Korte-Düppe Siedlung Baukau - Teutoburgia

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Die Korte-Düppe-Siedlung war eine Wohnsiedlung in Baukau und ist ein Wohngebiet im Herner Stadtteil Börnig und steht in engem Zusammenhang mit der benachbarten Gartenstadt Teutoburgia. Sie entstand Anfang der 1990er-Jahre im Zuge des Strukturwandels im Ruhrgebiet und gilt als Beispiel für eine sozial orientierte und partizipative Stadterneuerung.

Karte-Düppe Siedlung (bis 1992)
Bildinfo: Die Siedlung vor 1990 (RVR Luftaufnahmen)
Ortsteil: Baukau
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Letze Änderung: 24.03.2026
Geändert von: Andreas Janik

Korte-Düppe-Siedlung (Herne)

Überblick

Ort: Herne, Stadtteil Börnig Entstehung: 1986–1992 Siedlungstyp: Neubausiedlung („Siedlung in der Siedlung“) Besonderheit: Umsiedlung einer gewachsenen Nachbarschaft mit aktiver Bewohnerbeteiligung

Historischer Hintergrund

Die ursprüngliche Korte-Düppe-Siedlung befand sich im Stadtteil Herne-Baukau an der Rottstraße und war eine typische Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets. Sie lag gegenüber der Ausflugsgasttätte Korte-Düppe. Errichtet als "Kolonie" Rottstraße 110-124e, wie sie zuerst genannt worden war, wurde sie nach 1908 von der Harpener-Bergwerksgesellschaft errichtet.

Im Zuge von Strukturwandel und städtebaulicher Neuordnung sollte sie abgerissen werden.
Gegen diese Pläne formierte sich 1986 Widerstand: Rund 30 Familien gründeten eine Bürgerinitiative mit dem Ziel, ihre gewachsene Nachbarschaft zu erhalten.

Umsiedlung und Bürgerbeteiligung

In Zusammenarbeit mit der Stadt Herne und dem Unternehmen VEBA Immobilien wurde ein ungewöhnlicher Kompromiss entwickelt: Statt eines vollständigen Verlusts der sozialen Strukturen sollte ein Teil der Bewohnerschaft gemeinsam in ein neues Wohngebiet umziehen.

„Siedlung in der Siedlung“

Am nordöstlichen Rand der Teutoburgia-Siedlung entstanden auf zwei Brachflächen in der Schadeburgstraße und der Straße Am Knie zwei Bauabschnitte (Am Förderturm / Am Luftschacht) mit insgesamt 19 Wohnungen.

15 Familien aus der alten Korte-Düppe-Siedlung zogen dorthin um. Seit 1992 leben sie in der neuen Umgebung.

An stelle der alten Siedlung entstand später eine Großbäckerei der PanaBake Gmbh, Rottstr. 128.

Partizipative Planung

Das Projekt gilt als beispielhaft für Mitbestimmung im Wohnungsbau. Die zukünftigen Bewohner wurden von Beginn an intensiv in die Planung einbezogen und konnten ihre Vorstellungen aktiv einbringen.

Sie wirkten mit bei:

  • der Anpassung der städtebaulichen Konzepte
  • dem Zuschnitt und der Verteilung der Wohnungen
  • der Grundrissplanung und Ausstattungsdetails
  • der Bildung neuer Hausgemeinschaften
  • der Gestaltung von Nachbarschaften
  • der Anlage von Grün- und Freiflächen
  • ökologischen Aspekten am Gebäude und im Wohnumfeld

Diese umfassende Beteiligung war für die damalige Zeit im sozialen Wohnungsbau ungewöhnlich.

Städtebau und Architektur

Die Korte-Düppe-Siedlung wurde bewusst als Ergänzung zur historischen Teutoburgia-Siedlung konzipiert.

Typische Merkmale sind:

  • kleinteilige, aufgelockerte Bebauung
  • Orientierung am Gartenstadtprinzip
  • Einbindung von Grünflächen
  • Rückgriff auf traditionelle Gestaltungselemente der Bergarbeitersiedlungen

So entstand eine „Siedlung in der Siedlung“, die sich harmonisch in das bestehende Umfeld einfügt.

Bedeutung und Bewertung

Das Projekt wird als gelungenes Experiment der Stadterneuerung bewertet:

  • Erhalt sozialer Netzwerke: Ein Teil der Nachbarschaft blieb erhalten
  • Mitbestimmung: Bewohner konnten aktiv planen und entscheiden
  • Identitätskontinuität: Gemeinschaftsgefühl wurde in die neue Umgebung übertragen

Der Einsatz der Bewohner zahlte sich aus: Das Experiment gilt als erfolgreiches Modell für sozialverträgliche Umsiedlung im Strukturwandel.

Einordnung

Die Korte-Düppe-Siedlung steht exemplarisch für neue Ansätze der Stadtentwicklung im Ruhrgebiet während der späten 20. Jahrhunderts, insbesondere im Kontext der Internationale Bauausstellung Emscher Park.
Sie zeigt den Übergang von der klassischen Arbeitersiedlung hin zu partizipativ geplanten, sozial stabilen Wohnformen.

Literatur und Quellen (Auswahl)


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Quelle