Paul Eilentrop (1882-1941) Studienrat, Sportfunktionär und Politiker
Dr. phil. Paul Eilentrop (* 25. April 1882 in Lüdenscheid; † 22. Januar 1941 in Herne) war ein deutscher Studienrat, Philologe, Offizier des Ersten Weltkriegs und Sportfunktionär. Von 1919 bis zu seinem Tod wirkte er als Lehrer an den höheren Schulen in Herne. Daneben engagierte er sich in besonderem Maße für den Schulsport, den Wassersport und die Leibesübungen. Von 1929 bis 1933 gehörte er als Vertreter des Evangelischen Volksdienstes der Herner Stadtverordnetenversammlung an.
Leben und Ausbildung
Paul Eilentrop wurde am 25. April 1882 in Lüdenscheid geboren. Er stammte aus dem südlichen Sauerland und verbrachte dort seine Jugend.
Nach dem Besuch des Realgymnasiums in seiner Heimatstadt legte Eilentrop er dort die Reifeprüfung ab.
Ab 1903 studierte er an der Universität Marburg Germanistik, Erdkunde und Geschichte. Daneben legte er die Turnlehrerprüfung ab. Die bibliografischen Angaben zu seiner Dissertation verzeichnen außerdem ein Studium an der Technischen Hochschule Berlin.
1909 wurde Eilentrop in Marburg zum Dr. phil. promoviert. Seine Dissertation trug den Titel:
- Verfassung, Recht und Wirtschaft in Rothenburg o/T. z. Z. des Bauernkrieges.
Die 91 Seiten umfassende Arbeit erschien 1909 im Verlag Spannagel & Caesar in Lüdenscheid. Als Dissertation wurde sie am 11. Juni 1909 an der Universität Marburg angenommen.
Beginn der Lehrerlaufbahn
Nach Abschluss seiner wissenschaftlichen Ausbildung trat Eilentrop in den höheren Schuldienst ein.
Im Oktober 1911 wurde der Kandidat des höheren Lehramts Dr. Eilentrop der betreffenden Schule zur weiteren Ausbildung überwiesen. Im September 1912 wird er als wissenschaftlicher Hilfslehrer in Lüdenscheid genannt. Zum 1. Oktober 1912 wurde er zum Oberlehrer am städtischen Gymnasium in Bocholt ernannt.
Während seiner Tätigkeit im höheren Schuldienst war Eilentrop an verschiedenen westfälischen Lehranstalten tätig.
Erster Weltkrieg
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Eilentrop zum Militärdienst eingezogen.
Er trat 1914 als Einjährig-Freiwilliger beim Bergischen Feldartillerie-Regiment Nr. 59 in den Krieg ein. Im Verlauf des Krieges wurde er zum Leutnant der Reserve befördert. Eine zeitgenössische Meldung vom März 1915 berichtet über seine Beförderung vom Vizewachtmeister zum Leutnant.
Im März 1916 heiratete er während des Krieges Grete Bauer aus Barmen. Die Kriegstrauung wurde als Eheschließung des Leutnants der Reserve Dr. phil. Paul Eilentrop und Grete Eilentrop, geborene Bauer, bekanntgegeben. Im März 1917 wurde die Geburt einer ersten Tochter angezeigt.
Eilentrop war während des Krieges Angehöriger des 7. Garde-Feldartillerie-Regiments. Nach dem Krieg bearbeitete er dessen Geschichte auf Grundlage der amtlichen Kriegstagebücher. Das Werk erschien 1922 unter dem Titel:
- 7. Garde-Feldartillerie-Regiment. Nach den amtlichen Kriegstagebüchern bearbeitet von Dr. Paul Eilentrop.
Das Buch erschien als Heft 10 der Reihe Erinnerungsblätter deutscher Regimenter im Verlag Gerhard Stalling in Oldenburg und Berlin und umfasst 146 Seiten.
Wirken in Herne
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam Eilentrop nach Herne. Zum 1. April 1919 wurde er an die Oberrealschule in Herne berufen. Dort blieb er nahezu 22 Jahre bis zu seinem Tod tätig.
Eine zeitgenössische Würdigung beschrieb ihn als beliebten und geachteten Lehrer, dessen fachliches Urteil insbesondere in Fragen des höheren Schulwesens öffentlich geschätzt wurde.
In Herne entwickelte sich Eilentrop zu einem der maßgeblichen Förderer des Schulsports. Gemeinsam mit dem Sportlehrer Otto Kneipp setzte er sich für eine stärkere Bedeutung der Leibesübungen im höheren Schulwesen ein. Besonders engagierte er sich für die Bannerwettkämpfe der höheren Schulen Westfalens.
