Soleier in Herne – Geschichte, regionale Bedeutung und Rezept

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Soleier in Herne – Geschichte, regionale Bedeutung und Rezept

Soleier in Gewürzlake
(Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Soleier-RZ1.jpg)

Einleitung

Soleier gehören zu den traditionellen Kneipen- und Trinkhallenspeisen im Ruhrgebiet und hatten in Herne, Wanne und Eickel bis weit ins späte 20. Jahrhundert einen festen Platz im Alltag vieler Bergleute und Stammgäste. Sie waren ein preisgünstiger und haltbarer Snack, der zu Bier und Korn gereicht wurde – ein fester Bestandteil der typischen Ruhrgebiets-Kneipenkultur, wie sie auch in Herne besonders ausgeprägt war.

Historischer Hintergrund

Die Technik, Eier in Salzlake haltbar zu machen, war schon seit Jahrhunderten bekannt. Ihre regionale Bedeutung bekam sie jedoch erst im Industriezeitalter. Mit dem Aufstieg der Montanindustrie ab Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs Herne rasant: Arbeiter aus verschiedenen Regionen Deutschlands und Europas prägten das städtische Leben, und einfache, haltbare Speisen waren in den dicht besiedelten Arbeiterquartieren weit verbreitet.

Soleier in Herner Kneipen und Trinkhallen

Vom Eickeler Markt über die Bahnhofstraße bis zu den Siedlungen rund um die Zechen Shamrock, Friedrich der Große, Mont-Cenis oder Unser Fritz waren Soleier in vielen Wirtschaften ein Standardangebot. Ältere Herner erinnern sich noch heute daran, wie sie in Schalen oder großen Einmachgläsern auf den Theken lagen, oft gemeinsam mit Rollmops, Bismarckheringen oder Matjes – die typische „Kneipenauslage“ der Zeit.

Besonders die Trinkhallen („Buden“), die im Herner Stadtbild spätestens seit den 1920er-Jahren fest verankert sind, boten Soleier als schnellen Snack für Zechenpendler und Jugendliche an. Dort waren sie vor allem beliebt, weil sie ohne Kühlung auskamen und auch in heißen Sommermonaten lange haltbar blieben.

Eierspreisen daheim

"Etwas vom Eierkochen. Zur Zeit der billigen Eier, wie jetzt[1], muss man Eier und Eierspeisen essen! Sie sind eine gar willkommene Abwechslung nach den vielen Fleisch­gerichten des Winters und verhelfen zu einem guten Übergang in der gemüsearmen Zeit. Es gibt eine große Menge Eierspeisen, die immer gut bekömmlich und auch nicht zu teuer sind. Hochfein schmeckt freilich ein Solei, das noch pikanter wird, wenn man gut ge­wässerte Sardellen dazu schmaust, oder Brot mit Sardellenbutter, oder wenn man einige Tropfen Maggi=Würze auf die Scheibe gibt. Andere ziehen weich= oder nur halbweich ge­kochte Eier vor."

Lokale Anekdoten

"Also, jetzt wären wir wieder soweit! Ab morgen kann Karlchen wieder die ahnungsvolle Frage stellen: „Pünktchen, wohin rollt ihr?“ Freundschaftsspiele sind ja ganz nett, aber für den richtigen Fußballer sind sie so etwas wie ein Pils ohne richtiggehende Haube, wie ein Solei ohne Pfeffer und Salz, wie ein Stück lufttrockene westfälische Mettwurst [...] ohne Mostrich! "[2]

Viele Wirte in Herne hatten eigene Rezeptvarianten. In Eickel sprach man beispielsweise von besonders „pfeffrigen“ Soleiern, während in Horsthausen und Holsterhausen eher milde Laken beliebt waren. Manche Stammkneipen machten sogar scherzhafte Wettbewerbe daraus, wer das schärfste oder kräftigste Solei anbieten konnte.

Zubereitung – Traditionelles „Herner“ Soleier-Rezept

Zutaten
10 Eier
1 Liter Wasser
70–80 g Salz
1–2 Lorbeerblätter
1 TL schwarze Pfefferkörner
1–2 Zwiebeln, halbiert
Optional typisch „ruhrpöttisch“: Knoblauch, Chili, Wacholderbeeren oder Senfkörner
Zubereitung
Hart kochen:
Eier etwa 10 Minuten kochen und anschließend kalt abschrecken.
Anknacken:
Die Schale rundum leicht anschlagen, ohne sie zu entfernen. Dies sorgt für die charakteristische Marmorierung.
Sole herstellen:
Wasser mit Salz, Zwiebeln und Gewürzen 5–10 Minuten köcheln lassen. Danach vollständig abkühlen.
Einlegen:
Eier in ein Glas oder einen Steintopf gelegt und vollständig mit der abgekühlten Lake bedecken.
Reifen lassen:
Mindestens 2–3 Tage ziehen lassen; nach etwa einer Woche haben sie den typischen, kräftigen Geschmack.
Servierweise wie „früher an der Theke“
Das Ei wird halbiert, das Eigelb herausgenommen und die Mulde mit Salz, Pfeffer, Senf oder einem Tropfen Essig gefüllt. Danach wird das Eigelb wieder eingesetzt oder direkt separat gegessen – eine im Ruhrgebiet weit verbreitete Art des Verzehrs.

Soleier heute

Obwohl viele traditionelle Kneipen in Herne verschwunden sind, erlebt das Gericht in den letzten Jahren eine kleine Wiederentdeckung. Auf Wochenmärkten, Stadtteilfesten und in einigen Kultkneipen tauchen Soleier wieder als nostalgische Erinnerung an das alte Ruhrgebiet auf.
Auch im Rahmen heimatkundlicher Veranstaltungen des Historischen Vereins Herne werden sie gelegentlich erwähnt, da sie ein charakteristisches Symbol für die Alltagskultur der Herner Bergbau- und Nachkriegszeit darstellen.

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Einzelnachweise

  1. Der Artikel stammt aus der Herner Zeitung vom 21. Juni 1934 (https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21280092)
  2. Herner Anzeiger vom 31. August 1940. https://zeitpunkt.nrw