Schlenkhoffs Kotten - Zum Alten Fritz Dorstener Straße 279

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Das Gebäude an der Dorstener Straße 279 im Herner Stadtteil Eickel zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Zeugnissen bäuerlicher und vorindustrieller Geschichte im Raum Wanne-Eickel. Das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus ist vor allem unter den Namen „Schlenkhoffs Kotten“ beziehungsweise „Zum Alten Fritz“ bekannt. Es diente über Jahrhunderte als Kotten, Gastwirtschaft und Station am historischen Gahlenschen Kohlenweg. Heute gilt es als eines der letzten sichtbaren Relikte der ländlichen Vergangenheit des einst stark industrialisierten Ruhrgebiets.

Dorstener Straße 279
Bildinfo: Bild Gerd Biedermann † 2016
Erbaut: 1780/1839
Stadtbezirk: Herne-Wanne
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Letzte Änderung: 07.05.2026
Geändert von: Andreas Janik

Lage und Bedeutung

Das Gebäude befindet sich an der historischen Dorstener Straße, die bereits im frühen 19. Jahrhundert als wichtige Verkehrsverbindung zwischen Bochum, Buer und Dorsten bestand. Die Straße war Teil des sogenannten Gahlenschen Kohlenwegs, über den Kohle aus dem südlichen Ruhrgebiet in Richtung Lippe transportiert wurde.

Die ehemalige Gaststätte lag ungefähr auf halber Strecke zwischen Bochum und Gahlen und entwickelte sich dadurch zu einem wichtigen Rast- und Zollpunkt für Fuhrleute. Das Haus markiert damit nicht nur ein lokales Baudenkmal, sondern zugleich einen historischen Verkehrsknotenpunkt des frühen Ruhrbergbaus.

Geschichte

Ursprünge als Kotten Pförter bzw. Blanke

Die Ursprünge des Hausplatzes reichen bis in das 17. Jahrhundert zurück. Bereits 1684 wird ein „Kotten Blanke“ erwähnt. Besitzer war damals Engelbert Blanke. Dieses war aber nicht dieser Hausplatz.

Förtner/Vördner/Pförtner

Hier war ein gewisser Johann Heinrich Förtner (1789-1827) ansässig dessen Eltern Johann Hermann vom Haus Vörde in Castrop stammte und eine Anna Elisabeth Beisemann aus Holsterhausen geehelicht hatte. Es ist daher anzunehmen, das der Bereich zuvor zum Hof Beisemann in Holsterhausen gehörte. Seit dieser Zeit soll an dem Standort eine Schankwirtschaft betrieben worden sein. Der Kotten gehörte zu den zahlreichen bäuerlichen Kleinbetrieben in Holsterhausen und Eickel, von denen es im Gebiet des späteren Wanne-Eickel rund fünfzig gegeben haben soll.

Umsetzung des Gebäudes im 19. Jahrhundert

Das heutige Fachwerkhaus entstand nicht ursprünglich an seinem heutigen Standort. Nach historischen Untersuchungen wurde das Gebäude vermutlich 1775 in Gladbeck errichtet und 1839 abgetragen sowie an der Dorstener Straße erneut aufgebaut. Hinweise darauf liefern Inschriften am Gebäude und am Scheunentor.

Auf dem Scheunentor findet sich folgende Inschrift
1839 JOHANN ENGELBERT BLANKE MARIA BICKERN EL
WER EIN- UND AUSGEHT DURCH DIE TÜR
DER SOLL BEDENKEN FÜR UND FÜR
DASS UNSER HEILAND JESU CHRIST
DIE RECHTE TÜR ZUM HIMMEL IST
DIE WEGE DES HERRN SIND EITEL GUT
UND WAHRHAFT DENEN
DIE SEINEN BUND HALTEN[1]

Die Namen beziehen sich auf das Ehepaar (Eheleute) Johann Georg Engelbert Blanke gen. Pförtner (1800-1840) und Catharina Maria Elisabeth Bickern (1790-?). Diese waren seit 1828 verheiratet. Blanke war ein jüngeres Kind des "Pannenmakers" Blanke aus Holsterhausen, sie Witwe des oben erwähnten Johann Heinrich Fortner bzw. Pförtner.