Der Erfolg dieser Arbeit zeigte sich unter anderem beim ersten Herner Sieg in einem Bannerwettkampf in Unna 1922. Eilentrop betreute gemeinsam mit Kneipp die Herner Mannschaft.
Wassersport und Sportorganisation
Eine besondere Bedeutung hatte Eilentrops Engagement für den Wassersport. Am 20. Juni 1920 wurde der Wassersportverein Herne 1920 gegründet. Eilentrop war dessen erster Vorsitzender. Der Verein entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem wichtigen Bestandteil des Herner Wassersports. Bereits 1924/25 verfügte der Verein über eine erste Bootshalle am ehemaligen Herner Stichkanal.
Auch im übergeordneten Sportwesen nahm Eilentrop führende Funktionen ein. Er gehörte dem Reichsausschuss bzw. den damaligen reichsweiten Organisationen für Leibesübungen an und wurde 1928 als persönliches Mitglied des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen geführt.
In Herne leitete er mehrere Jahre den Stadtverband für Leibesübungen. Im Februar 1926 wurde er zum Vorsitzenden des Stadtverbandes gewählt. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Organisation sportlicher Veranstaltungen wie des Staffellaufs „Quer durch Herne“.
Eilentrop war außerdem in der Organisation der Bannerwettkämpfe der höheren Schulen Westfalens tätig. Bei der Herner Oberrealschule lagen die sportlichen Aktivitäten nach zeitgenössischen Berichten insbesondere in den Händen der Studienräte Eilentrop und Albekts.
Auch innerhalb der Schule leitete Eilentrop sportliche Aktivitäten. Dazu gehörte unter anderem die Ruderabteilung der späteren Oberschule für Jungen.
Kommunalpolitik
Neben seiner Tätigkeit als Lehrer und Sportfunktionär engagierte sich Eilentrop in der Herner Kommunalpolitik.
Bei der Kommunalwahl 1929 wurde er für den Evangelischen Volksdienst in die Herner Stadtverordnetenversammlung gewählt. Der Evangelische Volksdienst verfügte in der Wahlperiode 1929–1933 über vier Sitze; neben Eilentrop gehörten Heinrich Berninger, August Ferke beziehungsweise später August Hampel und Fritz Reydt der Fraktion an.
Eilentrop war insbesondere mit Fragen des Schulwesens und der Leibesübungen befasst. 1928 wurde er als Vertreter des Herner Stadtverbandes für Leibesübungen in eine geplante städtische Deputation für Leibesübungen und Jugendpflege entsandt.
In der kommunalpolitischen Auseinandersetzung um die Neuordnung des höheren Schulwesens in Herne trat Eilentrop als Fachmann für Schulfragen hervor. 1931 war er an Gesprächen zwischen dem Provinzialschulkollegium, dem Elternbeirat der Oberrealschule und Vertretern des Magistrats beteiligt.
Auch im neuen Stadtparlament nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb Eilentrop zunächst Stadtverordneter. Die Stadtverordnetenversammlung von 1933 führt ihn weiterhin unter der Bezeichnung „Dr. Paul Eilentrop, Studienrat“ und als Vertreter des Evangelischen Volksdienstes. Als Anschriften werden zunächst Bahnhofstraße 110 und später Hermann-Göring-Straße 8 genannt.
Zeit des Nationalsozialismus
Eilentrops politische Tätigkeit fällt in die letzten Jahre der Weimarer Republik und die beginnende nationalsozialistische Herrschaft.
Bereits 1929 kandidierte er für den Evangelischen Volksdienst. Bei den Reichs- und Kommunalwahlen Anfang 1933 trat er erneut als Spitzenkandidat des Evangelischen Volksdienstes in Herne an.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde der Herner Stadtverband für Leibesübungen im April 1933 gleichgeschaltet. In diesem Zusammenhang wurde Eilentrop als bisheriger Verantwortlicher durch Kracht ersetzt.
Die Quellen zeigen zugleich, dass Eilentrop weiterhin im höheren Schulwesen und im Sport tätig war. 1939 erhielt er das silberne Treudienstehrenzeichen. 1940 war er gemeinsam mit Studienrat Dr. Alders mit der Vorbereitung und technischen Durchführung des Sommerfestes der Oberschule für Jungen betraut.
Eine differenzierte Bewertung seiner politischen Haltung während der NS-Zeit bedarf weiterer Quellen. Die vorhandenen Belege zeigen seine politische Tätigkeit für den konservativ-protestantisch ausgerichteten Evangelischen Volksdienst bereits vor 1933, seine spätere Tätigkeit im gleichgeschalteten Schul- und Sportwesen sowie seine Anerkennung durch die damaligen staatlichen und parteinahen Institutionen. Eine darüber hinausgehende politische Einordnung sollte ohne zusätzliche Personalakten nicht vorgenommen werden.
