Otto Berndt (1861-1924) Baumeister
Max Otto Berndt (* 21. April 1861 in Arnswalde; † 25. Februar 1924) war ein deutscher Baumeister und Architekt. Als langjähriger Leiter der Bauabteilung des Bochumer Vereins für Bergbau und Gussstahlfabrikation prägte er die bauliche Entwicklung des Unternehmens und dessen Wohnungsbau. Zu seinen bedeutenden Arbeiten gehören die Jahrhunderthalle in Bochum und die Planung der Siedlung Teutoburgia in Herne-Börnig. Darüber hinaus war Berndt kommunalpolitisch tätig und gehörte von 1904 bis 1919 der Bochumer Stadtverordnetenversammlung an. [1]
Leben und Familie
Herkunft und Ausbildung
Max Otto Berndt wurde am 21. April 1861 in Arnswalde als Sohn des Beamten Magnus Franz Berndt und dessen Ehefrau Auguste, geborene Spitzer, geboren. Über seine schulische Ausbildung, ein etwaiges Architekturstudium und die ersten Stationen seiner beruflichen Laufbahn liegen in den bislang herangezogenen Quellen keine näheren Angaben vor.
Ehe und Kinder
Am 27. Mai 1893 heiratete Berndt die am 21. März 1867 in Bochum geborene Anna Maria Generotzky. Sie war eine Tochter des Heinrich Generotzky (1827–1912), der als Bürochef beziehungsweise Prokurist beim Bochumer Verein tätig war, und dessen Ehefrau Anna Dorothea Juliana, geborene Simon.
Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. In den vorliegenden genealogischen Angaben werden genannt:
- Franz Heinrich Otto Berndt, geboren am 4. Juli 1895 in Bochum, ⚔ am 3. November 1917.
- Emil Franz Walter Berndt, geboren am 9. Februar 1897 in Bochum.
- Günther Hermann Heinrich Berndt, geboren am 29. Oktober 1898 in Bochum.
- Rolf Berndt, geboren am 18. Dezember 1906 in Bochum.
Berufliches Wirken
Leiter der Bauabteilung des Bochumer Vereins
Am 15. Januar 1890 übernahm Berndt die Leitung der Bauabteilung des Bochumer Vereins für Bergbau und Gussstahlfabrikation. Diese Stellung behielt er bis zu seinem Tod im Februar 1924. Damit war er mehr als drei Jahrzehnte für die baulichen Aufgaben eines bedeutenden Industrieunternehmens im Ruhrgebiet verantwortlich.
Das Tätigkeitsfeld der Bauabteilung umfasste nicht allein die betrieblichen Bauaufgaben. Von besonderer Bedeutung war auch die Errichtung von Wohnraum für die Beschäftigten und ihre Familien. Im Zuge des industriellen Wachstums benötigte das Unternehmen neben Produktions- und Verwaltungsgebäuden geeignete Wohnmöglichkeiten für die Belegschaft. Berndt wirkte an dieser Entwicklung durch die Planung und Gestaltung von Arbeitersiedlungen mit.
Der Nachruf des Bochumer Vereins würdigte ihn als Mitarbeiter, der sein Können insbesondere auf dem Gebiet des Heimstättenwesens in den Dienst des Unternehmens gestellt habe. Hervorgehoben wurden seine Pflichttreue und seine Schaffenskraft. [2]
Jahrhunderthalle Bochum

Zu Berndts bedeutenden Bauaufgaben gehörte die Jahrhunderthalle in Bochum. Das ursprünglich für die Gewerbeausstellung in Düsseldorf 1902 errichtete Bauwerk wurde anschließend nach Bochum umgesetzt und dort für industrielle Zwecke genutzt. Die Halle zählt zu den markanten Zeugnissen der Industriearchitektur im Ruhrgebiet.
