten Bauarbeiten für den Zugverkehr nutzbar bleiben. Bewegungen und Setzungen im Gleisbereich mussten daher weitgehend ausgeschlossen werden.

Für die Unterquerung kam ein aufwendiges Rohrschirmverfahren zum Einsatz. Dabei wurden 21 große Stahlrohre mit einem Durchmesser von jeweils 1,60 Metern unter dem Bahndamm hindurchgeführt. Die Rohre bildeten eine schützende Konstruktion, unter der anschließend der eigentliche Tunnel hergestellt werden konnte.

Die Vorbereitungen umfassten außerdem umfangreiche Bodeninjektionen. Rund 400 Injektionen dienten dazu, den vorhandenen Bahndamm zu stabilisieren und mögliche Hohlräume im Untergrund zu verfüllen.

Im August 2023 gelang schließlich der Tunneldurchstich. Damit war die Verbindung zwischen den beiden Baugruben unterhalb der Eisenbahnstrecke hergestellt.[5]

Ansicht des Tunnelausgang an der A42 in Richtung Herne-Crange von A43 auf A42 im November 2020, darüber die Bahnstrecken Bochum—Gelsenkirchen-Bismarck, Bochum—Recklinghausen und Herne—Recklinghausen. Bild: Arnoldius 23. November 2020[6]

Fertigstellung und Verkehrsfreigabe 2025

Nach dem Tunneldurchstich folgten die Fertigstellung des Rohbaus, die Herstellung der Fahrbahn sowie die Installation der technischen Einrichtungen.

Am 18. August 2025 wurde der Tunnel Baukau offiziell für den Verkehr freigegeben. Die Verkehrsfreigabe erfolgte im Beisein von Vertretern der Autobahn GmbH, der Landesregierung und der Stadt Herne.

Die Baukosten beliefen sich nach Angaben der Autobahn GmbH auf rund 84 Millionen Euro. Zunächst stand den Verkehrsteilnehmern nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Nach dem weiteren Ausbau der A 42 sollte die Verbindung zweistreifig genutzt werden können.[7]

Tunnelpatenschaft

Eine besondere Rolle bei der Entstehung des Tunnels übernahm Andrea Oehler, Bürgermeisterin der Stadt Herne. Sie wurde zur offiziellen Tunnelpatin ernannt und begleitete das Bauvorhaben. Bei der Verkehrsfreigabe am 18. August 2025 nahm sie gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda sowie Vertretern des Bundesverkehrsministeriums und der Autobahn GmbH an der Eröffnung teil.

In ihrer Ansprache hob sie insbesondere die technische Leistung und die Zusammenarbeit der am Bau beteiligten Menschen hervor. Sie wünschte den Verkehrsteilnehmern eine sichere Fahrt durch das neue Bauwerk.[8]

Bauliche und technische Besonderheiten

Länge und Aufbau

Der eigentliche Tunnel besitzt eine Länge von rund 550 Metern. Hinzu kommt eine etwa 187 Meter lange, nach oben offene Zufahrt in Form eines Trogbauwerks.

Damit ergibt sich für die gesamte unterirdisch geführte Verkehrsverbindung eine Länge von ungefähr 737 Metern.

Der Fachaufsatz von 2022 nennt für das Gesamtbauwerk eine Länge von etwa 745 Metern, aufgeteilt in 185 Meter Trogbauwerk und 552,5 Meter Tunnel. Die geringfügigen Abweichungen gegenüber den später veröffentlichten gerundeten Angaben ergeben sich aus den unterschiedlichen Planungs- und Darstellungsständen.[9]

Zum Bauwerk gehören neben der eigentlichen Tunnelröhre:

  • das südliche Trogbauwerk als Zufahrt,
  • mehrere geschlossene Tunnelabschnitte,
  • ein Fluchtstollen für Notfälle,
  • ein oberirdisches Betriebsgebäude,
  • technische Anlagen für den Tunnelbetrieb,
  • Einrichtungen zur Löschwasserversorgung und zur Bewältigung von Havariefällen.

Besondere Bauverfahren

Der Tunnel wurde überwiegend in offener Bauweise hergestellt. Dabei wurden zunächst Baugruben angelegt, die Tunnelwände errichtet und anschließend die Decken hergestellt beziehungsweise die Bauwerke wieder mit Erdreich überdeckt.

An den Stellen, an denen bestehende Autobahnen unterquert werden mussten, kamen teilweise Deckelbauweisen zum Einsatz. Hierbei wurden zunächst die seitlichen Baugrubenwände und die darüberliegende Decke hergestellt. Anschließend konnte der darunterliegende Tunnelbereich ausgehoben werden.

Besonders anspruchsvoll war die Unterquerung des Bahndamms. Hier musste auf einer Länge von ungefähr 60 Metern unter drei weiterhin befahrenen Gleisen gearbeitet werden.

Die 21 Stahlrohre des Rohrschirms hatten einen Durchmesser von 1,60 Metern. Sie wurden unter dem Bahndamm eingebracht und dienten als vorauseilende Sicherung für den anschließenden bergmännischen Vortrieb. Die Arbeiten erfolgten bei laufendem Eisenbahnverkehr.

Grundwasser und geologische Bedingungen

Eine weitere Herausforderung stellte die Grundwassersituation dar. Der Untergrund im Bereich des Autobahnkreuzes ist durch frühere industrielle Nutzungen, Bergbau und umfangreiche Bautätigkeiten geprägt.