Tod
Dr. Paul Eilentrop starb im Januar 1941 während seiner Tätigkeit an der Herner Oberschule für Jungen an einem Herzschlag. Noch am Morgen seines Todes war er zum Unterricht in die Schule gegangen.
Die Trauerfeier fand am 24. Januar 1941 in der Aula der Oberschule für Jungen statt. Das gesamte Lehrerkollegium und die Schülerschaft sowie Vertreter von Partei, Behörden, Wehrmacht und NS-Lehrerbund nahmen daran teil.
Oberstudiendirektor Hermann Kracht würdigte Eilentrop als langjährigen Kollegen und Pädagogen. In seiner Gedenkrede hob er insbesondere dessen fast 22-jährige Tätigkeit an den Herner höheren Schulen sowie seine Verdienste um den Schulsport und die Bannerwettkämpfe hervor.
Der Trauerzug führte von der Schule durch die damaligen Straßen Franz-Seldte-Straße und Hermann-Göring-Straße zur Bochumer Straße. Anschließend wurde der Verstorbene in seine Heimatstadt Lüdenscheid überführt.
Am folgenden Tag wurde Paul Eilentrop in Lüdenscheid beigesetzt. Eine zahlreiche Herner Abordnung nahm an der Beisetzung teil.
Familie
Paul Eilentrop war mit Grete Eilentrop, geborene Bauer, verheiratet. Die Eheschließung erfolgte im März 1916 während des Ersten Weltkriegs. Im März 1917 wurde die Geburt einer Tochter bekanntgegeben. Im Mai 1919 wurde erneut die Geburt eines Mädchens angezeigt.
Weitere Angaben zu Ehefrau und Kindern sind bislang nicht ausreichend belegt.
Veröffentlichungen
- Verfassung, Recht und Wirtschaft in Rothenburg o/T. z. Z. des Bauernkrieges. Dissertation, Universität Marburg, 1909. Spannagel & Caesar, Lüdenscheid, 1909, 91 S.
- 7. Garde-Feldartillerie-Regiment. Nach den amtlichen Kriegstagebüchern bearbeitet von Dr. Paul Eilentrop. Gerhard Stalling, Oldenburg/Berlin, 1922, 146 S.
Würdigung
Paul Eilentrop gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des Herner höheren Schul- und Sportwesens der Zeit zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Zweiten Weltkrieg.
Besondere Bedeutung hatte sein Engagement für die Verbindung von Schule und Sport. Er unterstützte den Ausbau des Schulsports, förderte die Bannerwettkämpfe der höheren Schulen und war an der Entwicklung des Herner Wassersports maßgeblich beteiligt. Als Gründungsvorsitzender des Wassersportvereins Herne 1920 gehört er zu den frühen Organisatoren des Herner Rudersports.
Seine fast 22-jährige Tätigkeit als Lehrer an den höheren Schulen Hernes und seine kommunalpolitische Tätigkeit machen ihn zu einer wichtigen Person der Herner Bildungs- und Sportgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Kritik
Paul Eilentrop war ein nationalkonservativ und deutschnational geprägter Studienrat und Sportfunktionär, der bereits in der Weimarer Republik politisch im konservativ-protestantischen Evangelischen Volksdienst engagiert war. Nach 1933 blieb er als Studienrat und Kommunalpolitiker zunächst im öffentlichen Leben und arbeitete weiterhin im staatlichen Schulwesen. Seine frühere Führungsposition im Herner Sport wurde im Zuge der Gleichschaltung 1933 beendet. Eine Mitgliedschaft in der NSDAP ist nicht nachweisbar. Seine Tätigkeit im NS-Schulwesen und seine öffentliche Ehrung beziehungsweise Einbindung in staatliche Strukturen zeigen jedoch, dass er dem NS-System nicht grundsätzlich außerhalb stand.
Quellen
- Zeitungsberichte aus dem Portal zeitpunkt.nrw, insbesondere Eilentrop und Dr. Eilentrop, 1901–1941.
- Universitäts- und Bibliotheksnachweise zur Dissertation Paul Eilentrops.
- inHerne: Unterlagen des WSV Herne jetzt im Stadtarchiv, 19. April 2022.
- 7. Garde-Feldartillerie-Regiment, bearbeitet von Dr. Paul Eilentrop, 1922.
Verwandte Artikel
- Stadtverordneten-Versammlung Herne 1929-1933 (← Links)
- Stadtverordneten-Versammlung Herne 1933 (← Links)
Quellen
Zu diesem Artikel fehlen noch wichtige Informationen.
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