Die Verbindung Berndts mit der Jahrhunderthalle wird in Darstellungen zur Geschichte der Industrie- und Ausstellungskultur hervorgehoben. Die Halle entstand im Zusammenhang mit der Düsseldorfer Gewerbeausstellung und wurde 1903 in Bochum errichtet. [3]
Die Planung und Umsetzung eines solchen Bauwerks gehörten zu den Aufgaben, mit denen sich Berndt als Leiter der Bauabteilung des Bochumer Vereins beschäftigte. Die Halle steht zugleich für die enge Verbindung zwischen industrieller Produktion, repräsentativer Selbstdarstellung und moderner Baukonstruktion um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Siedlung Teutoburgia in Herne-Börnig
Eine besondere Bedeutung für die Stadtgeschichte Hernes besitzt Berndts Arbeit an der Siedlung Teutoburgia. Der Bochumer Verein plante ab 1908 die Zeche Teutoburgia im Bereich der damaligen Bauernschaften Börnig und Holthausen. Da in der Umgebung nicht genügend Wohnungen für die künftig dort beschäftigten Bergleute und ihre Familien vorhanden waren, wurde zugleich eine größere Arbeitersiedlung vorgesehen. Berndt entwarf die Siedlung als Architekt des Unternehmens. [4]
Die Bauarbeiten begannen 1909. Der Kernbereich entstand in den Jahren 1909 bis 1911; Erweiterungen folgten 1912, 1913 und 1918 sowie in den Jahren 1921 bis 1923. Die Siedlung wurde somit über einen längeren Zeitraum entwickelt und an den wachsenden Wohnraumbedarf angepasst. [5]
Städtebauliche Gestaltung
Berndt orientierte sich bei der Planung an der Idee der Gartenstadt und an Gestaltungsansätzen der englischen Arts-and-Crafts-Bewegung. Diese wandte sich gegen die als eintönig empfundenen Erscheinungsformen der industriellen Massenproduktion und setzte sich für handwerkliche Qualität und eine stärkere gestalterische Individualität ein.
Die Siedlung wurde nicht als gleichförmige Reihe identischer Wohnhäuser angelegt. Stattdessen entwickelte Berndt unterschiedliche Haustypen, die durch Variationen in Fassadengestaltung, Dachformen und baulichen Details ein abwechslungsreiches Gesamtbild erzeugten. Fachwerk, Ziegel- und Putzflächen wurden miteinander kombiniert. Die Gebäude wurden an überwiegend leicht geschwungenen Straßen angeordnet, wodurch sich ein aufgelockertes Straßenbild ergab.
Die Häuser verfügten über eigene Zugänge und rückwärtige Gartenbereiche. Dadurch sollten die Wohnungen einen vom betrieblichen Alltag getrennten privaten Lebensraum bieten. Die Siedlung verband damit die praktische Aufgabe, möglichst viele Beschäftigte unterzubringen, mit einem gestalterischen Anspruch, der sich deutlich von monotonen Arbeiterwohnanlagen unterschied. [6]
Die Siedlung war allerdings nicht ausschließlich von gestalterischen und sozialen Reformideen geprägt. Auch innerhalb der Anlage spiegelten sich betriebliche Rangordnungen wider: Die Wohnungen für Steiger und andere Beschäftigte mit höherer Stellung waren teilweise größer und anders gelegen als die Unterkünfte der übrigen Arbeiterschaft. Die Wohnverhältnisse blieben damit Teil der sozialen Ordnung des Industrieunternehmens.
Stahlhausen als möglicher Bezugspunkt für sein großes Projekt in Holthausen
Als langjähriger Leiter der Bauabteilung des Bochumer Vereins kannte Otto Berndt die Werksiedlung Stahlhausen (entstanden seit 1868) und die dortigen Erfahrungen im betrieblichen Wohnungsbau. Damit ist eine berufliche Verbindung zwischen beiden Siedlungsprojekten gegeben. Ob Stahlhausen jedoch als konkretes Vorbild für die ab 1909 entstandene Siedlung Teutoburgia in Herne-Börnig diente, lässt sich anhand der bislang bekannten Quellen nicht belegen. Eine mögliche Übertragung früherer Erfahrungen Berndts auf das spätere Projekt ist daher von uns aus nur als Forschungshypothese zu behandeln, nicht als gesicherte Tatsache. Die dokumentierte Orientierung Teutoburgias an der Gartenstadtidee und an Gestaltungsprinzipien der englischen Arts-and-Crafts-Bewegung bildet dabei einen eigenständig zu berücksichtigenden Entstehungskontext.[7]
Bedeutung für die Stadtgeschichte Hernes
Die Siedlung Teutoburgia gehört zu den wichtigen Zeugnissen des industriellen Wohnungsbaus im heutigen Stadtgebiet von Herne. Sie dokumentiert, wie ein großes Industrieunternehmen auf den mit dem Bergbau verbundenen Bevölkerungs- und Wohnraumbedarf reagierte und dabei neue städtebauliche Konzepte aufgriff.
