Ludger Hinse (1948) Künstler
Der 1948 in Recklinghausen geborene Künstler Ludger Hinse gehört zu den prägenden Kunstpersönlichkeiten des Ruhrgebiets. Sein Lebensweg ist eng mit der Region verbunden: aus einer Bergarbeiterfamilie stammend, entwickelte er sich vom Gewerkschafter und Sozialarbeiter zu einem international ausstellenden Künstler.
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Ludger Hinse und Herne – Kunst, Leben und Verwurzelung im Ruhrgebiet
Bekannt wurde Hinse insbesondere durch seine Lichtkunst und seine großformatigen Kreuz-Installationen, mit denen er gesellschaftliche und religiöse Fragestellungen in den öffentlichen Raum trägt. Projekte wie „Das Kreuz mit dem Kreuz“ erreichten ein breites Publikum in vielen Städten.
Doch bei aller internationalen Tätigkeit blieb seine künstlerische und biografische Verankerung im nördlichen Ruhrgebiet stets zentral – insbesondere in Herne.
Herne als biografischer Anker
Ein persönlicher Text von Ludger Hinse – wie im vorliegenden Ausstellungsbeitrag dokumentiert – macht deutlich, wie tief seine Verbindung zu Herne reicht:
"Mein Vater, ein Bergmann war auf der Zeche Mont Cenis angelegt. Wir wohnten in Recklinghausen, König Ludwig (ECA Siedlung). Wenn mein Vater nicht pünktlich von der Morgenschicht heim kam, wurde ich mit meinem Tretroller los geschickt, um zu erkunden, ob etwas passiert ist. Über den Kanal, Schleuse Ost, vorbei an der Schachtanlage Friedrich der Große, die Castroperstr. überquerend, dann querfeldein bis zur Kirchstr. und schon stand ich an der Markenbude. „Gott sei dank“ der Vater war noch bei der Arbeit. Eine Stunde hin und eine zurück, trotzdem gerne getan. Ich lernte dann meine erste Frau Ulla Schnidder, aus Herne Süd von der Strehlenerstr. kennen. Ihr Vater Bernhard war aktiver Gewerkschafter, Personalratsvorsitzender der Stadt Herne. 1972 haben Ulla und ich in Herz-Jesu kirchlich geheiratet. Ein Grund, wenn auch nicht der entscheidende unverheiratet bekam meine keine Wohnung. Es galt der Kuppeleiparagraph. Wir wurden Mitglied der WG „Selbsthilfe“ und bekamen die erste Wohnung im Neubau Roonstr. 81 in Horsthausen. Nach dem Studium begann ich mein Verwaltungspraktikum im Jugendamt in Wanne Eickel, mit zuständig für Bickern (Hüllerstr. Thiestr, usw.). Die Beziehung zu Herne verlor sich dann nach und nach, sie war aber noch lange verwandtschaftlich geprägt, dank Oma Erna. Unsere Kinder Verena und Henning gingen zur Hiberniaschule in Herne. Viele Tage und Abende haben wir als Eltern dort verbracht. "[2]
Kunst und Ausstellungstätigkeit in Herne
Die Verbindung zu Herne zeigt sich nicht nur biografisch, sondern auch konkret im künstlerischen Schaffen. Bereits 2013 stellte Hinse in der „Alten Druckerei“ in Herne aus – ein Ort, der für industrielle Geschichte und kulturellen Wandel gleichermaßen steht.
Das von Ihm gestaltete Vortragekreuz der Christopherus Gemeinde in Wanne-Eickel ist sein Werk.
Diese Ausstellung bildet einen wichtigen Bezugspunkt, der im zitierten Text selbst hervorgehoben wird: Nach rund 40 Jahren kehrte Hinse mit seiner Kunst an einen Ort zurück, der Teil seines Lebensweges geworden war.
Die Ausstellung „LICHTraum“ (2026) versteht Hinse selbst als einen „Lebenskreis“, der sich schließt – ein starkes Bild für die Verbindung von Herkunft, Erinnerung und künstlerischer Gegenwart.
Siehe unter: www.lichtraum2026.de
Das Ruhrgebiet als künstlerische Grundlage
Hinses Werk ist ohne das Ruhrgebiet kaum denkbar. Seine Herkunft aus einer Bergarbeiterfamilie prägte seine Themen ebenso wie seine Tätigkeit als Gewerkschafter in Bochum, wo er viele Jahre Vorsitzender der IG Metall war.
Strukturen von Arbeit, Solidarität und Transformation spiegeln sich in seiner Kunst wider. Die Materialien seiner Werke – häufig industriell geprägt – und die Wahl seiner Ausstellungsorte (Kirchen, ehemalige Industrieanlagen, öffentliche Räume) zeigen diese Verwurzelung deutlich.
Herne nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Hier verdichten sich persönliche Erinnerung, soziale Erfahrung und kulturelle Produktion.
Fazit: Herne als Lebens- und Kunstraum
Ludger Hinse steht exemplarisch für eine Künstlerbiografie, die eng mit der Geschichte des Ruhrgebiets verbunden ist. Herne bildet dabei einen zentralen Bezugspunkt:
- als Ort familiärer Wurzeln
- als Raum beruflicher Entwicklung
- als Schauplatz künstlerischer Präsentation
- und als emotionaler Anker seines Lebens
Seine eigene Aussage bringt dies auf den Punkt: Die Verbindung zu Herne sei über Jahrzehnte hinweg bestehen geblieben – getragen von Familie, Arbeit und Kunst.
Für den Historischen Verein Herne zeigt sich darin ein spannendes Beispiel dafür, wie individuelle Lebensgeschichten die Identität einer Stadt mitprägen – und wie Kunst diese Verbindungen sichtbar machen kann.
Für eine genauere Biographie nutze bitte den Artikel auf Wikipedia.org
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