Aus dieser ersten Ehe 1812 geschlossenen Ehe blieb die Erbtochter Anna Catharina Pförtner - geb. am 2. Februar 1817 in der Cranger Heyde - am Leben. Sie verehelichte sich mit einem Monat nach dem Tode ihres Stiefvaters mit dem aus Herne stammenden Heinrich Friedrich Wilhelm Schlenkhoff (1813-1878). Er übernahm den Kotten nebst Gastwirtschaft, aber nicht den Hofnamen. Von nun an war es der Schlenkhoffs Kotten.

Friedrich Schlenkhoff und der Kohlenweg

Mit dem Ausbau der Dorstener Chaussee zum Gahlenschen Kohlenweg um 1766 gewann der Hof erheblich an Bedeutung. Fuhrleute fanden dort Unterkunft, Verpflegung und mussten teilweise Zoll entrichten. Daher entwickelte sich die Wirtschaft zu einer bekannten Station entlang der Handelsroute. Engelbert Blanke gen. Pförtner war laut Kirchenbuch Gast- und Logirwirt, was seine Wirtschaftstätigkeit deutlich umschreibt.

Der später gebräuchliche Name „Zum Alten Fritz“ geht vermutlich nicht auf den preußischen König Friedrich II. zurück, sondern auf Friedrich Schlenkhoff selbst.

Architektur

Bei dem Gebäude handelt es sich um ein freistehendes Querdeelen-Fachwerkhaus mit Satteldach. Charakteristisch ist die Aufteilung in Wohn- und Wirtschaftsbereiche. Während sich im östlichen Teil Wohnräume und später die Gaststätte befanden, lag im westlichen Bereich die Tenne.

Das Gebäude besitzt:

  • zwei Vollgeschosse,
  • ein Drempelgeschoss,
  • einen Dachboden,
  • spätere Anbauten unbekannter Datierung.

Die ursprünglichen Maße betrugen ungefähr:

23 Meter Tiefe,
13,5 Meter Breite.

Durch spätere Erweiterungen vergrößerte sich das Bauwerk auf rund:

32 Meter Tiefe,
19 Meter Breite.

Denkmalstatus

Am 23. November 2000 wurde das Haus als Denkmal Nr. 646 in die Denkmalliste der Stadt Herne eingetragen. Die Denkmalbegründung hebt hervor, dass das Gebäude zu den letzten städtebaulichen Zeugnissen des ehemals bäuerlichen Lebens in Wanne-Eickel gehört. Außerdem dokumentiert es den Verlauf des historischen Gahlenschen Kohlenwegs.

Die Gaststätte „Zum Alten Fritz“

Über viele Jahrzehnte wurde in dem Gebäude die traditionsreiche Gaststätte „Zum Alten Fritz“ betrieben. Sie entwickelte sich zu einem bekannten Treffpunkt in Holsterhausen und Eickel. Seit mehreren Jahren ist die Gaststätte allerdings dauerhaft geschlossen.

Der historische Name blieb jedoch eng mit dem Gebäude verbunden und wird bis heute in lokalgeschichtlichen Veröffentlichungen verwendet.

Bedeutung für die Stadtgeschichte

Das Haus Dorstener Straße 279 besitzt besondere Bedeutung für die Geschichte Hernes und Wanne-Eickels, weil es mehrere Entwicklungsphasen des Ruhrgebiets sichtbar macht:

  • die bäuerliche Kulturlandschaft vor der Industrialisierung,
  • die frühe Kohlenwirtschaft des 18. Jahrhunderts,
  • die Entwicklung alter Fernstraßen,
  • die Gastwirtschaftskultur entlang der Handelswege,
  • den Übergang vom ländlichen Raum zur Industriestadt.

Gerade weil viele vergleichbare Kotten und Bauernhäuser im Zuge der Industrialisierung verschwanden, besitzt das Gebäude heute einen hohen lokalhistorischen und identitätsstiftenden Wert.

DENKMAL NR. 646

  • Fachwerkhaus
  • Dorstener Straße 279, Eickel
  • Erbaut: 1780/1839 neuer Standort
  • Architektur:
  • Details: Es handelt sich um ein freistehendes Fachwerkhaus mit Satteldach. Im Inneren birgt der Grundriss nach Osten die Wohnräume und eine Gaststätte sowie nach Westen die Tenne.

Das Gebäude ist bedeutend, weil es zu den letzten städtebaulichen Dokumenten des ehemals bäuerlichen Lebens im Stadtteil Wanne-Eickel zählt und weil es als ehemalige Station am Gahlen´schen Kohlenweg den Verlauf dieses früher wichtigen Transportweges markiert.

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Quellen