Kriegsgefangenen Ehrengrab - Börnig

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Diese Grabstelle befindet sich auf dem Katholischer Friedhof St. Dionysius (St. Peter und Paul) (Feld J). Sie erinnert an das Schicksal ausländischer Kriegsgefangener, die während des Ersten Weltkriegs im Ruhrbergbau eingesetzt wurden.

Ehrengrad russischer Kriegsgefangener
Bild: Andreas Janik 2026
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Beschreibung der Grabstelle

Die Gedenkstätte besteht aus zwei zentralen Steinelementen, die in eine dichte Bepflanzung aus Rhododendronbüschen eingebettet sind:

  • Die Stele: Eine aufrecht stehende, helle Sandstein- oder Kalksteinstele, in deren oberem Teil ein markantes, reliefartig eingemeißeltes Symbol (stilisierte Flamme) zu sehen ist. Darunter befindet sich die eingemeißelte, dunkel ausgelegte Inschrift:
HIER RUHEN 9 RUSSISCHE SOLDATEN AUS DEM I. WELTKRIEG 1914–1918
  • Die Namensplatte: Schräg links vor der Stele liegt eine weiße Marmorplatte. Auf ihr sind die Namen der neun verstorbenen Männer eingraviert, um ihnen ihre Individualität und Würde jenseits der anonymen Sammelbezeichnung zurückzugeben. Die Namen lauten:
  • Adolf Bojarski
  • Stanislaus Brosak
  • Valentin Daitsch
  • Thomas Dziorek
  • Sigismund Grasewitsch
  • Stefan Kapschik
  • Iwan Klinochezki
  • Iwan Lewandowski
  • Michael Madea

Historischer Kontext: Das Schicksal auf der Zeche Mont-Cenis

Die dort bestatteten Männer waren kaiserl. russische Soldaten, die während des Ersten Weltkriegs in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten.

Ab 1915/1916 kam es im Deutschen Reich zu einer massiven Mobilisierung von Kriegsgefangenen für die heimische Kriegswirtschaft, da immer mehr deutsche Bergleute an die Front gerufen wurden. Unterhalb der großen Stammlager wurden im gesamten Ruhrgebiet sogenannte Arbeiterlager eingerichtet, um die Gefangenen direkt vor Ort als Arbeitskräfte einzusetzen.

Die hier namentlich genannten Männer wurden der nahegelegenen Zeche Mont-Cenis in Sodingen/Börnig zugeteilt. Die Arbeit unter Tage war physisch extrem auszehrend, gefährlich und von mangelhafter Versorgung sowie harten Lebensbedingungen in den Lagern geprägt. Die neun Soldaten überlebten diese Tortur nicht und starben fernab ihrer Heimat während ihres Zwangsarbeitseinsatzes.

Diese Grabstätte ist somit nicht nur ein Ort der Ruhe für die Opfer, sondern auch ein Mahnmal für die rücksichtslose wirtschaftliche Ausbeutung von Kriegsgefangenen im Herner Bergbau des Ersten Weltkriegs.

Einzelschicksale

  • Adolf Bojarski, * um 1879 in Lakowniky bei Petrykau (belarussisch Петрыкаў, russisch Петриков), Belarus, † 25. Juni 1918 Zeche Mont-Cenis[1]. ∞ Kataschava N.
  • Stanislaus Brosek, Landarbeiter, Soldat 18. Attillerie-Div. * um 1875 in Binzi Oblast Iwanowo (russisch Ивановская область), † 11. Juli 1918 Lazarett (St. Joseph Krankenhaus) Börnig[2], ∞ Wladislawa Brosek.
  • Valentin Daitsche, Landwirt, Gefreiter 15 Komp. Inf. Regiment Nr. 25. * um 1888 Meletoppel, Kolonie Grimm (Lěsnoj Karamysch) Wolga, † 15. Oktober 1916 Lazarett (St. Joseph Krankenhaus) Börnig an Herzmuskelentzündung[3]. ∞ Theresa geb. Kunz. Eltern: Landwirt Joseph Deitsche und Katharina Dorecht.
  • Thomas Dziorek, Landwirt, Gefreiter 18. Artillerie Brigade. * 1881 Radon Kreis Pschibischewige[4], † 29. September 1918 Lazarett (St. Joseph Krankenhaus) Börnig[5].
  • Sigismund Grasewitsch, Veterinär, Sanitäts-Unteroffizier 7. Feldartillerie-Regiment (Beute-Reg.) Feldstation Intendantur Jesuche. * 1883 Scharkauwschtschyna (belarussisch Шаркаўшчына, russisch Шарковщина, Belarus, † 20. August 1918 Lazarett (St. Joseph Krankenhaus) Börnig[6]
  • Stefan Kapschik, Landarbeiter, Soldat 11. Kompagnie Infanterie Reg. Nr. 199. + um 1891 Oscherow Kreis Kodau[7], † 30. JUli 1918 Lazarett (St. Joseph Krankenhaus) Börnig[8]. Ledig, Eltern: Landarbeiter Dominik Kapschik und Kathalina Lukoschitzka.
  • Iwan Klinochezki, Landarbeiter, Soldat 4. Kompagie Infanterie Regiment Nr. 224, * um 1889 in Limschewoj Kreis Lanschinskoi, † 5. Oktober 1917 Lazarett (St. Joseph Krankenhaus) Börnig [9] Ledig, Vater: Landarbeiter Joseph Klinoschewsky .
  • Iwan Lewandowski, Landarbeiter, * um 1890 in Sokołowo (Zentralpolen eh. Kreis Warschau), † 18. Januar 1918 Gefangenenlager Holthausen. [10]. Ledig, Vater: Landwirt Adrian Lewandowski
  • Michael Madea, Kutscher, Gefreiter 1. Kompagnie 19 Ulanen Regiment. * um 1886 Gurezka Kreis Sanejek[11] , † 16. November 1918 Lazarett (St. Joseph Krankenhaus) Börnig[12] ∞ Anna geb. Wales. Mutter: Anastasia Schnalube

R.I.P.

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Anmerkungen

  1. Sterberegister Nr. 194
  2. Reg. Nr. 222/1918
  3. Reg. Nr. 277/1916
  4. Nicht ermittelbar
  5. Reg. Nr. 308/1918
  6. Reg. Nr. 280/1918
  7. Nicht ermittelbar. evtl. Ostrowsky Ujesd
  8. Reg. Nr. 256/1918
  9. Reg. Nr. 317/1917
  10. Reg. Nr. 14/1918
  11. Nicht ermittelbar
  12. Reg. Nr. 413/1918