Die ursprüngliche Planung umfasste zahlreiche unterschiedliche Gebäudeformen. Bis zum Abschluss der wesentlichen Bauphasen im Jahr 1923 waren rund 460 Wohnungen entstanden. Die Siedlung ist heute ein bedeutendes Beispiel für die Verbindung von Industriegeschichte, Architektur und Siedlungsentwicklung im Ruhrgebiet. [8]
Die Zeche Teutoburgia stellte ihre Kohlenförderung bereits 1925 ein. Die Wohnsiedlung blieb dagegen erhalten und wurde in späteren Jahrzehnten denkmalpflegerisch saniert. Sie veranschaulicht damit bis heute die langfristige Wirkung von Berndts Planungsarbeit über die ursprüngliche Betriebsdauer der Zeche hinaus.
Kommunalpolitisches und gesellschaftliches Engagement
Tätigkeit in Bochum
Neben seiner beruflichen Arbeit war Berndt in der kommunalen Selbstverwaltung Bochums tätig. Im Jahr 1891 wurde er als Bürger in die Baudeputation der Stadt Bochum gewählt. Dieses Gremium befasste sich mit baulichen und städtebaulichen Angelegenheiten und bot Berndt Gelegenheit, seine beruflichen Erfahrungen in die kommunale Entwicklung einzubringen.
Von 1904 bis 1919 gehörte er der Bochumer Stadtverordnetenversammlung an. Ein zeitgenössischer Nachruf betonte ausdrücklich, dass Berndt durch den Rückhalt der Bürgerschaft in das Stadtparlament berufen worden sei und dort die bauliche Entwicklung Bochums mit seinem Rat unterstützt habe. [9]
Seine kommunalpolitische Tätigkeit ergänzte damit seine Aufgaben beim Bochumer Verein. Während er beruflich für die baulichen Belange eines Industrieunternehmens verantwortlich war, konnte er als Stadtverordneter an der Entwicklung der Stadt Bochum mitwirken.
Bochumer Musikverein und Ringofenziegelei-Gesellschaft
Berndt engagierte sich auch im Vereins- und Wirtschaftsleben. Er gehörte dem Vorstand des Bochumer Musikvereins an.
Darüber hinaus war er mit der Ringofenziegelei-Gesellschaft Bochum verbunden. Für das Jahr 1894 ist eine Tätigkeit im Vorstand überliefert; 1901 gehörte er dem Aufsichtsrat an. Diese Funktionen verdeutlichen seine Einbindung in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt. [10]
Wohnorte
Für den Zeitraum von 1898 bis 1906 ist Otto Berndt unter der Anschrift Baarestraße 3a in Bochum nachgewiesen. Weitere Wohnanschriften und mögliche spätere Umzüge sind anhand der bislang vorliegenden Angaben nicht abschließend dokumentiert.
Ehrungen
Im Jahr 1902 wurde Berndt aus Anlass der Gewerbeausstellung in Düsseldorf mit dem Roten Adlerorden IV. Klasse ausgezeichnet. Der Orden gehörte zu den preußischen Auszeichnungen und wurde für Verdienste um Staat und Gesellschaft verliehen.
Tod und Nachrufe
Otto Berndt starb nach längerer Krankheit in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar 1924. Der Bochumer Verein veröffentlichte am 25. Februar eine Todesanzeige, in der das Unternehmen seine langjährige Tätigkeit als Leiter der Bauabteilung würdigte. Besonders hervorgehoben wurden seine Verdienste auf dem Gebiet des Heimstättenwesens und sein Einsatz für die baulichen Aufgaben der Gesellschaft. [11]
Auch in der zeitgenössischen Presse wurde Berndts Tod als Verlust für das Unternehmen und die Stadt Bochum beschrieben. Neben seiner langjährigen Tätigkeit für den Bochumer Verein wurde seine kommunalpolitische Arbeit gewürdigt. Ein weiterer Nachruf erinnerte daran, dass der Bochumer Verein innerhalb weniger Tage zwei bedeutende Mitglieder seiner Führungsebene verloren hatte: den Baumeister Otto Berndt und den kaufmännischen Direktor Emil Lange. [12]
Die Trauerfeier und die Beisetzung fanden nach der überlieferten Todesanzeige im engsten Familienkreis auf dem Sennefriedhof in Bielefeld statt.
