Rudolf Vierhaus (Historiker 1922–2011)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel
Rudolf Vierhaus
Vierhaus Rudolf.png
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Geboren am: 28. Oktober 1922
Geboren in: Eickel
Gestorben am: 13. November 2011
Gestorben in: Berlin
Beruf: Historiker
Letzte Änderung: 04.02.2026
Geändert von: Andreas Janik


Rudolf Vierhaus (* 29. Oktober 1922 in Eickel; † 13. November 2011 in Berlin) war ein bedeutender deutscher Historiker. Er zählt zu den prägenden Vertretern der deutschen Geschichtswissenschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und erlangte internationale Anerkennung insbesondere für seine Arbeiten zur Sozial-, Kultur- und Ideengeschichte der Frühen Neuzeit.

Herkunft und frühe Jahre

Rudolf Vierhaus wurde im damaligen Eickel geboren. Er entstammte einer Arbeiterfamilie; sein Vater war als Zechenhandwerker tätig. Vierhaus war der erste seiner Familie, der das Abitur ablegte. Seine Herkunft aus dem industriell geprägten Ruhrgebiet prägte sein Geschichtsverständnis nachhaltig, insbesondere sein Interesse an sozialen Strukturen und historischen Lebenswelten.

1941 wurde er zum Wehrdienst eingezogen. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt er schwere Verwundungen und geriet 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Erst mehrere Jahre nach Kriegsende konnte er seine akademische Ausbildung aufnehmen.

Studium und wissenschaftlicher Werdegang

Ab 1949 studierte Vierhaus Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität Münster. 1955 wurde er mit einer Arbeit über Leopold von Ranke promoviert. 1961 folgte die Habilitation zur deutschen Sozialgeschichte der Aufklärung.

1964 erhielt Vierhaus einen Ruf an die neu gegründete Ruhr-Universität Bochum, wo er als erster ordentlicher Professor für Geschichte wirkte. Damit war er maßgeblich am Aufbau der Geschichtswissenschaft an einer der wichtigsten Hochschulen des Ruhrgebiets beteiligt.

Wirken und Bedeutung

Vierhaus lehrte später als Gastprofessor in Oxford und übernahm 1968 gemeinsam mit Josef Fleckenstein die Leitung des Max-Planck-Instituts für Geschichte in Göttingen, das er bis zu seiner Emeritierung 1990 entscheidend prägte. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Institut zu einem internationalen Zentrum historischer Grundlagenforschung.

Seine Forschungsschwerpunkte lagen in der Geschichte des 18. Jahrhunderts, der Aufklärung, der Sozial- und Kulturgeschichte sowie der Geschichte von Wissenschaft und Bildung. Vierhaus setzte sich für eine kulturgeschichtlich erweiterte Sozialgeschichte ein und beeinflusste damit mehrere Generationen von Historikern.

Nach 1990 engagierte er sich intensiv für den wissenschaftlichen Austausch mit Ost- und Mitteleuropa und leitete unter anderem die Deutsch-tschechische sowie die Deutsch-slowakische Historikerkommission.

Auszeichnungen und Ehrungen

Rudolf Vierhaus erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter:

  • das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie das Große Bundesverdienstkreuz
  • mehrere Ehrendoktorwürden
  • Mitgliedschaften in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Akademien

Bedeutung für Herne und die Region

Als in Eickel geborener Historiker von internationalem Rang ist Rudolf Vierhaus eine herausragende Persönlichkeit der Stadt- und Regionalgeschichte Hernes. Sein Lebensweg steht exemplarisch für die Bildungsaufstiege aus dem Ruhrgebiet im 20. Jahrhundert und für den Beitrag der Region zur deutschen Wissenschaftsgeschichte.

Literatur (Auswahl)

  • Rudolf Vierhaus: Deutschland im 18. Jahrhundert. Politische Verfassung, soziales Gefüge, geistige Bewegungen. Göttingen 1987.
  • Joachim Lilla (Hrsg.): Leitende Historiker und Geschichtswissenschaftler in Deutschland.
  • Beiträge in der Deutschen Biographischen Enzyklopädie.

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Quelle