Reinhold Grasreiner (1863-1935) Lehrer und Heimatforscher

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Reinhold Grasreiner auch Reinhard Grasreiner; (* 31. Oktober 1863 in Crock, Thüringen; † 12. Februar 1935 in Dortmund) war ein deutscher Volksschullehrer, Schulrektor und Heimatforscher, der sich insbesondere mit der Lokal- und Kulturgeschichte des nördlichen Ruhrgebiets – vor allem von Eickel, Wanne-Eickel, Herne und Gelsenkirchen – beschäftigte. Er veröffentlichte zahlreiche heimatgeschichtliche Beiträge in Zeitungen und kleineren Publikationen und gilt als einer der frühen regionalgeschichtlichen Autoren des Ruhrgebiets.

Reinhold Grasreiner
Grasreiner Reinhold (1863-1935).jpg
Grasreiner Reinhold (1863-1935).jpg
Geboren am: 31. Oktober 1863
Geboren in: Auengrund-Crock, Landkreis Hildburghausen, Thüringen
Gestorben am: 12. Februar 1935
Gestorben in: Dortmund
Beruf: Volksschullehrer, Schulrektor und Heimatforscher
Letzte Adresse: Hammerschmidtstraße 11 in Gelsenkirchen
Letzte Änderung: 10.03.2026
Geändert von: Andreas Janik


Leben

Christian Reinhold Grasreiner wurde am 31. Oktober 1863 im thüringischen Crock als Sohn des Bossierer Johann David Grasreiner (1821-1901) und dessen Ehefrau Elisabeth Christina Hörnlein (1825-1905) geboren und am 22. November 1863 dort getauft. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer trat er in den preußischen Volksschuldienst ein und kam später in das stark wachsende Ruhrgebiet.

Am 6. November 1890 heiratete er in Wanne (Reg.Nr.181) die in Werden geborene Friederike Sophie Anna Meckenstock (1866-1951). Nach bestandener Lehrerprüfung 1897 wurde er an die ev. Volksschule in Röhlinghausen berufen. 10 Jahre später, zum 1. Mai 1900, wurde der Hauptlehrer als Rektor an der evangelischen Karlschule am Heinrichplatz in Bulmke versetzt.

Als Rektor war er von da an über viele Jahre im Raum Gelsenkirchen tätig. Neben seiner pädagogischen Arbeit entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse an der Geschichte seiner neuen Heimatregion. Seine Tätigkeit als Lehrer erleichterte ihm den Zugang zu lokalen Überlieferungen, Kirchenbüchern und älteren Druckschriften.

Grasreiner engagierte sich in der regionalen Heimatbewegung der Zwischenkriegszeit. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Heimatbundes Gelsenkirchen (1927), der sich der Erforschung und Pflege der Stadtgeschichte widmete.

Grasreiner starb am 12. Februar 1935 im St. Josephs-Hospital in Dortmund.

Wirken als Heimatforscher

Neben seiner Tätigkeit im Schuldienst widmete sich Grasreiner intensiv der regionalen Geschichts- und Heimatforschung. Er gehörte zu jener Generation von Autoren, die um 1900 damit begannen, die Geschichte der vormals ländlichen Gemeinden im aufstrebenden Ruhrgebiet zu dokumentieren.

Als "Pfleger für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer" schrieb er zahlreiche Artikel.

Seine Arbeiten behandelten unter anderem:

  • der Geschichte von Kirchen und kirchlichen Einrichtungen,
  • der Entwicklung der Dörfer und Bauerschaften im Emscherraum,
  • sozialen Einrichtungen wie Armenhäusern oder Stiftungen,
  • lokalen Sagen, Flurnamen und historischen Überlieferungen.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeiten lag auf der Geschichte der ehemals selbständigen Gemeinden Eickel, Wanne und Röhlinghausen, deren historische Entwicklung er anhand älterer Quellen und Überlieferungen darstellte.

Ein Beispiel ist seine Darstellung „Die alten Kirchen auf dem Eickeler Markt“ (1925), in der er anhand historischer Urkunden die Entwicklung der Kirchenbauten auf dem Marktplatz von Eickel nachzeichnet und deren Entstehung bis ins frühe 14. Jahrhundert zurückverfolgt.

Im selben Jahr veröffentlichte er den Artikel „Aus der Geschichte des Eickeler alten Armenhauses“, in dem er die Organisation der Armenfürsorge im historischen Dorf Eickel beschreibt und archivalische Hinweise zu Stiftungen, Naturalabgaben und lokalen Unterstützungsformen auswertet.

Darüber hinaus sammelte und überlieferte er lokale Sagen und Flurnamen, etwa die Sage vom „Bollwerk“ in der Gemarkung Röhlinghausen, die später auch in der Literatur zur Herner Straßen- und Ortsgeschichte erwähnt wurde.

Bedeutung

Grasreiner zählt zu den frühen Autoren der Heimat- und Lokalgeschichtsschreibung im Ruhrgebiet. Seine Arbeiten entstanden in einer Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen durch Industrialisierung und Bergbau.

Durch seine Veröffentlichungen bewahrte er zahlreiche Informationen über:

  • das vorindustrielle Dorfleben,
  • historische Gebäude und kirchliche Einrichtungen,
  • lokale Traditionen und Sagen.

Der Heimatbund Gelsenkirchen würdigt ihn als einen der bedeutenden frühen Heimatforscher der Stadt, der zu den Gründungsmitgliedern des Heimatbundes gehörte und dessen Texte bis heute für die regionale Geschichtsforschung genutzt werden.

