Kirchhofstraße 1-3 - Alt-Herner Bier- und Kaffeestuben

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Das Gebäude Kirchhofstraße 1-3 befindet sich im historischen Ortskern von Herne. Die Kirchhofstraße gehört zu den ältesten Straßen des Stadtteils und erhielt ihren Namen nach dem ersten außerhalb des ursprünglichen Dorfkerns angelegten evangelischen Friedhof. Das Friedhofsgelände wurde bereits 1839 erworben und 1841 eingeweiht. Mit dem Wachstum der Gemeinde entwickelte sich die Kirchhofstraße zu einer wichtigen Verbindungsstraße zwischen dem alten Dorfbereich und den Friedhof bzw. ab 1912 den Behördenquartieren.

Kirchhofstraße 1-3
HHHoffmann 2005[1]
HerneHerne-Mitte
🍻
Eröffnet1874-2026
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StadtbezirkOrtsteil


Geschichte

1874 wurde der Bauplatz vom Bochumer Kaufmann Josef Becker vom benachbarten Landwirt Jasper gen. Hochstrate angekauft und mit dem Doppel-Gebäude bebaut. Das Anwesen kaufte 1900 der Postassistent a.D. und Wirt Friedrich Wünnenberg, 1917 der Gerichtsdiener Wilhelm Ellichsen.

1912 wurde dort von dem Handelslehrern Carl Bollmann und Josef Förden, später nur Bollmann eine private Kaufmännische Schule unterhalten. 1933 kam die Fahrschule Braukmann.

Bis 1936 betrieb dort der Klempnermeister Wilhelm Ellichsen jun. sein Badeinrichtungsfachgeschäft befor er zur Bahnhofstraße 10 umzog.

1925 firmierte hier Max Thumernicht mit seiner Klavier, Flügel und Schreinerei als Spezial Reparaturwerkstatt.

Nutzung als Gaststätte

Die Alt-Herner Bier- und Kaffeestuben waren über Jahrzehnte ein markantes Gastronomie- und Fachwerkgebäude an der Kirchhofstraße 3 in der Herner Innenstadt. Der Bau galt vielen Hernern als stadtbildprägendes Beispiel historischer Gastronomiekultur.[2]

Das Gebäude war lange Zeit als Herner Gaststätte bekannt. Die „Alt-Herner Bier- und Kaffeestuben“ gehörten zum innerstädtischen Gastronomiegefüge und dienten als Treffpunkt für Alltag, Vereinskultur und geselliges Beisammensein.[3]

In den 1980er-Jahren wurde das Haus umfassend zu einem vierstöckigen Restaurant umgestaltet. Es bot Platz für bis zu 400 Gäste und verfügte über einen Dachgarten sowie mehrere Veranstaltungsräume.[4]

Versteigerung und Stillstand (2009–2019)

Am 18. Februar 2009 wurden die Alt-Herner Bier- und Kaffeestuben zwangsversteigert. Das Gebäude ging für 260.000 Euro an einen privaten Investor. Der Betrieb der Gaststätte endete damit endgültig. Der Erwerber kündigte an, das Haus zu Wohnungen umzubauen und im Dachgeschoss ein Büro einzurichten. Eine Rückkehr der Gastronomie wurde nur unter Vorbehalt einer geeigneten Betreiberlösung erwogen.[5]

In den Folgejahren blieb das Gebäude jedoch weitgehend ungenutzt. Bereits 2019 ordnete die Stadt Herne Sicherungsmaßnahmen an, da die Fassade marode war und das Haus zunehmend verfiel. Ein vorhandenes Baugerüst war zudem ohne gültige Genehmigung aufgestellt worden.[6]

Verfall und fehlende Baupläne (2021)

Auch 2021 befand sich das Gebäude weiterhin in einem kritischen Zustand. Die Stadt bestätigte, dass der Eigentümer keine gültigen Bauanträge eingereicht hatte und Sicherungsmaßnahmen nur teilweise umgesetzt worden waren. Ein Abriss war zu diesem Zeitpunkt nicht vorgesehen, die Handlungsmöglichkeiten der Stadt jedoch begrenzt.[7]

Neuer Investor und Zukunftspläne (ab 2024)

Im Oktober 2024 wurde bekannt, dass ein Investor aus dem Rheinland das Haus erworben hat. Dieser stellte erste Bauanträge vor, die die Nutzung des Gebäudes für Wohnzwecke vorsehen. Sowohl die Fassadengestaltung als auch die Grundrisspläne entsprachen den Vorstellungen der städtischen Planungsbehörden.[8]

Abriss und Neubebauung

Nach mehr als zwei Jahrzehnten Leerstand wurde 2026 das Ende des Gebäudes Kirchhofstraße 1–3 beschlossen. Die Immobilie galt über viele Jahre als eine der bekanntesten Problem- und Leerstandsimmobilien der Herner Innenstadt. Aufgrund ihrer Lage an der fußläufigen Verbindung zwischen Parkhaus und Fußgängerzone prägte der bauliche Verfall über Jahrzehnte das Erscheinungsbild des südlichen Innenstadtzugangs.

Der Eigentümer stellte gemeinsam mit einem Architekturbüro im Juni 2026 die Planungen für eine Neubebauung des Grundstücks vor. Vorgesehen ist ein Wohn- und Geschäftshaus im Effizienzhaus-40-Standard mit 13 Wohnungen unterschiedlicher Größe sowie zwei Ladenlokalen im Erdgeschoss. Das Konzept umfasst darüber hinaus Gemeinschaftsflächen, Spielflächen und einen Dachgarten als Ersatz für die vollständig versiegelte Grundstücksfläche.

Besondere Bedeutung kommt dem Vorhaben im Bereich des öffentlich geförderten Wohnungsbaus zu. Zwölf der dreizehn Wohnungen werden als Sozialwohnungen errichtet und durch Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt. Die Gesamtinvestition beträgt rund 3,7 Millionen Euro.

Mit dem geplanten Abriss endet zugleich die Geschichte des Gebäudes, das zuvor über Jahrzehnte als Standort der „Alt-Herner Bier- und Kaffeestuben“ bekannt war. Die Neubebauung steht beispielhaft für die städtebauliche Erneuerung der Herner Innenstadt und die Bemühungen, langjährige Problemimmobilien einer neuen Nutzung zuzuführen.

Einzelnachweise

  1. https://de.wikipedia.org/
  2. WAZ: Fachwerkhaus hat neuen Besitzer, 18.02.2009.
  3. WAZ: Fachwerkhaus hat neuen Besitzer, 18.02.2009.
  4. WAZ: Fachwerkhaus hat neuen Besitzer, 18.02.2009.
  5. WAZ: Fachwerkhaus hat neuen Besitzer, 18.02.2009.
  6. Radio Herne: Bauarbeiten bei den Alt-Herner Bier- und Kaffeestuben, 2019.
  7. Radio Herne: Alt-Herner Bier- und Kaffeestuben verfallen weiter, 2021.
  8. Radio Herne: Neues Leben für leerstehendes Haus, 2024.

Lesen Sie auch

Quellen