Die geologischen Verhältnisse bestehen unter anderem aus künstlichen Auffüllungen, quartären Ablagerungen des Emschertals und darunterliegendem Emscher-Mergel.

Besonders problematisch war eine bekannte Grundwasserbelastung durch eine nahegelegene Altlast. Die Bauarbeiten durften nicht dazu führen, dass belastetes Grundwasser in Richtung der Baugrube verlagert wurde.

Zur Kontrolle des Grundwassers wurden insgesamt 40 Förderbrunnen und 30 Wiederversickerungsbrunnen eingerichtet. Das entnommene Wasser wurde aufbereitet und in unmittelbarer Nähe wieder dem Untergrund zugeführt. Ein umfangreiches Mess- und Überwachungssystem kontrollierte während der Bauarbeiten die Grundwasserverhältnisse.[10]

Verkehrliche Bedeutung

Mit dem Tunnel Baukau wurde eine zuvor oberirdisch nicht realisierbare Verkehrsbeziehung innerhalb des Autobahnkreuzes geschaffen.

Die Verbindung führt den Verkehr von der A 43 aus Richtung Bochum beziehungsweise Witten auf die A 42 in Richtung Duisburg und Oberhausen. Durch die unterirdische Führung kann diese Verkehrsbeziehung unabhängig von den bereits bestehenden Brücken- und Rampenführungen abgewickelt werden.

Gleichzeitig schafft das Bauwerk die Voraussetzungen für den sechsstreifigen Ausbau der A 43. Die neue Verkehrsführung ermöglicht längere Beschleunigungs- und Einfädelungsbereiche und soll damit den Verkehrsfluss im Autobahnkreuz verbessern.

Der Tunnel ist somit nicht nur ein eigenständiges Bauwerk, sondern ein wesentlicher Bestandteil des umfassenden Umbaus des Autobahnkreuzes Herne.

Bedeutung für die Stadtentwicklung

Das Autobahnkreuz Herne gehört zu den infrastrukturell besonders stark beanspruchten Verkehrsknotenpunkten des Ruhrgebiets. Seine Entwicklung ist eng mit der Verkehrsgeschichte der Region und dem Wandel des Ruhrgebiets von einer industriell geprägten Landschaft zu einem dicht vernetzten Wirtschafts- und Lebensraum verbunden.

Der Tunnel Baukau steht beispielhaft für die zunehmende technische Komplexität moderner Infrastrukturmaßnahmen in bereits dicht bebauten und mehrfach überformten Stadtlandschaften.

Die Kombination aus Autobahnen, Eisenbahnstrecken, kommunalen Straßen und Versorgungsleitungen erforderte eine außergewöhnliche ingenieurtechnische Lösung. Mit dem Bauwerk erhielt das Autobahnkreuz eine zusätzliche Verkehrsebene.

Literatur und Quellen

  • Clostermann, Dennis / Peter, Carsten / Meinzer, Guido: Autobahnkreuz Herne – Neubau des Tunnels Baukau, in: Kolloquium Bauen in Boden und Fels, Band 13, 2022, S. 79–83.
  • Die Autobahn GmbH des Bundes: Neubau des Tunnels Baukau im Kreuz Herne, Projektbeschreibung.
  • Die Autobahn GmbH des Bundes: Verkehrsfreigabe des neuen Tunnels Baukau im Kreuz Herne – Meilenstein für den Ausbau der A 43, Pressemitteilung vom 19. August 2025.
  • Westdeutscher Rundfunk: Entlastung auf Ruhrgebietsautobahn: Tunnel im Kreuz Herne eröffnet, 18. August 2025.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Tunnel_Baukau

Verwandte Artikel

Einzelnachweise

  1. ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Clp_20260910_Tunnel_Baukau.jpg
  2. ↑ Clostermann, Dennis / Peter, Carsten / Meinzer, Guido: Autobahnkreuz Herne – Neubau des Tunnels Baukau, in: Kolloquium Bauen in Boden und Fels, Band 13, 2022, S. 79 ff.
  3. ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herne_Motorway_junction_construction_site_1.jpg
  4. ↑ Die Autobahn GmbH des Bundes: Neubau des Tunnels Baukau im Kreuz Herne, Projektbeschreibung, https://www.autobahn.de/planen-bauen/projekt/a42-a43-tunnel-baukau
  5. ↑ Clostermann / Peter / Meinzer: Autobahnkreuz Herne – Neubau des Tunnels Baukau, 2022, insbesondere die Abschnitte zur geotechnischen Sicherung und zum Rohrschirmverfahren.
  6. ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herne_Motorway_junction_construction_site_3.jpg
  7. ↑ Die Autobahn GmbH des Bundes: Verkehrsfreigabe des neuen Tunnels Baukau im Kreuz Herne – Meilenstein für den Ausbau der A 43, 19. August 2025, https://www.autobahn.de/aktuelles/aktuell/verkehrsfreigabe-des-neuen-tunnels-baukau-im-kreuz-herne-meilenstein-fuer-den-ausbau-der-a43
  8. ↑ Die Autobahn GmbH des Bundes: „Verkehrsfreigabe des neuen Tunnels Baukau im Kreuz Herne – Meilenstein für den Ausbau der A43“, 19. August 2025.
  9. ↑ Clostermann / Peter / Meinzer: Autobahnkreuz Herne – Neubau des Tunnels Baukau, 2022, S. 79–80.
  10. ↑ Clostermann / Peter / Meinzer: Autobahnkreuz Herne – Neubau des Tunnels Baukau, 2022, Abschnitt 4: Grundwasserhaltung.
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