Bedeutung
Otto Berndt gehörte zu den Baumeistern, deren Wirken eng mit der industriellen Entwicklung des Ruhrgebiets verbunden war. Als Leiter der Bauabteilung des Bochumer Vereins war er über mehr als drei Jahrzehnte an den baulichen Aufgaben eines bedeutenden Industrieunternehmens beteiligt. Sein Arbeitsfeld reichte von industriellen Bauaufgaben bis zur Gestaltung von Wohnraum für die Beschäftigten.
Mit der Jahrhunderthalle in Bochum und insbesondere der Siedlung Teutoburgia in Herne hinterließ Berndt Bauwerke, die bis heute die Industrie- und Architekturgeschichte der Region veranschaulichen. Während die Jahrhunderthalle für die Verbindung von Industrie und repräsentativer Baukunst steht, zeigt Teutoburgia die Entwicklung des betrieblichen Wohnungsbaus und die Aufnahme gartenstädtischer Gestaltungsprinzipien in einer Bergarbeitersiedlung.
Seine Tätigkeit in der Bochumer Baudeputation und der Stadtverordnetenversammlung zeigt darüber hinaus, dass Berndt nicht allein als betrieblicher Baumeister wirkte, sondern auch an der kommunalen Entwicklung seiner Heimatstadt beteiligt war.
Mit dieser Kurzbiografie würdigt der Historische Verein Herne Wanne-Eickel e.V. das Wirken Otto Berndts, dessen Leistungen für die Bau- und Siedlungsgeschichte des Ruhrgebiets bislang nur in Ansätzen gewürdigt wurden.
Literatur und Quellen
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): „Herne – Teutoburgia-Siedlung in Herne“. Online-Darstellung zur Architektur und städtebaulichen Konzeption der Siedlung. Online.
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur: Gutachten zur Denkmalbereichssatzung Zechensiedlung Teutoburgia, 16. April 2015. PDF.
- Zeitgenössische Todesanzeigen und Nachrufe auf Otto Berndt, Februar 1924, Digitalisate der Universitäts- und Landesbibliothek Münster und der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, über das Portal Zeitpunkt.NRW.
- Historische Darstellung zur Gewerbeausstellung Düsseldorf 1902 und zur Jahrhunderthalle Bochum. Online.
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Verwandte Artikel
Quellen
- ↑ Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation, Nachruf auf Baumeister Otto Berndt, zeitgenössische Veröffentlichung vom 25. Februar 1924, Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, Zeitpunkt.NRW.
- ↑ Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation, Nachruf vom 25. Februar 1924, Zeitpunkt.NRW.
- ↑ Historische Darstellung zur Gewerbeausstellung Düsseldorf 1902 und zur Jahrhunderthalle: Historische Ausstellungen und Bauten.
- ↑ Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), „Herne – Teutoburgia-Siedlung in Herne“: LWL – Fremde Impulse.
- ↑ LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur, „Gutachten zur Denkmalbereichssatzung Zechensiedlung Teutoburgia“, 16. April 2015, veröffentlicht durch die Stadt Herne: Gutachten Teutoburgia.
- ↑ LWL, „Arts and Crafts – Eine englische Idee im Ruhrgebiet“, Darstellung zur Gartenstadtbewegung und zur Siedlung Teutoburgia: LWL – Fremde Impulse.
- ↑ Zur Geschichte der Siedlung Stahlhausen: Stadt Bochum, „Denkmalgeschützte Siedlung Stahlhausen I / II“, [1]. Zur Planung und Gestaltung Teutoburgias: LWL, „Herne – Teutoburgia-Siedlung in Herne“, [2].
- ↑ LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur, „Gutachten zur Denkmalbereichssatzung Zechensiedlung Teutoburgia“, 16. April 2015, Gutachten Teutoburgia.
- ↑ Zeitgenössischer Nachruf auf Otto Berndt, Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster: Zeitpunkt.NRW.
- ↑ Zeitgenössische Veröffentlichung zur Ringofenziegelei-Gesellschaft Bochum, Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster: Zeitpunkt.NRW.
- ↑ Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation, Todesanzeige und Nachruf vom 25. Februar 1924: Zeitpunkt.NRW.
- ↑ Zeitgenössischer Pressebericht über den Tod von Otto Berndt und Emil Lange, Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn: Zeitpunkt.NRW.