Seine Texte sind bis heute eine wichtige Quelle für die lokale Geschichtsforschung im Raum Herne, Wanne-Eickel und Gelsenkirchen.

Ehrungen

Die Stadt Gelsenkirchen würdigte ihn am 4. Mai 1959 mit der nach ihm benannten Grasreinerstraße in der Altstadt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Im Herzen des Ruhrlandes : Heimatbuch für Schule und Haus (Gelsenkirchen-Stadt und Land) nebst Angrenzung (Dortmund : Ruhfus, 1923) Sammelband
    • Heft 1
    • Heft 2 1925
  • Der Schlüssel in den westfälischen Stadtwappen In: Die Heimat (Minden) vol. 3 (1927)[1]
  • Das Essener Schenkamtund die Herren von Düngelen zu Dahhausen. 1927 [2]
  • Das Bochumer Land- oder Stoppelrecht ( In: Die Heimat (Dortmund) vol. 5 (1923)
  • Ein schöner Deelentorbalten in Bulmke. 1927[3]
  • Leidensweg der Familie des Detmar von Dinsingh. 1927 [4]
  • Zwei alte, sinnige Bildschnitztafeln am Wilmshof in Bulmke. 1927 [5]
  • Das Höntroper Gänsereiterfest. 1927 [6]
  • Kloster Werden und unsere Heimat. 1927 [7]
  • Brunckhorst genannt Haumann. 1927 [8]
  • Eine altsächsische Ringburg in Bulmke. 1927 [9]
  • Bodenstämmige Bauernnamen zwischen Emscher und Ruhr. 1927 [10]
  • Irisch-englische Gräber auf dem kleinen Friedhof an der Weststraße in Alt-Gelsenkirchen. 1927 [11]
  • Ueber die „Grundherrlichkeit“ in der alten Braubauerschaft nach dem Dreißigjährigen Krieg. 1927 [12]
  • Das alte Dekanat Essen. 1927 [13]
  • Zur Auffindung eines Totenurnenfeldes unweit der "Lutenburg". 1927 https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17440764
  • Auf dem Urnenfeld der Lutenburg. Zwei neue bedeutsame Funde. 1927 [14]
  • Aus Schloß Grimbergs Geschichte. 1927 [15]
  • Ritter Adrians Abenteuer im Essener Weinhaus. (1491). 1928 [16]
  • Ein staatspolitisches Ränkespiel im äbtissischen Essen (1495). 1928 [17]
  • Ein sonderbarer alter Rechtsbrauch in Westfalen. (1492). 1928 [18]
  • Straßenname und Bauernhof in Gelsenkirchen. 1928 [19]
  • Bewegte Zeit im alten Essen. (1493) Dem Essener„Stadtschreibbuch" nacherzählt. 1928 [20]
  • Die älteste"Instruktion" für das Gelsenkirchener Dorfparlament. 1928 [21]
  • Merkwürdige mittelalterliche Steuerzahlungsmittel. 1928 [22]
  • Der Feldmannshof in Gelsenkirchen=Heßler. 1928 [23]
  • Der Gefangene auf Schloss Grimberg (1479) (In: Heimatblätter (Essen) vol. 1 (1919/20)
  • Wennemar Paskendal und andere Femrichter unserer Heimatgegend. 1925[24]
  • Heilszeichen und Runen am niedergelegten Oberhofsgebäude Brockhoff 1926[25]
  • Reinhold Grasreiner : Niederländische Reiter plündern Gelsenkirchen ( 14./15 . Juni 1600 ) . In : Die Heimat . Zeitschrift des Westfälischen Heimatbundes 4 , 1922 , S. 190/191
  • Das Fräulein ohne Kopf 1927[26]
  • Reinhold Grasreiner, Sonderbare Bräuche im mittelalterlichen Essen. [27]
  • "Haus Bickern und sein Adelsgeschlecht" von Reinhold Grasreiner in der Wanne-Eickeler Zeitung, 1926
  • Die alten Kirchen auf dem Eickeler Markt (Um 1316–1890), Artikel in der Wanne-Eickeler Zeitung, 1925.
  • Aus der Geschichte des Eickeler alten Armenhauses, Artikel in der Wanne-Eickeler Zeitung, 1925.
  • "Der alte Bickernhof", 1927 von Grasreiner
  • Mitarbeit an schulischen Lehrwerken und heimatkundlichen Unterrichtsmaterialien, u. a. für Schulen im Ruhrgebiet.
  • Das Bollwerk von Röhlinghausen eine Sage, die von Reinhold Grasreiner aufgezeichnet wurde.

Literatur

Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen.

Verwandte Artikel

Quellen

  1. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17107919
  2. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/9343828
  3. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17437572
  4. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17437672
  5. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17437748
  6. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17437766
  7. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17438596
  8. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17107992
  9. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17439819
  10. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17440045
  11. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17440349
  12. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17440516
  13. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17440641
  14. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17440834
  15. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17441242
  16. https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/13295685
  17. https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/13347776
  18. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17089410
  19. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17443334
  20. https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/pagetext/13348120
  21. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17443488
  22. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/20530843
  23. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/pagetext/17520090
  24. https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/12956945
  25. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/22194581
  26. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17437320
  27. Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv - NL 641 / Anton Lehnhäuser, Nr. 25 Sammel-Album für Zeitungsausschnitte v. a. zur Geschichte von Stadt und Stift Essen sowie von Stadt und Stift Werden (mit Inhaltsverzeichnis)